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beschäftigt, nicht mit Tennis, denn ich wollte nur überleben. Es war tough."
Hinterher war nicht nur Andrea Petkovic überglücklich, sondern auch ihr ganzer Clan. Die Mama: „Ich bin fix und fertig mit den Nerven, Gott sei Dank hat sie gewonnen." Die Fed-Cup-Teamchefin Barbara Rittner: „Andy hat drei Kilo abgenommen, war ohne Energie und musste sich wahnsinnig quälen. Sie hat sich aber super durchgebissen." Der Papa: „Ich hab' Andy beim Match immer mein Silikonarmband gezeigt, das sie auch trägt. Da steht drauf: Du musst kämpfen, es ist nichts verloren. Sie weiß dann, was ich ihr sagen will. Das Armband hat sie zusammen mit Jonathan (Heimes), der im TC Darmstadt von mir trainiert wurde und mit zwölf Jahren hessischer Jugendmeister war, kreiert. Und das kam so: Mit 14 Jahren kriegte ‚Jonny' Hirntumore, es folgten eine sechsstündige OP, eine Woche im Koma, 23 Chemos und Bestrahlungen. Mit Trainingsfleiß wurde alles wieder gut. Dann, mit 19 Jahren, Metastasen an der Wirbelsäule. Eine OP hilft nicht, nur Bestrahlungen und Chemos. Seine Beine sind gelähmt. Doch Jonny hat sich wieder mit eisernem Willen zurückgekämpft, und wir haben mit dem 2,50 Euro-Motivationsbändchen schon 100.000 Euro für den Frankfurter Verein „Hilfe für Krebskranke Kinder" zusammengekriegt."
Gerade als Zoran Petkovic mit Erzählen fertig ist, kommt die Tochter freudestrahlend angehüpft, fällt ihrem Papa um den Hals und überraschend gleich auch mir vor lauter Glück. „Oh weh, meine Nerven", stammelt Zoran Petkovic, der bei den Spielen der Tochter immer den gleichen, violetten, ‚magischen' Pulli trägt, „ich bin tot, du musst dir jetzt einen anderen Papa suchen."
Auch die nächste Runde ist eine Zitterpartie, die Andrea Petkovic wieder in drei engen Sätzen übersteht. „Ich bin anfangs wie von einem Zug überrollt worden, hab' mich aber, nicht wie früher, verrückt gemacht." Auch nicht im Achtelfinale gegen Sara Errani, die hier in den letzten beiden Jahren im Halbfinale und Finale stand. „Ich hatte einen sehr guten Spielplan von meinem Coach, war aber, nachdem ich rückzuck 2:0 zurücklag, etwas verunsichert, aber nicht panisch und hab' mich auf den Plan verlassen." Nach einem glatten Sieg konnte die Darmstädterin wieder jubeln, wie zwanzig aus ihrem Tennisklub extra angereiste Fans, denen Zoran Petkovic Tickets besorgt hatte und Drinks zum Feiern spendierte.
Ein Mega-Erfolg der 26-Jährigen, die im Halbfinale stand, wie Steffi Graf als letzte Deutsche vor fünfzehn Jahren. Doch ihr Traum vom Finale hat ihr die Rumänin Simona Halep vermasselt. „Ich war dicht dran gegen eine Top-Fünf-Spielerin, jedenfalls im zweiten Satz, und das, obwohl ich erst angefangen habe, mit Eric mein Spiel zu verbessern." Und Eric von Harpen wusste auch gleich wie: „Sie hat nicht so entschieden wie gegen Errani gespielt und wohl nicht unbedingt an ein Finale geglaubt."
Es sieht so aus, als sei Andrea Petkovic noch lange nicht an ihrem Limit. Über Alternativen nach Tennis denkt sie nicht mehr wie früher nach, als ihr Journalismus oder Politikwissenschaften vorschwebten. Und weil sie sich gern mit Genies wie Goethe, Freud oder den Philosophen Sartre, Camus und Nietzsche beschäftigt, wird Andrea Petkovic in den Medien oft als Intellektuelle unter den Tennisspielerinnen geführt. „Sollen sie schreiben. Wenn meine Kumpel lesen, ich sei eine Intellektuelle, lachen die sich kaputt." - irgendwie typisch für Andrea Petkovics lockere, herzerfrischende Art.
Wie auch immer, Andrea Petkovic will sich nicht mehr mit zu vielen Dingen verzetteln. „Ich weiß, was ich will. Ich wollte immer eine Tennisspielerin sein - jetzt auch. Und danach wird man sehen."
Eberhard Pino Mueller
publiziert: Juli 2014 - DTZ Deutsche Tennis Zeitung Tennisbibliothek: TAKEOFF-PRESS Presse-Dienst-Süd -- JOURNAL/EURO
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