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Dies und das vom alpinen Ski-Weltcup-Finale 2012 in Schladming.
So schön, so sommerlich, so zünftig, so emotional, so spannend, so dramatisch…
….selbst für Österreichs verwöhnte Ski-Nation war das Weltcup-Finale in Schladming ein außergewöhnliches Erlebnis.
Voll daneben - oder wer hätte zu Beginn des Winters gedacht, dass ein Marcel Hirscher die große Kristallkugel holen wird? Doch nicht der! Die Experten hatten andere Anwärter für den Gesamtweltcup auf der Rechnung: Ivica Kostelic, Aksel Lund Svindal, Bode Miller, Didier Cuche, natürlich Beat Feuz - und fertig.
Ach ja, und dass es auf einen dramatischen Zweikampf zwischen Marcel Hirscher und Beat Feuz hinauslaufen würde, war für mich - da kann einer sagen, was er will - recht kurios. Schon deswegen, weil nach 42 von 44 Rennen noch nichts entschieden war.
Aber dann, ausgerechnet im wohl wichtigsten Rennen seiner Laufbahn, stürzte Feuz im Super-G, während Hirscher sensationell aufs Podest fuhr. Der ursprünglich satte 135 Punkte Vorsprung von Feuz war futsch, und der Österreicher auf 75 Punkte an den Schweizer herangekommen.
Damit nicht genug: Ohne Nerven raste Marcel Hirscher danach auch gleich noch im Riesenslalom, seiner Paradedisziplin, allen davon und lag nun 25 Punkte vor Feuz, der nicht punkten konnte und im abschließenden Slalom erst gar nicht mehr antrat, weil er kaum Chancen auf Punkte hatte.
Noch was Kurioses: der Super-G der Herren. Acht Rennen, acht verschiedene Sieger. Svindal, Viletta, Feuz, Cuche, Raich, Kröll, Jansrud und im Finale Innerhofer. Und weil Didier Cuche nur 29 Zähler im Finale aufholte, konnte Svindal sich eine Null-Punkte-Fahrt leisten und trotzdem die kleine Kristallkugel einheimsen.
Und überhaupt - was für eine sportliche Dramaturgie beim Weltcup-Finale der Herren in Schladming! Nicht nur beim Gesamtweltcup und Super-G, auch bei der Abfahrt, dem Riesenslalom und Slalom ging es bei den letzten Rennen der ganzen Saison noch immer um die Kristalltrophäen.
Und was für Dusel - In der elften Saisonabfahrt reichte dem Österreicher Klaus Kröll ein siebter Platz, um Pechvogel Beat Feuz mit gerade mal sieben lumpigen Punkten Vorsprung abzuhängen. Souverän dagegen Marcel Hirscher, der im neunten Riesenslalom-Wettbewerb des Winters den Amerikaner Ted Ligety endgültig abhängte.
Heiliger Strohsack! - und dann noch das große Zittern beim Slalom. Drei Anwärter auf die Kugel. Ivica Kostelic, trotz langer Verletzungspause, in Führung. Und beim Rennen das: Einfädler des Croaten, ratz-fatz nach wenigen Torstangen ausgeschieden und keine Punkte für einen der sichersten Slalomfahrer. Hirscher, der dritte im Bunde, auch ohne Zähler. Jetzt konnte Kostelic nur noch abwarten. Auf Andre Myhrer, den letzten Läufer im Feld. Der aber fährt wie der Teufel und schnappt Kostelic wegen ein paar hundertstel Sekunden noch die Kugel weg. Ganz schön ärgerlich oder glücklich - wie man's nimmt.
Nein - ich kann nicht sagen, dass es wegen Lindsey Vonns Überlegenheit - die Kristallkugeln im Gesamtweltcup und für Abfahrt, Super-G, Superkombination hatte sie schon gewonnen - bei den Damenrennen in Schladming ganz langweilig gewesen wäre. Jedenfalls nicht beim Riesenslalom. Da war sie auf den Allzeitrekord von Hermann Maier mit 2000 Saisonpunkten, den Sieg und die Kristallkugel aus. War aber nichts. Die große Abräumerin verpatzte noch, nach haushoher Führung bei der letzten Zwischenzeit, den zweiten Durchgang. Nutznießerin war Viktoria Rebensburg, die nun das Rennen gewann und sich auch endgültig die Kristallkugel im Riesenslalom sicherte. „Supercool", fand Miss Cool noch, „dass ich im ersten Durchgang die absolut beste Zeit gefahren bin."
Nochmal Viktoria Rebensburg: Sie und nicht Maria Höfl-Riesch war die Top-Athletin im deutschen Team - na und? Denn zuvor hatte sie schon überraschend den Super-G gewonnen. Jetzt also ist die 22-Jährige auch noch in den Speed-Disziplinen schnell. Fünf Saisonsiege und zum zweiten Mal in Folge den Riesenslalom-Weltcup - super. Man wird noch von ihr hören.
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Dumm gelaufen - ein total verkorkstes Weltcup-Finale für Maria Höfl-Riesch. Weiß Gott nicht berauschend, was die Doppelolympia- und Gesamtweltcupsiegerin-2011 in Schladimg abgeliefert hat. So was gibt's. „Nein", so der Super-Star des vergangenen Jahres, „nein, das sind nicht die Ansprüche, die ich an mich habe." Richtig - denn in fast allen Disziplinen hat sie ihr Saison-Ranking verschlechtert. Wenigstens blieb Höfl-Riesch noch der dritte Platz im Gesamtweltcup. Und freuen konnte sie sich über das zweithöchste Gesamtpreisgeld bei den Skidamen, auch wenn die 27-Jährige es nur auf etwa die Hälfte der 458.158 Euros, die die Amerikanerin Lindsay Vonn kassierte, gebracht hat.
Apropos deutsches Aufgebot: Fürs Weltcupfinale hatten sich neben Rebensburg und Höfl-Riesch auch Lena Dürr, Veronique Hronek, sowie Felix Neureuther, Fritz Dopfer und Stephan Keppler qualifiziert. Nicht schlecht - immerhin musste man zu den Top 25 in einer Disziplin gehören.
Schade, schade - für Lena Dürr wäre mal wieder mehr drin gewesen. Die talentierte Slalomfahrerin brachte einen Super-Lauf runter. Mit Bestzeit. Aber eben nur einen. Mit einem dicken Patzer im ersten Durchgang hatte sie sich alles vermasselt. Macht nix. In ihrer ersten vollen Weltcup-Saison nach ihrem Abi hat sie sich immerhin gleich von Platz 54 auf 12 der Slalomrangliste vorgearbeitet - und da geht noch mehr.
Keiner kann sagen, bei den deutschen Ski-Rennläufern sei mal wieder nicht viel los gewesen. Beim Slalom haben Felix Neureuther, nach einer verletzungsreichen Saison, und Fritz Dopfer gezeigt, dass sie's können - und wie. Dopfer verpasste nur ganz knapp einen Podiumsplatz. Und Neureuther, mit phantastischer Bestzeit im ersten Lauf, sah schon wie der Sieger aus, denn der Schwede Andre Myhrer, als letzter Fahrer auf der Strecke, lag bei der letzten Zwischenzeit noch hinter dem 27-jährigen Deutschen. Doch dann drehte der saisonbeste Slalomfahrer auf. Aus der Traum - und statt Sieg „nur" Platz zwei für Neureuther.
Apropos Anja Pärson und Didier Cuche: Die verabschiedeten sich für immer. Natürlich mit der von ihnen gewohnten Show. Die Schwedin, Olympiasiegerin und siebenfache Weltmeisterin, mit ihrem Bauchrutscher, dem Anja-Dive und der Schweizer, Ex-Weltcup-Sieger in der Abfahrt und Siege im Super-G und Riesenslalom, mit dem weggeschleuderten Ski, den er geschickt nach einer Drehung auffing. Zünftig auch Cuches Abschlussrennen. Er gurkte zur Gaudi der Ski-Fans die steile Riesentorlaufstrecke mit Holzbrettern in einem historischen Kostüm aus dem Skimuseum Mürzzuschlag im zweiten Durchgang herunter.
Was das Preisgeld in Schladming angeht: 35.000 Euro hat jeder Sieger gekriegt. Über dieses „Sümmchen" können Tennisprofis nur lachen. Die Gewinner sackten, beim zur gleichen Zeit stattfindenden Tennisturnier in Indian Wells, mal eben eine Million Dollar ein und mussten keine gefährlichen Steilhänge mit 80 Prozent Gefälle wagemutig, mit mehr als hundert Sachen, herunterbrettern.
Verrückt und beknackt - muss denn so was sein? Ein Whirlpool hoch über dem Planai-Zielstadion, von wo aus man die Weltcup-Rennen in der Badehose oder im Bikini verfolgen und sich Schampus, bis zum geht nicht mehr, reinhauen konnte. Kein Witz. Auf dem Dach der Hohenhaus-Tenne, der angeblich größten Après-Ski-Hütte Europas, wo Partys mit 1.800 Leuten gefeiert werden können, wurde so ein exklusiver VIP-Club für 450 betuchte Gäste, die 525 Euro pro Tag hinblättern, eingerichtet. Finanziell, scheint so, keine schlechte Idee: Das verrückte Happening war am Wochenende glatt ausverkauft.
Noch 'ne kleine Nachlese: Alles gut - das Wetter, die Pisten, die Stimmung, die Show. Das Ski-Weltcup-Finale in Schladming war grandios. Große Freude - nein, geradezu eine Hirscher- Kröll- Marlies-Schild-Mania bei den Gastgebern und dem rot-weiß-roten Skiteam. Freude auch bei den Skifans aus aller Welt. Es war ein wunderbares Skifest, denn alle, eine Vonn, Mancuso, Maze, Zuzulova, Worley, Rebensburg oder ein Ligety, Kostelic, Cuche, Svindal, Feuz, Myhrer, Neureuther und Newcomer Pinturault…, wurden bejubelt und gefeiert. Ach ja - einer wurde schon ein bisschen vermisst: Bode Miller. Der Liebling im Ski-Zirkus musste nach einer Op trotz guter Chancen passen - na denn, bis zum nächsten Winter in Schladming bei der Ski-Weltmeisterschaft.
Eberhard Pino Mueller, Margot M. Estermann
publiziert: März 2012 TAKEOFF-PRESS
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