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Daniel Fabian Brands
„Da ist noch was drin"
Was für ein Unterschied zu 2008 bei den French Open in Paris. Als wir uns damals unterhielten, war Daniel Brands der Weltranglisten-200. Als Qualifikant hatte er sich zum ersten Mal in das Hauptfeld eines Grand-Slam-Turniers gespielt. Von dem, was er auf der zweitklassigen Challenger-Tour verdiente, konnte er sich nicht einmal ein Auto leisten. Die Niederlage damals, gleich in der ersten Runde, war für den 21-Jährigen „der größte Erfolg meiner Karriere." Und sein Ziel: „In zwei bis drei Jahren will ich die Top 100 erreicht haben. Man muss Geduld haben. Es dauert und geht immer weiter."
Daniel Brands erinnert sich noch gut an all das vor fünf Jahren. Vielleicht auch, weil sein Tennisleben sich inzwischen total verändert hat. Er spielt jetzt auf den großen Turnieren mit, hat allein an Preisgeldern knapp 1,5 Millionen Dollar verdient, fährt einen Mercedes, kratzt an den Top-50 und gehört zum Davis-Cup-Team.
In diesen Tagen ist er aber noch immer wie früher. Kein Problem, sich spontan mit ihm zu verabreden. Der baumlange, 1,96-Meter große Hüne redet nett und bescheiden, selbst wenn es um seine besten Matches geht. „Meine schönsten Spiele", sagt er, „waren gegen Roger Federer. Zuerst in Hamburg, wo ich knapp verloren habe. Noch schöner dann in Gstaad, wo ich ihn schlagen konnte." Er zählt auch sein Nadal-Match in Paris dazu: „Gegen Rafa auf Sand den ersten Satz zu gewinnen und im zweiten nah dran zu sein, das war für mich der Wahnsinn. Na ja, aber dann wäre es immer noch ein langer Weg gewesen."
Immer wieder hat Daniel Brands gegen sehr gute Spieler gewonnen, oft auch gut mitgehalten, dann aber doch noch verloren. Seine Erklärung: „Es fehlt nicht viel, vielleicht, dass ich in wichtigen Momenten noch mehr präsent sein muss. Das hab' ich gegen die ganz Guten noch nicht hundertprozentig geschafft." Klingt simpel: Mit seinen tollen Schlägen ist er von den Top-Spielern nicht so weit weg. Wie gegen den argentinischen Ex-US-Open-Champion Del Potro, mit dem er sich 2012 in Wien eine Aufschlag-Schlacht geliefert hatte: „Mein verrücktestes Match. Wir haben zusammen 62 Asse geschlagen. Das ist einmalig über drei Sätze auf der Tour."
Ein großes Ding war Daniel Brands Einsatz im Davis Cup. Dabei kam alles zusammen: Er kam als Debütant und eigentlich auch nur als Ersatzmann überraschend im Einzel gegen Argentinien zum Einsatz, als es zu all dem auch noch um den Klassenerhalt ging, und machte alles richtig. Er meisterte mit guten Nerven alle kritischen Situationen, spielte solide, taktisch und mutig und ließ sich auch durch das Hickhack zum Schluss bei den Match- und Breakbällen nicht durcheinander bringen. „Jetzt bin ich einfach nur froh", sagte der Matchwinner Brands in seiner bescheidenen Art hinterher, „diesen wichtigen Punkt geholt zu haben. Dies gibt mir auch einen Schub für die Zukunft."
Großen Anteil an der Entwicklung des Niederbayern aus dem Städtchen Bogen hat Klaus Langenbach. „Klaus ist seit zweieinhalb Jahren mein Trainer", sagt Daniel Brands. „Er kennt mich gut und hat einen sehr, sehr positiven Einfluss auf mich." Verständlich: Kurz vor dem wichtigen Davis-Cup-Match telefonierte Brands noch schnell mit Klaus Langenbach, der nicht dabei war, und hat da bestimmt nicht über das Wetter mit ihm geredet.
Ganz wichtig für Daniel Brands ist die Familie. Ohne deren Unterstützung wäre es nichts mit einer Tenniskarriere geworden. Mit zwölf Jahren hatte er ein tolles Tennis-Familienerlebnis. „Da hab' ich meinen Papa zum ersten Mal in zwei richtigen Sätzen geschlagen und dafür 100 Mark gekriegt." Nicht schlecht der Stöpsel, denn Vater Brands spielte damals in der Bezirksliga. Jetzt spielen die beiden manchmal Golf zusammen. „Ich hab' damit angefangen, ohne Trainerstunden zu nehmen", erzählt Daniel Brands. „Ich hab' erst Handicap 36, weil ich nur selten spielen kann und ein bisserl Probleme mit der Technik beim Schwung hab'."
Auf Reisen lässt sich Daniel Brands gern begleiten. „Ab und zu sind mein Papa und meine Mama dabei", sagt er. „Das ist immer schön und bringt ein bisserl Ruhe mit rein." Und was ist mit Ferien? Daniel Brands lacht: „Nicht viel. Im November ist mal Pause. Zwei bis drei Wochen. Ich werd' ein wenig in den Bergen wandern, ein paar Tage irgendwo in Österreich Wellness machen und sonst zu Hause sein. Das kommt ja nicht so oft vor."
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