Ion Tiriac mal anders  -  Worauf steht er…

Was oder wen mögen Sie - wofür würden Sie sich entscheiden?


Paris oder Bukarest?
- Ich liebe Paris, da habe ich sieben Jahre gewohnt. Bukarest ist für mich Rumänien, meine Heimat, da werde ich mein Leben lang hingehen. Es ist die beste Stadt neben Monte Carlo, wo ich meine Ruhe habe und nicht überall belästigt werde.
Fußball oder Eishockey?
- Eishockey gehört zu meinem Leben. Ich war ja mal Eishockeyspieler. Aber Fußball, das ist eine Religion in fast jedem Land. Ich bin ein Fan von beiden und schau' mir große Spiele an.
Zeitung oder Magazine?
- wohl mehr Zeitungen
Lesen oder Fernsehen?
- Fernsehen
Bankgeschäfte oder Sportvermarktung?
- Für mich verschiedene Dinge. In Sportvermarktung kenne ich mich aus. Da bin ich Profi - im Bankgeschäft aber Laie. Da suche ich mir Leute, die etwas davon verstehen und die habe ich.
Politik oder Wirtschaft?
- Wirtschaft, da habe ich die Fäden in der Hand.
Klassische Musik oder Musical?
- wohl eher Musical.
Mozart oder Elvis?
- Ich bin kein Rock and Roll-Fan. Es muss auch nicht unbedingt Mozart oder Vivaldi sein. Ich mag Melodien.
Picasso oder Rubens?
- Ich neige mehr zu Picasso. Er war wie Rubens ein genialer Maler. Er hat aber auch noch einen neuen Malstil kreiert und die Malerei grundsätzlich beeinflusst.
Rolls Royce oder Ferrari?
- Rolls Royce habe ich noch nie gemocht. Ferrari ist ein schöner Sportwagen, aber es gibt technisch bessere und schnellere. Ich bin besonders an limitierten Auflagen interessiert.
Wimbledon, Roland Garros, US- oder Australian Open?
- Roland Garros
Powertennis oder Tennis mit Gefühl?
- Tennis mit Gefühl.
Nastase oder McEnroe?
- zwei geniale Spieler, von denen Nastase Tennis stark beeinflusst hat. Solche Spieler gibt es heute nicht mehr. Das Spiel ist zu schnell. Man muss darauf hauen, nur darauf hauen. Da ist nichts mehr von Kunst.
Steffi Graf oder Martina Hingis?
- Steffi war die beste Spielerin, die ich gesehen habe und vielleicht die beste aller Zeiten. Man kann sie nur mit Martina Navratilova oder Chris Evert vergleichen, mit niemandem sonst.
Italienische oder französische Küche?
- Spielt keine Rolle. Jedes Land hat spezielle, köstliche Speisen. Ob japanisch, chinesisch, italienisch, französisch oder auch rumänisch ist dabei egal.
Wein oder Champagner?
- Wein
Ausschlafen oder früh aufstehen?
- Ich schlafe wenig und bin immer früh auf den Beinen.
Elegante oder sportliche Kleidung?
- Kommt darauf an, wo ich bin.
Museum oder Shopping?
     
- Zum Einkaufen habe ich keine Zeit und für Museen nur sehr selten.
Diszipliniert oder eher exzessiv?
- Nein, nicht exzessiv - ich bin diszipliniert.
also auch kein Spielertyp?

  • Ich bin kein Spieler. Auf das Glück verlasse ich mich nicht. Ich habe doch Kopf und Verstand.

                     aufgezeichnet von Eberhard Pino Mueller

Ion Tiriac - Tennisspieler, Coach, Manager, Sportpromotor, Bankier und Geschäftsmann mit Wohnsitzen in Monte Carlo, Bukarest und Paris.

Der Milliardär

          Eine Karriere wie ein Märchen  - was sonst? Da schwatzte ein junger Mann, armselig eine Plastiktüte in der Hand, dem Direktor eines italienischen Tennisclubs einen Showkampf auf, weil er Geld zum Leben brauchte. Es war im noblen Monte-Carlo-Country-Club zu einer Zeit, als die Spieler bei Tennisturnieren noch kein Preisgeld bekamen. Der Mann, damals ein armer Schlucker, war Ion Tiriac, der heute zu den Milliardären zählt und der reichste Mann Rumäniens sein soll.

          Tiriac war, obwohl nicht das ganz große Talent, ein passabler Tennisspieler, weil er clever zu spielen und seine Gegner auszutricksen verstand. Er brachte es auf 24 Titel bei kleineren Turnieren, holte zusammen mit seinem Landsmann Ilie Nastase in Roland Garros den Doppeltitel und stand mehrmals mit dem rumänischen Team im Finale des Davis Cup. Tiriac, ein schlauer Fuchs auf dem Tennisplatz, war nach seiner Karriere als Coach und Manager ein gefragter Mann. Er tat sich mit Tennisprofis wie Guillermo Vilas, Adriano Panatta, Henri Leconte, Goran Ivanisevic, Marat Safin wie auch mit Anke Huber, Steffi Graf und Boris Becker zusammen.

          Die Beziehung mit Boris Becker sollte sich für Tiriac besonders auszahlen. Nicht nur wegen der lukrativen Verträge, die er für den Superstar machte, und an denen er selbst Millionen verdiente, sondern als Türöffner für seine Geschäfte mit dem Deutschen Tennis Bund und den Weltfirmen Mercedes, Ford, Hyndai, Lufthansa, Siemens, Mobil Oil, Avis, Hertz, Allianz oder Metro, die er in Rumänien vertritt.

          Als Tennis weltweit wie nie zuvor boomte, vor allem in Deutschland mit Steffi Graf, Michael Stich und Boris Becker, war Ion Tiriac beim DTB dick im Geschäft. Mit dem Rumänen zusammen wurden die deutschen Turniere vermarktet und überall üppige TV-Verträge ausgehandelt. Tiriac war immer da, wo Geld sprudelte. Auch war Tiriac in den Milliardendeal involviert, als die ATP für die Masters-Turniere, zu denen auch das am Rotenbaum in Hamburg gehörte, die TV-Rechte aushandelte, die den German Open über Jahre Millionen bescheren sollten.

          Als der Vertrag platzte und das Geld beim DTB knapp wurde, war Tiriac weg. Aber: Ion Tiriac verlegte auch sein Stuttgarter Turnier, die Eurocard Open, nach Madrid, weil da mehr herauszuholen war. Und noch ein weiterer Coup von Tiriac. Tiriac, der Turniermanager in Madrid, hat den Hamburgern auch noch den Status in der höchsten ATP-Turnierkategorie abgeknöpft und will die Madrid Open mit mehr als sieben Millionen Euro Preisgeld, wo auch die Weltelite der Damen spielt, zu einem Event der Superlative machen. Spektakulär zwar die „Caja Mágica", die magische Schachtel, wie sie den Komplex mit den drei Hauptstadion nennen, weil die Dächer zum Öffnen und Schließen sind, unspektakulär aber die triste Betonkonstruktion im Innern, mit dem Charme einer Autotiefgarage.

          Nicht wirklich zufrieden waren auch viele Spieler mit Tiriacs neuester Errungenschaft und dem  Madrider Turnierservice, was den ehrgeizigen Milliardär erboste. In der spanischen Sportzeitung „As" pfiff der Tennismacher die Herren Tennis-Millionäre mit dem Argument zurück, das für Tiriac am meisten zählt - das Geld. Er konnte sich dabei nicht verkneifen, auf früher hinzuweisen. Er selbst könne sich noch gut daran erinnern, wie er auf Campingplätzen übernachtet habe, um an Turnieren teilnehmen zu können.

                      Eberhard Pino Mueller
publiziert   Tennisportal  TAKEOFF-PRESS

                 Presse-Dienst-Süd  --  JOURNAL/EURO

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