|
Sabine „Bine" Katharina Lisicki
„Ich will immer die Beste sein"
Eine schöne Geschichte. Lassen wir sie in Polen beginnen. Da beschloss ein sportlicher und intelligenter Mann mit seiner Frau auszuwandern und sein Glück in Deutschland zu suchen. Sie landen in Troisdorf im Bergischen Land, wo der Mann, ein gewisser Richard Lisicki und dessen Frau Elisabeth, sich niederlassen. Die Lisickis bekommen 1989 ein Baby, dem sie den Namen Sabine geben. Mit vier Jahren ballert die Kleine vergnügt mit Tennisbällen herum, während Herr Lisicki in jener Zeit oft am Computer sitzt, um sich einen Traum zu erfüllen. „Ich kann mich noch erinnern, als mein Papa stundenlang etwas tat, was ich als Kind nicht verstanden habe", erzählt Sabine Lisicki, „aber jetzt bin ich froh und auch stolz auf ihn, dass er damals eine Doktorarbeit, für die er jahrelang sehr hart arbeiten musste, gemacht hat."
Herr Lisicki musste sich, um Geld zu verdienen, vor allem aber auch um seine etwa 60 Kilometer von Köln entfernte Tennisschule in Reichshof-Eckenhagen kümmern. Da, sagt Sabine Lisicki, habe alles ganz langsam angefangen. Mit sieben Jahren. Die ersten Trainerstunden mit dem Papa. Zweimal eine halbe Stunde in der Woche. Nicht genug für Sabine, die sich an der Wand einer nahegelegenen Squashanlage mit Tennisbällen austobte. Jahr für Jahr wurde das Training dann erhöht - mit Erfolg. Schon bei den ersten Kinder- und Jugendturnieren war „Bine" immer eine der Besten. Es fehlte nur an Geld. „Wir hatten leider das Pech, keine Sponsoren zu haben. Das hat uns das Leben schwerer gemacht und alles verzögert. So konnte ich bis 14 nur in Europa und nicht weltweit Turniere spielen. Dass meine Eltern mich so unterstützten, war toll, und dass wir das durchgestanden und geschafft haben, macht uns stolz. Es hat sich auch ausgezahlt."
Aber fast wäre das mit Tennis gar nichts geworden, weil die kleine Sabine auch eine begeisterte und talentierte Klavierspielerin war. „Na ja, mein Lehrer, bei dem ich auch im Chor ein paar Jahre gesungen habe, meinte zu meinen Eltern, ich solle Tennis aufgeben, denn Schule, Tennis, Klavier und Chor sei zusammen zuviel. Doch weil ich immer aktiv sein muss und mir nicht vorstellen konnte, sechs Stunden am Klavier zu sitzen, spielte ich lieber Tennis. Egal was ich mache, ich möchte immer die Beste sein, und das ging halt nicht, wenn ich im Klavierunterricht nicht hundert Prozent gebe."
Der nächste Wendepunkt kam 2002, als die Lisickis nach Berlin zogen, wo Sabine auf die Werner-Seelenbinder Schule, ehemals ein DDR-Internat, ging, um Schule und Tennistraining zu optimieren. Eine sehr gute Entscheidung des Trainer-Vaters, der seiner Tochter Tennis mit eigenen sportwissenschaftlichen Methoden aus seiner Doktorarbeit über Trainingsmethoden, die mit der „Schlaggeschwindigkeit und Schlagpräzision" zu tun haben, beibrachte. Denn in Berlin gab es auch im LTTC Rot-Weiss ein besonderes Tennisumfeld, das zu Sabines erstem Highlight auf der großen Tennisbühne führen sollte.
Die 15-Jährige, die jüngste Deutsche nach Steffi Graf, die den Sprung in die Weltrangliste schaffte, erhielt 2005 von ihrem Club eine Wildcard für die German Open und gewann auch gleich die erste Runde. „Ein geniales Gefühl", sagt sie damals, „ich wusste sofort, dass es genau das war, was ich will." Schon ihr Kindertraum war es, die Nummer eins zu werden und Grand Slams zu gewinnen. „Ich hab' recht früh bei Grand Slams zugeschaut, war mir aber gar nicht bewusst, wie viel Arbeit dahinter steckt und wie groß die Turniere wirklich sind." Da muss Sabine Lisicki selbst lachen und zeigt ihre strahlend weißen Zähne. „Ach ja, das war einfach mein Traum, weil ich eben die vielen Leute, die zugeguckt haben, toll fand."
Zu diesem Zeitpunkt begann für Sabine Lisicki wieder ein neuer Abschnitt im Leben. Die Vermarktungsagentur IMG nahm sie unter Vertrag und ermöglichte der Berlinerin, ihren Wohnsitz jährlich für sechs Monate nach Florida an die Nick-Bollettieri-Tennisakademie zu verlegen, wo sie zuvor nur in den Ferien trainiert hatte. Die für Sabine „langfristig angelegte Karriereplanung", wie der Papa die Entwicklung seiner Tochter immer gesehen hat, bekam durch den Drill bei Bollettieri einen weiteren Schub, der leider durch eine längere Pause wegen eines Mittelfußbruchs zuerst einmal gestoppt worden war.
Sabine Lisicki, die sich besonders für Mode-Design interessiert, ließ sich aber dadurch nicht unterkriegen. Ihr sehnlichstes Ziel war, endlich bei einem Grand Slam-Turnier dabei zu sein. Der Einstieg war für die Australian Open 2008 geplant. „Ich habe die Schule abgebrochen, besser gesagt unterbrochen und mich beurlauben lassen, denn ich wollte erst mal sehen, wie das mit den Tur
|
|