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Boris Becker, Chefcoach von Novak Djokovic
Beckovic - ein Mann mit einer Mission
Es gab immer irgend etwas über Boris Becker. Früher der charismatische und geniale Tennisspieler, einer der Größten aller Zeiten, und nach der Karriere ein Boris Becker mit seinen Eskapaden. Für Überraschungen war er immer und überall gut. Über seinen letzten Coup jedoch war er selbst baff. Er der Chefcoach von Novak Djokovic, Nummer zwei der Tennisweltrangliste, das kam selbst Boris Becker nicht in den Sinn. Es war auch, wie Jim Courier, der vierfache Grand-Slam-Sieger, meinte, „die größte Nachricht des vergangenen Jahres im Tennis neben dem Platz." Mit so einem Angebot von Novak, sagte Boris Becker der BBC, habe er nie gerechnet, und er sei „sehr geehrt."
Hier, bei den Australian Open, stand Boris Becker zum ersten Mal bei einem offiziellen Turnier als Coach von Djokovic auf dem Platz. Beim Training. Unter anderen hatte man gleich zu Beginn auch Tobias Kampke zum Bälle schlagen verpflichtet. „Als Becker auf den Platz kam", erzählt Kampke hinterher, „gab er mir die Hand und sagte, ich bin Boris." Irgendwie verwunderlich. Man kennt sich doch. „Ich finde", so Kampke über Boris Beckers Engagement, „es ist eine gute Sache für ihn. Im Tennis kennt er sich aus, da ist er wer, wird sehr geachtet und nicht, wie so oft in Deutschland, niedergemacht."
Mit auf dem Trainingsplatz war das Team von Djokovic. Der Physio- und der Fitnesscoach sammelten für Becker die Bälle auf, die der dann, in schwarzer Trainingshose und verwaschenem Puma-Hemd, Djokovic zuwarf oder zuspielte. Gesprochen wurde fast gar nichts, Becker fuchtelte nur gestenreich herum, um dem Trainingspartner Kommandos für Spielzüge zu geben. Und nicht verwunderlich, viele Tennisfans schauten den Tennisstars zu.
Umlagert wurde der Platz, auf einer extra abgesperrten Seite, von zahlreichen Fotografen, Journalisten und Kamerateams. Boris Becker und Novak Djokovic, das sind eben zwei Kaliber. „Zwei, die schon die Nummer eins waren, das ist ein Doppelpack, ein Power-Doppel", sagte Boris Becker in Melbourne selbstgefällig. Gut möglich, dass das auch ein Gesichtspunkt war, als Novak Djokovic die Legende Becker verpflichtet hat. Roger Federer, Raphael Nadal und auch Andy Murray verdienen viele, viele Millionen mehr im Jahr mit Sponsorenverträgen als Djokovic. Mit Superstar Boris Becker im Schlepptau könnte sich das ändern. Mit dem Autohersteller Peugeot hat Novak Djokovic dann auch gleich einen lukrativern Vertrag gemacht.
Ob es mit dem Tandem Becker/Djokovic gut geht und länger halten wird, ist nicht abzusehen. Es gibt dazu verschiedene Meinungen. Doppelspezialist Christopher Kas sagt: „Der Job ist gut für ihn. Da ist er in seinem Element und engagiert wie früher als Tennisspieler." Roger Federer wunderte sich: „Ich hätte nicht gedacht, dass Boris so was machen würde." Und auch Ex-Wimbledonsieger Michael Stich war überrascht und äußerte sich in „Bunte": „Eine interessante Konstellation, aber Novak wird sich etwas dabei gedacht haben." Skeptisch auch der zweifache Australian-Open-Champion Jim Courier: „Hoffentlich kann Boris ihn inspirieren." Und Nikola Vajdova, die Tochter von Djokovics bisherigem Coach Marian Vajda, die im Tennisklub Villingen im Damenteam spielt, mailte mal schnell: „Novak und Boris, kein Kommentar - ha, ha, ha!"
Fred Stolle, mit 19 Grand-Slam-Titeln einer der alten australischen Tennishaudegen meinte: „An Novaks Technik kann Boris nichts verbessern. Er kann ihm taktische Tipps geben. Dafür braucht er aber nicht auf dem Platz stehen. Es ist zwar schön, ihn wieder zu sehen. Aber ich sag' mal, Novak und Boris, das wird großartig oder endet als Katastrophe." Der Südafrikaner Wayne Ferreira, ein Ex-Profi mit 26 Karrieretiteln, hält nicht viel von dem ungleichen Gespann: „Das ist lächerlich und wird nicht lange halten." So auch der in Deutschland arbeitende Trainer Roman Polak, Slowake und Freund von Marian Vajda: „Zwei so verschiedene Egos, das geht nicht lange gut, und Novak lässt Marian nicht hängen."
Man kann es auch so sehen, wie früher einmal der French-Open-Champion Thomas Muster. Ein Trainer müsse nur drei Dinge können, „Flasche halten, Handtuch halten und Klappe halten." Wer weiß schon, ob Novak Djokovic die gut gemeinten Experten-Ratschläge von Boris Becker umsetzen kann. Wenn nicht, dann würde das sein natürliches und geniales Spiel womöglich durcheinanderbringen.
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