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Wimbledon: John Isner - Nicolas Mahut 6:4, 3:6, 6:7, 7:6, 70:68
Legendäres Match, Supershow oder was?
Kann doch nicht wahr sein - eigentlich. Ein elf Stunden und fünf Minuten langes Tennismatch über drei Tage mit Zahlen, die es nie zuvor im Tennis gegeben hatte. Die meisten Punkte, Spiele und Asse. Das längste Match und der längste Satz. Alle nur möglichen Rekorde wurden gebrochen. Wie kann so etwas passieren - etwas, das sich niemand vorstellen konnte, bevor es in Wimbledon mit dem Amerikaner John Isner und dem Franzosen Nicolas Mahut passierte?
Es war ein Match der Superlative. 980 Punkte. 183 Spiele, allein 138 im fünften Satz. 215 Asse, davon 112 von einem der Spieler. Die meisten Spiele ohne Break. Die Zeit von 7:05 Stunden nicht einmal ausreichend für einen Satz, so dass der Satz, bei 59:59 am Abend abgebrochen, am Ende sogar das bisher längste Match um Stunden übertraf. Und 68 Aufschlagspiele gegen den Satzverlust, bis es beim 69sten schief ging. So etwas wird es nie mehr geben - oder doch?
Nichts Besonderes, die ersten vier Sätze des Erstrundenmatches. Auch waren nicht übermäßig viele Zuschauer an dem Spiel interessiert. Alles schien, als das Match mit dem fünften Satz am nächsten Tag fortgesetzt wurde, ganz normal zu sein, bis John Isner, mit 2,06 Meter der zweitgrößte Spieler der Tour, bei 10:9 einen Matchball hatte, den Nicolas Mahut mit einem Ass abwehrte.
Und so ging das Match halt weiter und begann auf einmal für die Zuschauer, die Medien und nicht zuletzt für die Spieler zu einem großen Ding zu werden. Denn es lief auf die Rekordmarken von Niki Pilic und Nicola Pietrangeli (1962) sowie Pancho Gonzalez und Charlie Pasarell (1969) zu, die jeweils 46 Spiele in einem Satz geschafft hatten. Dann, nach 3:40 Stunden am zweiten Tag, war auch der Rekord des längsten Matches in Wimbledon (5:28 Stunden) gebrochen. Nicht genug: Bei 47:47 versagte das IBM-Computerprogramm für die elektronischen Anzeigetafeln auf der Anlage. Und das in Wimbledon, wo man nichts dem Zufall überlässt. Aber mit solchen Zahlen hatten die Herren des All England Club nie und nimmer gerechnet.
Auch nicht Bill, ein kleiner, untersetzter Mann aus London, der von dem Platz mit der Aufschlagsschlacht nicht wegzukriegen war, obwohl er das Spielfeld wegen des Andrangs nur teilweise überblicken konnte. Er wollte, dass das verrückte Marathonmatch weiter und weiter geht und ja kein Spieler - ein „kill-joy", ein Spielverderber - dem andern den Aufschlag abnimmt und dadurch sein Sensationshunger zu schnell abgewürgt würde.
Gut für Bill - die Aufschlagriesen taten alles dafür, ihr Service durchzubringen und wenig, um den Aufschlag dem Gegner abzunehmen. Das erklärt auch, warum es immer weiter ging: 20:20… 40:40… 60:60… bis 70:68. „Ich habe mich nur auf meinen Aufschlag konzentriert, denn ich wollte das Match nicht verlieren", sagten denn auch beide Spieler zu ihrer Taktik. Gut zu verstehen, zumal Isner und Mahut schnell gemerkt haben, welche Aufmerksamkeit ihr Match erregte und dass dies ein großes Ding werden könnte.
Von da an war es ein anderes Match. Sie waren einerseits Gegner, aber auch auf Gedeih und Verderb ein Duo, das Geschichte schreiben kann. Das Match zu gewinnen, war ab einem gewissen Punkt nicht so erstrebenswert, wie, es wegen der Einmaligkeit der Rekorde so lang wie möglich weiterzuspielen. Verständlich, dass die beiden in ihrer Situation, mit dem Gedanken im Kopf „wir machen an einem
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