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Südafrikaner Wayne Ferreira und Kevin Ullyett aus Zimbabwe mit Handicap 4. Wahrlich nicht schlecht auch Patrick Rafter, Wilander, MacPherson, Fromberg, Larsson und Stoltenberg, die mit einstelligen Handicaps fast professionell den kleinen, weißen Ball in die Löcher bugsieren. Mehr zum Spaß, mal besser, mal schlechter golften auch Sampras, Agassi, Edberg, Courier (Golf mit links, Tennis mit rechts), Medvedev, Ivanisevic, sowie die Deutschen Karbacher, Steeb, Patrick Bauer, Burgsmüller, Braasch und Kiefer. Natürlich auch ein Tommy Haas. Kein Wunder, in Florida, wo er in Nick Bollettieri´s Tenniscamp trainierte, hatte er hundert Golfplätze direkt vor der Tür.
Wild auf Golf war auch Wayne Ferreira, auch schon als kleiner Junge. Obschon im Tennis, Kricket, Fußball und Badminton in den Mannschaften der südafrikanischen Provinz Transvaal, musste es auch noch Golf sein. „Mit elf Jahren", sagt der Südafrikaner, „dachte ich schon an Sport als Beruf." Die Frage war nur: Tennis oder Golf - denn mit seinem Mordstalent hätte er auch Golfprofi werden können. Wollte er dann aber nicht. Der Grund: „Ich wusste schon damals, im Tennis gibt es das meiste Geld." Clever, clever - mehr als zehn Millionen Dollar hat er als Tennisprofi an Preisgeldern gemacht, dabei sein Golf aber keineswegs verlernt. Einmal, an einem kurzen Par-4-Loch, jagte er den Ball gut 300 Meter geradewegs mit einem Schlag hinter die Fahnenstange und lochte dann mit dem zweiten Schlag zu einem Eagle ein. Ein Kunststück, bei dem selbst Top-Golfprofis vor Freude Luftsprünge machen.
Mit eigentlich ganz ungolferischen Kapriolen dagegen hatte sich früher der Ex-Daviscup-Spieler Jürgen Fassbender vergnügt. Er spielte den Ball aus kurzer Entfernung nicht mit einem Eisen im hohen Bogen, sondern mit einem Putter rollend, quer Beet, über die Vorgrüns, auch durch flache Sandbunker aufs Grün. Mit Erfolg. Einmal, am letzten Loch, als er schon ein paar hundert Dollar gewonnen hatte, ging es plötzlich um alles - die komplette Golfausrüstung seines Mitgolfers - oder nichts. Ja und mit göttlichem Gefühl legte er den Ball rollend aus 40 Metern tot ans Loch.
Überhaupt, Zocken gehört zum Golf bei den Tennispros. Um 250 bis 1000 Dollar geht es dann schon mal an einem Loch. Und besonders Kafelnikov war beim Zocken nicht zu bremsen und hielt selbst gegen die einstelligen Handicaper Medvedev oder Ferreira dagegen. Handicap hin, Handicap her, wer besser spielt, gewinnt. Für ihn Ehrensache, eben seine russische Mentalität.
Wie auch immer, wenn unsereiner mit Tennisstars Golf spielt, kriegt man erst richtig mit, wie normal die Jungs eigentlich sind. Kein Starallüren, keine Macken - nur Golf und Spaß. So einmal mit Wimbledon-Sieger Michael Stich und Udo Riglewski in Indian Wells. Wir hatten auf dem Golfplatz nur ein Problem: Wasser links, Wasser rechts, Wasser vorn, ja eigentlich überall, wo wir die Bälle hinspielten. Bei Stichs gewaltigen Schlägen, war denn auch ein nur wenig verzogener Ball gleich weg. Und weil Udo Riglewski sechs Bälle an einem einzigen Wasserhindernis verschoss, hatten wir am 18. Loch gerade noch für jeden einen Ball. Aber zwei davon waren gleich im Wasser, und so spielte Riglewski, der sich nicht hatte herumkriegen lassen, seinen letzten Ball mit Absicht im Wasser zu versenken, allein die Runde fertig.
Eberhard Pino Mueller
publiziert: Januar 2001 DTZ Deutsche Tennis Zeitung Tennisportal TAKEOFF-PRESS
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