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Tennis 2000.... Tennis der Zukunft
Fast ganz allein, als wäre es an irgend einem beliebigen Tag im Jahr, pafft ein fast zwei Meter langer Schwarzer eine Jumbo-Zigarre auf dem Parkplatz vor der Tennisarena in Flushing Meadows. Es ist aber kein beliebiger Tag, auch kein gewöhnlicher Schwarzer und schon gar nicht eine belanglose Szene auf einem Parkplatz in New York. Es ist vielmehr ein strahlender Nachmittag im September, ein Samstag, der Tag des Damenendspiels bei den US Open, und der lange Schwarze, der sich aus dem Trubel im Stadion weggeschlichen hatte, ist Richard Williams, der Vater von Serena, die vor wenigen Minuten grandios über Martina Hingis triumphiert und den US Open-Titel geholt hatte.
Für Mister Williams hat soeben schon das Millennium, eine neue Zeitrechnung im Damentennis begonnen. „Serena und Venus", sagt der Mann voll Überzeugung, „sie sind die Zukunft im Tennis." Und mit dieser Meinung steht der Amerikaner nicht allein da. Boris Becker, etwa, schwärmt von den Williams-Geschwistern: „Es ist unglaublich, Ihnen zuzuschauen, sie werden das Tennis der Frauen auf ein völlig neues Level bringen."
Auf die großen Veränderungen der vergangenen Jahrzehnte wird Revolutionäres im neuen Jahrhundert folgen. Darüber sind sich die Experten im Tennis schon heute einig. Brad Gilbert, der Coach von Andre Agassi, meint: „Die Spieler in zehn Jahren würden Andre und Pete (Sampras) killen. So war es immer. Auch ein Borg oder Lendl würden heute mit ihrem Spiel fürchterlich eingehen." Aus eigener Erfahrung versucht Gilbert, der immerhin mal die Nummer vier der Welt war, dies auch gleich noch zu belegen: „Schon mein neunjähriger Sohn spielt Tennis, von dem ich mit 15 Jahren nicht mal geträumt habe."
Wie schnell ein Topspieler out sein kann, weil Jüngere und Bessere nachkommen, haben wir bei Jim Courier gesehen. „Ich habe das Gefühl", sagte mal der bullige Amerikaner, „jeden Ballwechsel mit meiner Power von der Grundlinie gewinnen zu können. Das macht dich unheimlich stark, und du fühlst dich unschlagbar." Das war, als Courier, der Mann mit den härtesten Schlägen, die Nummer eins war. Die neue Generation, Spieler, die damals 16, 17 Jahre alt waren, können aber inzwischen genauso hart schlagen. „Sie haben", so Courier, „mein Spiel abgeguckt, denn sie wollten alles so machen wie ich." Auch Lendl musste schon zu einer Zeit, als er weiß Gott nicht schlechter spielte als zu seinen Glanzzeiten, einsehen, dass es vorbei war. „Alle paar Jahre", sinnierte damals Lendl, „ kommt etwas Neues im Tennis und du kannst plötzlich nicht mehr mithalten."
Was also wird sich ändern? Wie werden die Topprofis im neuen Jahrhundert spielen? Klar doch, dass sich Spieler wie auch deren Coaches damit bereits intensiv befassen und schon klare Vorstellungen haben. Es wird, so sagen die Vordenker im Tennis, alles anders sein. Teilperfektionismus ist zu wenig. Mit ein oder auch zwei Waffen allein diktiert in Zukunft keiner mehr das Spiel. Typische Grundlinienspieler wie Muster, Bruguera oder Courier haben bereits ausgespielt, auch typische Angreifer
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wie Boris Becker oder Rafter hätten und haben keine Zukunft, natürlich auch keine Aufschlagspezialisten, etwa ein Goran Ivanisevic, und noch nicht mal ein Andre Agassi mit den besten Returns und seinem Super-Grundlinienspiel wird mithalten können. Der Trend an der Spitze geht eindeutig in Richtung Perfektion auf allen Ebenen. Und dabei werden Allroundspieler herauskommen wie ein Sampras, nur mit noch weit perfekterem Spiel.
Wie es zu diesem Schub kommen wird, ist den Experten auch schon klar. Klaus Hofsäß, zum Beispiel, meint: „Man wird viel wissenschaftlicher rangehen und alles genau analysieren, um dann individuell nach Veranlagung zu arbeiten, wobei dabei selbst Feinheiten kalkuliert werden." Neue Maßstäbe, so der Ex-Teamchef des Mercedes Junior Teams, werde es für die Grundsicherheit, Fitness, Kreativität und Willensstärke geben. Und natürlich müsse auf Teufel-komm-raus trainiert und Kraft gebolzt werden.
Auch Pavel Slozil hat ähnliche Vorstellungen. Das Material, so der Ex-Trainer von Steffi Graf, werde immer besser und mache das Spiel schneller. Also müssen die Spieler auch immer fiter werden. „Ohne Kraftraum wie früher und ohne tierisches Training geht im Top-Tennis nichts mehr." Auch das Training werde viel professioneller sein. Und die Spieler mit viel Geld, die sich die besten Trainer leisten können, seien natürlich besser dran.
Und weil im Tennis, so Richard Schönborn, ehemals Cheftrainer beim Deutschen Tennis Bund, „keine schwierigen und leichte Schläge existieren", wird modernes Training anders aussehen als bisher. Wenn eben bestimmte Schläge nur selten trainiert werden, ist es schwer, sie zu beherrschen. Wenn man sie aber zig-tausendmal erfolgreich trainiere, dann werden auch scheinbar schwierige Schläge einfach.
So wird denn auch ein Topspieler im 21. Jahrhundert nach Meinung von Dennis van der Meer, einem Tenniscoach, Buchautor und Experten für Trainingsmethoden, „viel instinktiver agieren und im Match keine Gedanken an die Technik verschwenden." Voraussetzung dafür sei ein exzessives Training mit voller Kraft. Um saubere Bälle aus jeder Lage blind schlagen zu können, müsse Tennis „in Fleisch und Blut" übergegangen sein. Auf Van der Meers Tennis-Hitliste der im 21. Jahrhundert besonders wichtigen Trainingspraktiken stehen: Instinkt-Drill, Koordinationstraining, sowie spezielle Übungen für mentale Flexibilität, schnelle Beinarbeit und Hände-Augen-Koordination.
Und weil Tennis, was die Schläge und das ganze Spiel angeht, nach Ion Tiriac, „recht perfektioniert zu sein scheint", müssen neue Varianten und Spezialschläge her, etwa Drive-Volleys, Rückhandlobs oder eingesprungene Trickschläge. Für Tennisguru Nick Bollettieri ist denn auch die manchmal von Rios oder Kiefer im Sprung geschlagene Rückhand etwas fürs Repertoire der zukünftigen Topprofis. „Einfach fantastisch", schwärmt der Coach von Tommy Haas, „wie ausbalanciert der kleine Marcelo im Fliegen auf hohe Rückhandbälle drischt." Und nachdem nun auch in verschiedenen Ländern systematisch das Ballschlagen im Hechtsprung und im Fallen, wie schon von Muster und Becker praktiziert, trainiert wird, glaubt Van der Meer, dass die Amerikaner, wenn sie da nicht mitziehen, ins Hintertreffen geraten.
Im 21. Jahrhundert werden nach Van der Meer auch fast alle Spieler
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