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einmaligen Ort eine einmalige Show, die weltweit verbreitet und in die Geschichtsbücher für die Ewigkeit eingehen wird", alles dafür taten. Alles andere zu glauben, wäre naiv, denn der Verlierer Mahut würde dieses epische Match niemals für einen Erstrundensieg über Isner in fünf normalen Sätzen hergeben wollen.

Es wurde, einmal abgesehen von den grandiosen Aufschlägen, über große Strecken kein schönes Tennis gespielt. Im Grunde war es nervtötend. So auch für den BBC-Kommentator John Inverdale. Das Match kam dem Mann zwischen 12:12 und 20:20, als es rekordreif zu werden schien, „langweilig und total monoton vor - nur Aufschläge und keine Ballwechsel mit irgendwelchen Konsequenzen." Plötzlich, so ab 60 Spielen im entscheidenden Satz, er wisse nicht warum, sei das Niveau gestiegen und es habe auch einige gute Ballwechsel gegeben. Das war, als die ersten Rekorde gepurzelt waren. Seltsam auffällig war auch, wie cool die Spieler bei dem für die Zuschauer hoch dramatischen Match auf dem Platz agierten. Von Nervosität war bei den Mega-Rekordmännern wenig zu spüren.

Isner und Mahut spielten ein spektakuläres Match mit einem sensationellen Ergebnis - mehr nicht. Mehr jedoch für die beiden Kontrahenten. „Es war wirklich eine Ehre", so Nicolas Mahut, „das größte Match aller Zeiten am bedeutendsten Ort für Tennis zu spielen." Und John Isner: „So etwas wie hier wird nie wieder passieren."

Warum nicht? Zwei Aufschlagspezialisten können doch wieder auf die Idee kommen, sich auf einem superschnellen Belag die Aufschläge um die Ohren zu hauen und sich als Rückschläger nicht reinzuhängen. Das würde zu keinem Break führen, denn ein Break ist bei exzellenten Aufschlägern immer sehr schwer und nur mit vollem Einsatz zu schaffen. Zwei Schlaumaier müssten ihr Match eben nur wieder so raffiniert wie Isner/Mahut manipulieren. Mit Stehvermögen, Glück und vielleicht den Hintergedanken im Kopf, dass sich der Coup bei ihren Sponsoren auszahlt -  wie bei John Isner, der mit VITA COCO einen Getränkevertrag hat - könnte so ein scheinbar „unmögliches" Match dann wieder möglich werden.

                               Eberhard Pino Mueller

publiziert:  August 2010 -- DTZ-Deutsche Tennis Zeitung
                                           Tennisportal  TAKEOFF-PRESS   

Die Rekordzahlen:
Das längste Match: 11:05 Stunden (bisher 6:33 Std. Santoro-Clement)
Die meisten Spiele in einem Match: 183 (bisher 112)
Die meisten Spiele in einem Satz: 138 (bisher 46)
Die meisten Asse eines Matches: 215 (bisher 96)
Die meisten Asse eines Spielers: 115 (bisher 76 Ivo Karlovic)

Anmerkungen:
Alle Gegner von Isner nach Wimbledon 2010 spielten mit vollem Einsatz und nicht für die Rekordbücher. Und siehe da, es waren fortan ganz normale Matches  - mit Breaks auf beiden Seiten und wechselnden Siegern.

Eine Neuauflage des Erstrundenmatches Isner gegen Mahut gab es 2011 in Wimbledon. Schon nach 3 Sätzen und 123 Minuten war das Match der beiden Kumpel vorbei - diesmal also mehr als 9 Stunden kürzer und 149 Spiele weniger als bei dem Marathonmatch 2010, das die FAZ (Frankfurter Allgemeinen Zeitung) als „Treppenwitz der Tennisgeschichte" sinnigerweise bezeichnet hatte.


Wimbledon:  John Isner - Nicolas Mahut   6:4,  3:6,  6:7, 7:6,  70:68


Legendäres Match, Supershow oder was?


Kann doch nicht wahr sein - eigentlich. Ein elf Stunden und fünf Minuten langes Tennismatch über drei Tage mit Zahlen, die es nie zuvor im Tennis gegeben hatte. Die meisten Punkte, Spiele und Asse. Das längste Match und der längste Satz. Alle nur möglichen Rekorde wurden gebrochen. Wie kann so etwas passieren - etwas, das sich niemand vorstellen konnte, bevor es in Wimbledon mit dem Amerikaner John Isner und dem Franzosen Nicolas Mahut passierte?

Es war ein Match der Superlative. 980 Punkte. 183 Spiele, allein 138 im fünften Satz. 215 Asse, davon 112 von einem der Spieler. Die meisten Spiele ohne Break. Die Zeit von 7:05 Stunden nicht einmal ausreichend für einen Satz, so dass der Satz, bei 59:59 am Abend abgebrochen, am Ende sogar das bisher längste Match um Stunden übertraf. Und 68 Aufschlagspiele gegen den Satzverlust, bis es beim 69sten schief ging. So etwas wird es nie mehr geben - oder doch?

Nichts Besonderes, die ersten vier Sätze des Erstrundenmatches. Auch waren nicht übermäßig viele Zuschauer an dem Spiel interessiert. Alles schien, als das Match mit dem fünften Satz am nächsten Tag fortgesetzt wurde, ganz normal zu sein, bis John Isner, mit 2,06 Meter der zweitgrößte Spieler der Tour, bei 10:9 einen Matchball hatte, den Nicolas Mahut mit einem Ass abwehrte.

Und so ging das Match halt weiter und begann auf einmal für die Zuschauer, die Medien und nicht zuletzt für die Spieler zu einem großen Ding zu werden. Denn es lief auf die Rekordmarken von Niki Pilic und Nicola Pietrangeli (1962) sowie Pancho Gonzalez und Charlie Pasarell (1969) zu, die jeweils 46 Spiele in einem Satz geschafft hatten. Dann, nach 3:40 Stunden am zweiten Tag, war auch der Rekord des längsten Matches in Wimbledon (5:28 Stunden) gebrochen. Nicht genug: Bei 47:47 versagte das IBM-Computerprogramm für die elektronischen Anzeigetafeln auf der Anlage. Und das in Wimbledon, wo man nichts dem Zufall überlässt. Aber mit solchen Zahlen hatten die Herren des All England Club nie und nimmer gerechnet.

Auch nicht Bill, ein kleiner, untersetzter Mann aus London, der von dem Platz mit der Aufschlagsschlacht nicht wegzukriegen war, obwohl er das Spielfeld wegen des Andrangs nur teilweise überblicken konnte. Er wollte, dass das verrückte Marathonmatch weiter und weiter geht und ja kein Spieler - ein „kill-joy", ein Spielverderber - dem andern den Aufschlag abnimmt und dadurch sein Sensationshunger zu schnell abgewürgt würde.

Gut für Bill - die Aufschlagriesen taten alles dafür, ihr Service durchzubringen und wenig, um den Aufschlag dem Gegner abzunehmen. Das erklärt auch, warum es immer weiter ging: 20:20… 40:40… 60:60… bis 70:68. „Ich habe mich nur auf meinen Aufschlag konzentriert, denn ich wollte das Match nicht verlieren", sagten denn auch beide Spieler zu ihrer Taktik. Gut zu verstehen, zumal Isner und Mahut schnell gemerkt haben, welche Aufmerksamkeit ihr Match erregte und dass dies ein großes Ding werden könnte.

Von da an war es ein anderes Match. Sie waren einerseits Gegner, aber auch auf Gedeih und Verderb ein Duo, das Geschichte schreiben kann. Das Match zu gewinnen, war ab
einem gewissen Punkt nicht so erstrebenswert, wie, es wegen der Einmaligkeit der Rekorde so lang wie möglich weiterzuspielen. Verständlich, dass die beiden in ihrer Situation, mit dem Gedanken im Kopf „wir machen an einem

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