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Andrea Petkovic
Anders als die andern… "Twenty-four-hour-full-power"
Rockstar auf einer großen Bühne sei ihr Lebenstraum und twenty-four-hour-full-power ihr Motto, sagt sie. Wow! Doch dass die 22-Jährige, hauptberuflich Tennisspielerin mit einem Weltranglistenplatz unter den Top-50, auch noch nebenbei studiert und singt, Goethe, Oscar Wilde und Che Guevara liest, mit einer Band in den Ferien herumtingelt und irgendwann auch noch eine eigene Partei in Deutschland gründen will, klingt dann doch verrückt. Also wirklich, eine Profi-Tennisspielerin, die solche Sachen im Kopf hat und macht - gibt es einen besseren Witz? Von wegen ein Witz. Das alles ist so, stimmt wirklich. Aber lassen wir Andrea Petkovic, die sich als Bloggerin im Internet auch schelmisch „Petkorazzi" nennt, gleich alles selbst erzählen.
Und es fing schon gleich, noch bevor sie losschießen konnte, gut an. „Sorry, muss noch schnell auf's Klo", entschuldigt sie sich und rennt davon. Kurz darauf machte es rumms, weil sie sich vor lauter Hektik das Knie an der Toilettentüre angehauen hatte. War aber zum Glück nicht schlimm, wie eine Verletzung am gleichen Knie, über die Andrea Petkovic flachste: „Kommt von meiner guten Beinarbeit, weil ich so tief in die Knie gehe."
Also dann, wie feiert eine Tennisspielerin denn ins neue Jahr? „Im Flieger nach Australien mit meinem Papa, Anna (Lena Grönefeld) und Anhang beim Uhrenvergleich. Plötzlich der Kapitän: 'It's midnight, happy New Year, fasten your seatbelt.' Der sagte das so trocken, da haben wir uns halb totgelacht und ein Glas Sekt geext." Und was war mit Ferien zum Jahresende? „Nichts. Ich war nur drei Tage Ende Oktober in Bad Gastein, wo sie mir für meinen Turniersieg einen Hotelgutschein mit Wellness geschenkt hatten. Und danach zehn Tage mit Freunden, die eine Band haben, auf Tour."
Wie das, das sind doch keine Ferien? „Für mich schon, ich kann nicht herumliegen und nichts machen. In Hamburg, Frankfurt, Saarbrücken und anderen Städten war ich bei Konzerten mit „Phil-Fill" dabei. Die Band spielt Neo-Funk, Rock, Elektro-Pop, so alles ein bisschen, und ich habe T-Shirts und CDs verkauft. Das war super für mich, denn als Tennisspielerin lebt man so sportlich und hier konnte ich mal jegliche Disziplin über Bord werfen und schlafen und essen, wann ich wollte."
Nicht, dass Andrea Petkovic ihren Beruf nicht ernst nimmt. „Tennis ist mir wichtig, aber eben nicht alles. Ich will doch nicht all die Möglichkeiten verpassen, die ich im Leben habe." Dennoch, die Darmstädterin hatte sich intensiv auf das neue Jahr vorbereitet. Sechs Wochen Ende letzten Jahres in der Schweiz mit dem Holländer Glen Schaap, der auch schon Safina unter seinen Fittichen hatte. Ihr Training hatte sie nur schnell für die Deutschen Hallenmeisterschaften unterbrochen. Von Bern in Offenburg gerade angekommen, fragte Andrea Petkovic nur ganz cool: „Gegen wen spiele ich und wer ist das?" Und so unbekümmert hat sie sich dann auch den Titel geholt und 3.600 Euro Preisgeld. „Konnte ich gut gebrauchen, nicht für Weihnachtsgeschenke, habe damit mein Training in der Schweiz finanziert."
Am liebsten würde die 1,80 Meter große Sportlerin mit Glen Schaap zusammenarbeiten. Doch der ist an einer Tennisakademie angestellt. „Vielleicht geht es auch halb mein Vater, halb Glen. Das wäre ideal, denn mein Vater arbeitet noch und kann auch nicht immer weg." Ihre Ziele? Nachdem das erste, die Top-50, erreicht ist - Tennis um die Top-100 wäre für sie „Zeitverschwendung" gewesen - denkt sie schon, dass noch mehr möglich ist. Warum nicht auch die Zwanzig? „Ach ja", sagt sie aber gleich noch recht selbstbewusst, „ich will den Fed Cup gewinnen, ja eigentlich auch noch alle vier Grand Slams dazu" - na ja, wer will das nicht?
So engagiert wie mit Tennis ist Andrea Petkovic auch mit ihren anderen Aktivitäten. Und zwar radikal. Halbe Sachen macht sie nicht. Ihr Studium der Politikwissenschaften will sie unbedingt durchziehen. „Ich lerne gerade echt viel. Jeden Tag, immer wenn ich heimkomme oder im Hotel. Ich schreibe im März eine Klausur und dafür lasse ich ein Turnier sausen. Mein Teilzeitstudium ist mir wichtig. Ich brauch' ja sowieso die doppelte Zeit, und wenn ich da noch anfange zu schieben, dann weiß ich, dass ich nie fertig werde."
Verständlich. Andrea Petkovic ist mit vielem beschäftigt und nie zu bremsen. Sie hat ja auch für's Schreiben eine Schwäche. Schon als Schülerin. „Da
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