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Die Tennisstars, das Geld und die Moral. - Oder warum sind Agassi & Co nicht so anständig und nett, wie sie uns immer vorspielen.
Für Geld - immer am Ball
Tennis-Manager Ion Tiriac sagte einmal der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, dass die meisten Tennisspieler nicht gut erzogen und nicht auf die Szenerie vorbereitet seien, sie nur das schnelle Geld einstreichen wollten und keine richtige Schulbildung hätten. Eigentlich nichts Neues, denn schon Mister Jaeger, dessen Tochter Andrea eines der hoffnungsvollsten Tennistalente Anfang der 80er Jahre war, hatte gesagt: „Es gibt keine Schulbildung auf der Welt, die im Jahr eine Million Dollar einbringt." Und was machte der gute Mann? Er nahm seine Tochter, der Filzkugel wegen, aus der Schule. „Tennis ist", so John McEnroe, „jünger geworden, mit Kids, die vom Leben nichts wissen, schon in New York, Tokio, London, ja überall waren, Erster Klasse fliegen, in Luxushotels wie Fürsten und Staatsmänner wohnen, Häuser auf der ganzen Welt haben und Geld kassieren, dass es einem schwindlig wird." Geld hin, Bildung her, aber wer weiß schon vorher, ob er im Tennisparadies oder in der Katastrophe landet?
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Wie ein aufgeregtes Küken sprang eine kleine Frau mit asiatischem Gesicht herum und jammerte: „Wo gibt es Essenmarken, kann mir hier denn keiner helfen?" Passiert, nicht in einer Mensa für Studenten, auch nicht in einem Armenhaus oder einer Sozialküche für Obdachlose. Es war vielmehr im Clubhaus des feudalen Monte-Carlo Country Clubs. Und die Frau war Betty Chang. Egal wo, die Mutter von Michael Chang lässt bei Turnieren nichts aus, was es gratis gibt, sei es das Essen, den Friseur oder die Reinigung der Wäsche. Und wenn die Changs in den feudalen Spielerhotels noch hungrig sind, erzählen die Tennisprofis hinter der Hand, dann rufen sie nicht den Zimmerservice, sondern holen sich einen billigen Schnellimbiss von der Straße. Nun denn, die Changs brauchen wohl noch etwas Zaster, denn wahrscheinlich haben sie die 100 Millionen Dollar mit Tennis noch nicht ganz geschafft.
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Indianapolis - ach ja, eine Stadt irgendwo im mittleren Westen von Amerika. Und sonst? Natürlich die „Indy", die 500 Meilen von Indianapolis, das mörderischste Autorennen der Welt. - Und noch etwas? Eigentlich nichts. Na ja ein Tennisturnier mit zwei Millionen Dollar Preisgeld haben sie auch noch. Aber man könnte es glatt vergessen, wenn da nicht noch andere Sachen liefen. Die Topspieler, zum Beispiel, erhalten einen Cadillac zum Herumkutschieren und bei Spielerabenden werden Harley Davidsons und goldene Uhren verlost. Wo immer bei Turnieren die Manager der Superstars mit Extra-Wünschen kommen, sei es ein Pferd für die reitverrückte Hingis oder einen Maseratti in Monte Carlo für den Autonarren Agassi - kein Problem! Die Veranstalter machen es möglich. Nur leider nehmen die Stars die tollsten Geschenke als Selbstverständlichkeiten hin. „Und weil sie sich nie für etwas bedanken", sagte Jean-Pierre Derose, der Ex-
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Turnierdirektor von Bordeaux, „fragt man sich, ob man denn überhaupt genug getan hat."
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Einer, der es raus hatte, wie man die Stars verwöhnt, war Dieter Fischer. Doch einmal bei seinem Porsche-Cup in Filderstadt meinte selbst er kopfschüttelnd, es sei schon verrückt. Es kämen, obgleich er nur gerade mal die Hälfte von der Siegprämie des Grand Slam Cups an das gesamte Feld ausschütte, dennoch alle gerne in die Sauerkraut-Hochburg vor den Toren Stuttgarts. Auch eine Venus Williams, die satte 800 000 Dollar für drei Matches in der Woche zuvor in München beim Compaq Grand Slam Cup´98 kassiert hatte. In Filderstadt ging es um nicht mal eine halbe Million, aber dafür um wichtige Punkte für die Weltrangliste. Und die braucht die schwarze Perle aus Amerika, um die Nummer eins der Welt zu werden. Mit dem großen Geld - zuerst einmal 12 und dann gar 40 Millionen Dollar von Reebok für Venus und fünf von Puma für die Schwester Serena -- hat sich das Leben der Williams-Familie, die aus einem Armen-Ghetto Kaliforniens kommt, total verändert. Der Williams-Clan wohnt inzwischen in einer Villa in Florida. Man fahrt einen Rolls Royce, tut aber noch immer recht bescheiden und lässt einen billigen, alten Karren vor dem Haus auf der Straße stehen.
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Keiner, der in den 80er Jahren in der Zentrale des Deutschen Tennis Bundes ( DTB ) dabei war, wird den Besuch von Peter Graf vergessen. Steffis Papa war damals schnell mal wegen eines Geldgeschäftes nach Hamburg gejettet. Nichts Ungewöhnliches - eigentlich. Doch wie der Geldhandel ablief, war schon einmalig. Es fing damit an, dass der ehemalige Autohändler das Geld bar mitnehmen wollte. Verständlich, dass Hunderttausende beim DTB nicht in einer Schublade herumlagen, und das Geld erst eilends von einer Bank herbeigeschafft werden musste. So geldverrückt wie Peter Graf war, so bedenkenlos packte er die Bündel dicker Scheine, ohne nachzuzählen, in seinen leeren Aktenkoffer. Die Hausherren schauten verdutzt und konnten sich gerade noch schnell, bevor Herr Graf im Taxi weg war, den ausgezahlten Betrag quittieren lassen. Und nicht nur die Grafs, auch ein Sampras, Agassi, eine Hingis, Kournikova oder die Williams-Sisters wissen, wie man richtig, auf Teufel komm raus, Geld macht. Denn Tennis ist schon lange nicht mehr der weiße Sport, sondern vor allem ein knallhartes Business.
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Eigentlich sind zwei Millionen Preisgeld im Jahr nun wirklich nicht gerade schlecht, und da der gute Mann sein Konto durch Showkämpfe und Werbeverträge für Autos, Uhren, Rasierer, Getränke, Schuhe, Schläger, Kleidung und japanische Salatdressing noch um weitere zehn Millionen aufstockte, sollte man meinen, es sei mehr als genug - zumal 1982, also vor vielen Jahren. Aber es war nicht genug, nicht für John McEnroe. Denn der spannte damals, als Antrittsgelder verboten waren, immer seinen Vater ein, um noch etwas mehr herauszuholen. Und das ging so: McEnroe senior fragte bei den Turnierveranstaltern höflich an, ob denn sein Sohn neben dem Preisgeld noch etwas extra verdienen könne. Und wenn die Herren der Turniere wie in Hamburg am Rothenbaum nicht daran dachten, mit lukrativen „Aufmerksamkeiten" aufzuwarten, kam sofort knallhart die Antwort: We are so sorry, wir kommen nicht, John spielt anderswo.
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