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Australian Open 2020 und Melbourne's Wetterkapriolen……

Rauch, Hitze, Regen, Sturm


Ein englischer und ein australischer Tennisreporter unterhielten sich zu Beginn der Australian Open auf der Fahrt zum Melbourne Park nicht wie üblich über Tennis, über die Topstars Novak Djokovic, Rafael Nadal und Roger Federer, auch nicht über das „Wunderkind" Coco Gauff oder die Titelverteidigerin Naomi Osaka, auch nicht über das Wetter, das in Melbourne oft Kapriolen macht, da der australische Sommer brutal und gnadenlos heiß sein kann, so dass Straßenbahnschienen sich sogar verbiegen.

Nein, diesmal ging es um die Luft, die Atmosphäre über der Stadt. Es war der beunruhigende Rauch, der von den apokalyptischen, hundert Kilometer entfernten Buschfeuern nach Melbourne gezogen war, und es fraglich erschien, ob die durchtrainierten Tennisprofis unter solchen Bedingungen überhaupt spielen können - noch nie hatte es so etwas zuvor gegeben.

Okay, Australien ist ein Abenteuer - überall und schon immer. Die Natur, die Tiere, die Menschen, das Klima - auch manchmal der Sport. Schon vergessen? Oder wer erinnert sich noch an das Missgeschick von Steffi Graf gleich beim ersten Match der Australian Open 1993. Die 14-Jährige rutschte auf den schlüpfrigen Grasplätzen in Kooyong aus, brach sich den Daumen und weinte bitterlich. Niemand ahnte damals, was für eine großartige Karriere das Kind später machen würde. Doch eine, Martina Navratilova schrieb ihr tröstend: „Du wirst einmal eine Große." 

Ein unerwartetes, katastrophales Abenteuer erlebte auch der Tennisheld Boris Becker bei seinem Tennistrip 1997 zu den „Aussie" Open, als er bei fast 60 Grad im „Glutofen" auf dem Centercourt sein erstes Match vergeigte, und hinterher erzählte: „Mein Hirn war auf dem Platz ein Rührei, ich wusste nicht mehr, wie ich heiße."

Ein katastrophales Reiseabenteuer ereilte auch Andrea Petkovic gleich in der ersten Runde 2008 „Down Under", als die 20-Jährige nach einem Bänderriss heulend im Rollstuhl vom Platz gefahren wurde, den Heimflug antreten und acht Monate Reha machen musste, bevor sie wieder Tennis spielen konnte.

Die Rauchwolke über Melbourne verzog sich zum Glück, und nachdem es auch noch etwas geregnet hatte, war alles dann doch nicht ganz so schlimm. Auch Turnierdirektor Craig Tiley war froh, dass er nur ein paar Matches in der Qualifikation verschieben musste. Angelique Kerber, die zum 13. Mal bei den Australian Open antrat, kennt Melbournes unvorhersehbares Wetter zur Genüge und meinte: „Du weißt nie, was dich erwartet - das ist Melbourne. Du darfst dich wegen dem Wetter nicht verrückt machen."

Und wie immer spielte das Wetter in der zweiten Woche auch diesmal verrückt. Hitze, Regen und Sturm wechselten sich ab. An einem Tag stieg die Temperatur in Melbourne von 22 Grad am Morgen auf 42,3 Grad um drei Uhr nachmittags. Der Sand an der St Kilda Beach war so heiß, dass man sich barfuß die Füße verbrannte, und Tennis bei diesen Temperaturen zur Qual wurde.

                                                                                Eberhard Pino Mueller
 
publiziert: Februar 2020  --  Tennisbibliothek TAKEOFF-PRESS
                                              Presse-Dienst-Süd  --  JOURNAL/EURO



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