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Die Technik, kein Problem in Roland Garros. Aber schon mal die Koordination. Jürgen Höthker, jedenfalls, machte sich gerade bereit, um das Match Arazi gegen Safin zu kommentieren, als die Regie den vorgesehenen Sendeplan über den Haufen warf und ein Match von Moya einschob. Höthker, für sein Match präpariert, war stinksauer, doch er machte dann halt aus dem Stehgreif seinen Job. Programmänderungen dieser Art kommen vor, weil EUROSPORT für viele Länder da sein muss. Das Aufgebot des Sportsenders mit vier Sprecherkabinen, Kommentatoren in 16 Sprachen und Übertragungen in 47 Länder für mehr als 80 Millionen Haushalte ist schon einmalig in der TV-Welt eines Grand Slam-Turniers.
Zum regelmäßigen, internationalen Reporterteam zählen auch erfolgreiche Tennisprofis. So der Niederländer Jacco Eltingh, mit 4 Einzel- und 34 Doppeltiteln, darunter die der French, Australien und US Open, oder Frankreichs Tennisidol Yannick Noah, der 1983 in Roland Garros gewann, auch der Spanier Emilio Sanchez, der 15 Tour-Siege im Einzel und 50 im Doppel holte, und der Südafrikaner Frew McMillan, einer der besten Doppelspieler aller Zeiten mit Grand Slam-Siegen in Wimbledon, Paris und New York.
Daneben verpflichtet der Sender auch noch laufend Gastreporter. So waren schon McEnroe, Stich, Cash, Kafelnikow, Henman, Rusedski, Forget, Kiefer, Haas, Braasch, Pilic und Bollettieri oder eine Anke Huber, Arantxa Sanchez-Vicario und Eva Pfaff im Einsatz. Auch Ingolf Cartsburg, der vor 6 Jahren als Student in der deutschen Rugby-Nationalmannschaft spielte und sein Taschengeld als Rugby-Kommentator bei EUROPSPORT aufstockte. Der Einsatz hat gelohnt. Cartsburg blieb bei dem Sender hängen und ist heute Hauptkoordinator der deutschen Kommentatoren.
Seit zehn Jahren ist der inzwischen größte Sportsender Europas 'on air'. Ein erfolgreiches Jubiläum, denn man schreibt nun schon im dritten Jahr schwarze Zahlen. Zu Beginn, allerdings, sah es für den Sender nicht so rosig aus, weil die Kabelbetreiber den TV-Neuling nicht immer ins Netz eingespeist haben. Auch verkaufte der australische Medienzar Murdoch den von der European Broadcasting Union (EBU) gegründeten Sportsender schon nach 19 Monaten an TF1 in Paris. Der Sendebetrieb konnte dadurch erst nach 6 Wochen Pause und anfangs nur unter primitiven Bedingungen in einer Abstellkammer von TF1 wieder aufgenommen.
Durch den Zusammenschluss mit TF1 und später CANAL Plus und ESPN ist EUROSPORT heute ein echter paneuropäischer Privatsender, der 210 Millionen Zuschauer erreicht und Sport, rund um die Uhr, im Gratis-Fernsehen zeigt. „Unser Konzept," so Thomas Deissenberger, der Geschäftsführer von EUROSPORT Deutschland, „Sport pur von Top-Events im Tennis, Motor- und Wintersport und in der Leichtathletik zu zeigen und auch allen Zuschauern zugänglich zu machen, hat sich als erfolgreich erwiesen."
Eberhard Pino Mueller
publiziert: August 1999 DTZ Deutsche Tennis Zeitung
Tennisbibliothek: TAKEOFF-PRESS Presse-Dienst-Süd - JOURNAL/EURO
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