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geduldig, als Van de Velde am alles entscheidenden letzten Loch bei den British Open in Carnoustie verzweifelt überlegte, was er mit dem im Wasser versenkten Ball machen sollte, um den sicher geglaubten Sieg nicht zu verspielen. Ruhig und verständnisvoll, ohne zu reklamieren oder auf Zeit zu drängen, wartete Perry ab, bis Van de Velde sich endlich entschieden hatte.   

Auch Konkurrenzneid  wie im Tennis oder bei der Formel 1 ist im Profigolf so gut wie kein Thema. Im Gegenteil! „Bleib´ ruhig", schrieb Seve Ballesteros, 1994, dem nach drei Runden beim Masters in Augusta führenden Jose Maria Olazabal auf ein Stück Papier, „du weißt, wie du den Platz spielen musst. Du bist der beste Golfer der Welt. Viel Glück!" -- und steckte den Zettel an den Umkleideschrank seines Landsmannes bevor er sich selbst auf die Runde machte. Wunderbar! Oder nicht? -- so eine Einstellung unter Konkurrenten.

Und mit den Medien kommen sie auch gut zurecht. Recht unkompliziert sogar. So hatte sich Bernhard Langer bei der Honda Classic in Florida mit dem Reporter zum Interview verabredet. Doch plötzlich gab es ein Problem. Die Veranstalter hatten Langer zusammen mit Greg Norman, Gary Player und anderen für ein hochdotiertes Shoot Out, das vom amerikanischen Fernsehen übertragen werden sollte, eingeteilt. Langer hätte dem Reporter absagen können - der Job hat schließlich Vorrang. Aber Langer ließ den Termin nicht einfach platzen. „Kommen Sie mit auf die Runde", sagte er dem verdutzten Reporter, „wir machen das Interview unterwegs." Und Langer, umgeben von Fernsehteams und Tausenden von Zuschauern, beantwortete nebenher alle Fragen, dem auf dem Fairway mit Tonband mitlaufenden Reporter, wenn er nicht zum Spielen an der Reihe war.

Golfprofis sind auch fast alle gute Verlierer. Getreu dem Motto von Jack Nicklaus: „Erst wenn du gelernt hast, zu verlieren, kannst du als Sieger vom Platz gehen." Nicklaus weiß, wovon er spricht: Um einen Schlag verpasste der Amerikaner mal in Florida den Cut eines PGA-Turniers, weil er sich einen Strafschlag für Ballberührung beim Putten notiert hatte. Dabei war Nicklaus das Opfer einer plötzlichen Windböe, die den Ball beim Ansprechen gegen seinen Putter kullern ließ. Keiner hatte es gesehen, nur er selbst. Wo im Profisport wird es mit der Ehrlichkeit noch so genau genommen? „Ehrlichkeit", hatte schon die Golflegende Bobby Jones gesagt, „muss man mir nicht hoch anrechnen. Ehrlichkeit ist eine Selbstverständlichkeit, sonst müsste man auch jeden lieben, der keine Bank überfallen hat."   

Recht bescheiden sind sie auch, die Golfprofis. Wie etwa der Schotte Paul Lawrie. Der machte sich nichts daraus, dass er, immerhin der  British Open-Champion 1999, bei der Heineken Classic weder im Programmheft noch auf dem Turnierposter neben Norman, Els und Olazabal abgebildet worden war. „Was soll´s", sagte der Sieger des ältesten Major-Turniers, „ich kann noch immer gut schlafen. Und wenn ich hier gewinne, werden sie mich garantiert mit dem Cup fotografieren."

Eigentlich schon ungewöhnlich, die Golfprofis. Sie hauen nicht auf den Putz wie viele andere Sportler. Sie sind fast nie zickig, auch keine Wichtigtuer. Und sie kommen auch nicht dauernd mit Ausreden daher und haben sie sich immer gut im Griff. Fast immer jedenfalls. Das wird sich irgendwann bis zu allen Golfstars herumsprechen. Auch bis zu jenen vom Schlage Colin Montgomeries, John Dalys oder Howard Clarks. Da sind wir uns fast sicher…


                                                               Eberhard Pino Mueller

publiziert: August 2000
  Frankfurter Allgemeine „GOLF INTERNATIONAL"                                                   


Wie die Golfprofis sind und warum sie so gut ankommen.


Fast nur nette Kerle


Mehr als ungewöhnlich war, als plötzlich ein Golfstar bei der Spielerversammlung der Tennisprofis im Grand Hyatt Hotel am Vorabend der Australian Open auf großer Leinwand gezeigt wurde. Noch ungewöhnlicher als der virtuelle Auftritt von Greg Norman vor 200 Tennisspielern in Melbourne war die Art und Weise, wie der „Shark-Talk" zustande gekommen war. Im Weihnachtsurlaub hatte man den „Weißen Hai" spontan gefragt, ob er interessiert sei, Tennisprofis zu motivieren, mehr für den Sport zu tun, um Tennis besser verkaufen zu können. Und eigentlich hatte man mit einer Absage gerechnet. Doch der Australier machte sofort mit und nahm für den Job - man höre und staune -- noch nicht mal Geld.

Greg Norman versuchte dann auch den Tenniscracks in einer Videoaufzeichnung klar zu machen, dass es in einer Welt mit global konkurrierender Sportunterhaltung nicht genüge, gut zu spielen. „Die Tennischampions müssen", so Norman, „auch außerhalb der Tennislinien Begeisterung entfachen, und sich bewusst sein, dass sie den Fans, Kids, Sponsoren und der Presse etwas schulden für das viele Geld."

Warum hatte man ausgerechnet Norman zu dieser Aktion gewinnen wollen? Bestimmt nicht, weil er, typisch australisch, ein freundlicher Mensch ist, sondern weil er, gar nicht typisch für einen Weltstar, ein besonders umgänglicher Typ ist, der nie den Boden unter den Füßen verloren hat. Und so waren denn auch die Tennisprofis von Normans Motivations-Power stark beeindruckt. Dabei hätte man statt Norman genauso gut Jack Nicklaus, Arnie Palmer, Bernhard Langer oder Seve Ballesteros verpflichten können. Denn auch sie haben, jeder auf seine Art, gezeigt, wie man sich verhalten muss, um bei den Zuschauern anzukommen. Mehr noch: Sie sind immer auch Vorbilder für junge Spieler und großartige Werbeträger für den Golfsport.

Beispiel Jack Nicklaus. Vor 20 Jahren bei den Doral Open in Miami. Natürlich spielte er wunderbares Golf. Doch mehr noch faszinierte, wie er von einem Loch zum nächsten Abschlag durch die Menge marschierte und auf Zurufe der Fans reagierte. Er schenkte allen ein freundliches Lächeln, winkte fremden Leuten zu oder beglückte mal hier, mal da einen im Vorübergehen mit einem flüchtigen Handschlag. Es war, als spaziere er nur an Bekannten und Freunden vorbei. Unglaublich wie der Mann es verstand, die Zuschauer in seinen Bann zu ziehen.

Ein anderes Beispiel. Auf der Driving Range des Golf Resorts von Indian Wells in Kalifornien drischt ein Herr mit grauen Schläfen zwischen Hobbygolfern die Bälle schnurgerade bis ans Ende der Übungswiese. Und gibt, einfach so, weil es mit dem Golf des Reporters nicht so weit her ist, von sich aus Tipps. Der hilfsbereite Golfer ist ein gewisser Smiley Jones, ein Spieler der Senior Tour. Und so wie  er, so sind fast alle Profigolfer: umgänglich und ohne Starallüren. Und das ist es auch, warum Golf so populär ist auf der Welt. Und immer populärer wird. Denn trotz großer Rivalität sind Golfprofis äußerst faire Konkurrenten. Meistens jedenfalls...

Man hilft sich, wenn etwa ein Ball gesucht werden muss, und wartet, wenn der andere in Schwierigkeiten ist. So war der Australier Craig Perry mehr als

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