Iga Swiatek bei den French Open 2020
Ein Teenager-Wunder aus dem Nichts
Wieder einmal fragte man sich vor dem Turnier in Paris, kommt zu den letzten Roland-Garros-Siegerinnen Barty (2019), Halep (2018), Ostapenko (2017), Muguruza (2016), Serena Williams (2015, 2013), Sharapova (2014, 2012), LiNa (2011), Schiavone (2010) ein neuer Name hinzu. Und, wie bei den French Open in den letzten zehn Jahren schon fast eine Normalität, war es wieder ein neuer Name mit Iga Swiatek (WTA 54), der ersten Polin, die Roland Garros gewann. Der Teenager spielte die sieben Runden so souverän und verlor bis zum Finale nur 28 Spiele - die wenigsten nach Steffi Graf 1988 mit 20 - dass die für Eurosport kommentierende DTB-Damentennis-Chefin Barbara Rittner und der sechsmalige Grand-Slam-Champion Boris Becker nur den Kopf schütteln konnten. „Es ist verrückt", sagte Iga Swiatek bei der Siegerehrung, „vor zwei Jahren habe ich den Juniorinnen-Grand-Slam-Titel in Wimbledon gewonnen und jetzt stehe ich hier."
Iga Swiatek, deren Vater 1988 in Seoul bei den Olympischen Spielen als Ruderer teilgenommen hatte und die mit 18 Jahren noch zur Schule ging, war die jüngste Roland-Garros-Championesse seit Monica Seles 1992 und der erste Teenager mit einem Grand-Slam-Sieg seit Maria Sharapova 2006. Die Weltranglistenvierundfünfzigste schaffte als erste Spielerin seit der Belgierin Justine Henin im Jahr 2007 den Triumph in Roland Garros ohne Satzverlust und als am niedrigsten platzierteste Teilnehmerin. Sie fertigte bis zum sensationellen Titelgewinn u.a. die an Nummer 1 gesetzte Simona Halep ab, gegen die sie vor einem Jahr in Roland Garros in 45 Minuten mit nur einem Spielgewinn verloren hatte, sowie im Finale die an vier gesetzte, 21-jährige Australian-Open-2020-Siegerin Sofia Kenin, die ganz jung mit ihren Eltern von Russland nach Amerika kam und damals ein alles andere als leichtes Leben hatte.
Überhaupt: Die favorisierten Topspielerinnen purzelten wie Fallobst im Herbst. Ein Endspiel mit einer 19- und 21-Jährigen, einem U21-Finale wie zuletzt 2003 mit Justine Henin (20) und Kim Clijsters (21), meinte Barbara Rittner lachend im Münchner Eurosport Studio, habe sie nie im Kopf gehabt, dafür aber sechs verschiedene Finale mit sechs verschiedenen Siegerinnen.
Eberhard Pino Mueller
publiziert am 12. Oktober 2020
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