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Ski-Weltcup-Finale 2014 in Lenzerheide…
Die Lust, die Gier und der Kampf um die Kristallkugeln.
Wow - was für ein Sport der alpine Ski-Weltcup! Nach fast hundert Rennen sind nur zwei von zwölf Kristallkugeln, die Trophäen für Disziplin-Sieger, weg. Erst beim Weltcup-Finale in Lenzerheide war nach den letzten zehn Rennen klar, wer die Besten des Winters waren.
Spannung pur also. Wer sich noch eine der Kugeln schnappen wollte, musste Vollgas geben. Kein Wunder, Verrücktheiten, Pleiten, Flops, Schocks, jubelnde Abstauber und wahre Champions sind vorprogrammiert, wenn's so eng auf den letzten Drücker zugeht.
Alle Wettkämpfe wurden auf der 2005 eingeweihten „Silvano Beltrametti"-Weltcup-Piste ausgetragen. Eine der schwierigsten und technisch anspruchvollsten im Weltcup mit maximal 66 Prozent Neigung. Aber nicht nach dem Geschmack einiger Top-Abfahrer. „Die Piste geht sehr hin und her", sagte im Vorfeld Matthias Mayer, der Abfahrt-Gold in Sotschi geholt hatte. Und für den Österreicher Georg Streitberger ist das „eigentlich ein Riesentorlauf mit langem Ski."
So gesehen, keine Überraschung, dass der Norweger Aksel Lund Svindal, der mit Abstand beste Abfahrer der Saison, diesmal leer ausging, und der Riesentorlauf-Supermann Ted Ligety aufs Podest fuhr, was er noch nie in einer Abfahrt geschafft hatte.
Sensationell Fränzi Aufdenblatten. Die 33-jährige Schweizerin fährt in der Abfahrt bei ihrem Abschiedsrennen aufs Podest, was ihr in vierzehn Ski-Weltcup-Jahren nur dreimal geglückt war. Ihre Schweizer Ski-Kollegen Küng, Viletto, Janka und Defago flippten aus und grölten: „Fränzii, Fränzii, du bischt á geili Sau." Und Fränzi schluchzte vor Glück.
Bode Miller mit eigenen Sorgen. Der 36-jährige Amerikaner, ein cooler Typ und weltweit ein Ski-Idol, begeisterte wieder einmal mit seinem wilden, Alles-oder-nichts-Fahrstil und fuhr im Super-G mit einer Hundertstel hinter dem zweiten auf's Podest. Als ich danach mit ihm sprach, sagte der verrückte Kerl und grinste unverschämt: „Fuck, I'm pissed off." Typisch Bode, der sich „beschissen" fühlte, weil für ihn nur Siege zählen, sonst nichts. Die beste Nachricht aber, er wird weitermachen - cool.
Apropos Maria Höfl-Riesch. Die Führende im Gesamtweltcup startete grippegeschwächt in der Abfahrt, stürzte schwer, wurde mit dem Rettungshubschrauber abtransportiert und musste auf die letzten Rennen verzichten. Aus der Traum von einem zweiten Gesamtweltcup-Sieg nach 2011. Bitter, sie war so nah dran und dann das. Na ja, was soll's? Sie hatte trotzdem eine grandiose Ski-Saison. Gold und Silber bei Olympia, viele Podestplätze und immerhin die Kristallkugel als Beste in der Abfahrt, die sie schon vorher gewonnen hatte.
Nicht der einzige große Pechvogel. Für Tina Weirather, die tolle Rennen mit zehn Weltcup-Podestplätzen gefahren war und gute Chancen auf Kugeln in allen Disziplinen hatte, wie auch für die Top-Skirennläuferin Lindsay Vonn war die Saison nach schlimmen Verletzungen futsch. All das Pech war das Glück für die Österreicherin Anna Fenninger und Schweizerin Lara Gut, die ohne diese Konkurrentinnen leichter an ihre Kristallkugeln kamen - logisch, oder nicht?
Das soll aber nicht heißen, sie hätten ihre Kugeln nur mal so eben abgestaubt. Lara Gut war mit fünf Weltcup-Siegen angereist, holte einen sechsten in der Abfahrt und schnappte sich mit einem vierten Super-G-Sieg, gewiss nicht unverdient, die Kugel in dieser Disziplin. Doch verrückt - ihre sieben Siege waren zu wenig für die große Kugel des Gesamtweltcups.
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