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Die „Geschäftemacher"

Was IMG, die International Management Group, für Andre Agassi, Rafael Nadal oder Roger Federer ist, ist Global Sports Management für Mischa Zverev, Philipp Petzschner, Rainer Schüttler und Novak Djokovic. Oder wie Ion Tiriac früher für Boris Becker, Goran Ivanisevic und Henri Leconte aktiv war, ist es heute Ralf Scheitenberger für Daniel Brands und Florian Mayer. Die Tennisspieler kämpfen schon lange nicht mehr nur um schöne Pokale und die Ehre, sondern um Geld. Aber nicht allein um das Preisgeld bei Turnieren, sondern oft mehr noch um Geld von Sponsoren, Extraprämien und Antrittsgelder. Und dafür haben sie Macher, die im Hintergrund für die Tennisprofis agieren.

Keine Frage: Der Sport taugt als Instrument der Absatzförderung, wenn der Sport den Gesetzen der Werbebranche folgt. Besonders Tennis lässt sich kommerziell wunderbar nutzen. Von den Topspielern und in den Ländern, wo Tennis einen hohen Stellenwert hat. Sportmanager sorgen sich daher weltweit um das Wohl der Tennisprofis, aber auch um das eigene. Ion Tiriac war in diesem Geschäft einer der Vorreiter und der Cleversten und sackte Millionen als Spieler-Manager und Promotor im Tennis ein. Zum einen, weil er mit Boris Becker, dem dreifachen Wimbledonsieger, einen Superstar vermarktete und dabei einen Becker- und Tennis-Boom in Deutschland auslöste, der ihm überall bei Firmen die Türen öffnete. Zum anderen, weil er mit seinem Tennisverstand und Geschäftssinn genau wusste, wo es lang geht. Hinzu kam auch noch, sagt Tiriac, „dass ich mich diesem Job und meinen Spielern früher mit Haut und Haaren verschrieben habe."

Damals, zu Boris Beckers und Steffi Grafs goldenen Zeiten, als Tennis zu einem Business ohne Wenn und Aber wurde, hatten die Manager leichtes Spiel. Die Einnahmen der Topspieler gingen so schnell nach oben, dass Ronnie Mjörnell, damals der Sportmarketing-Mann bei Mercedes für das Stuttgarter Weißenhof-Turnier, witzelte: „Die Spieler, die bei einem Turnier eine Million kassieren, müssten doch eigentlich ein fehlerfreies Tennis bieten, dazu in den Pausen wie Luciano Pavarotti singen und noch Hervorragendes einem Musikinstrument entlocken können."

Eine gewisse Überkommerzialisierung zeichnete sich bereits in den achtziger Jahren ab. Über Boris Becker gibt es dazu eine bezeichnende Geschichte zu erzählen. Tiriac hatte für ihn einen Vertrag mit der Automarke Ford über jährlich vier Millionen Mark aufgetrieben. Doch was macht der eigenwillige Kerl? Er fährt mit einem Porsche zu den Werbeaufnahmen nach Monte Carlo, wird dabei in der Schweiz wegen Raserei von der Polizei gestoppt und kommt schließlich mit einem Jeep am Ziel an. Die Presseberichte darüber sind für Ford ein Schlag ins Gesicht, und Tiriac war genervt, weil der noch nicht unterzeichnete Vertrag in Gefahr war. Für Becker kein Problem: „Dann suchst du mir eben für weniger Geld einen anderen Sponsor."




Unvorstellbar so etwas heute. Vorbei die Zeiten, als die Sponsoren in Deutschland bei den Topspielern Schlange standen. Der Markt gibt nicht mehr so viel her. Die Spielervermarkter tun sich auch schwerer, weil das Fernsehen nicht wie früher mitspielt. Im Vorteil ist, wer schon lange im Geschäft ist und gute Beziehungen zu Firmen und Spielern hat. Ralf Scheitenberger etwa, der früher Michael Stich und Anke Huber unter Vertrag und schon damals einen guten Namen in der Branche hatte. Aber auch er muss immer kämpfen. „Mit Michael und Anke hatte ich bei jedem Turnier sieben Messer im Rücken, denn alle großen Agenturen waren hinter den beiden her", erinnert sich Scheitenberger. „Ein persönliches Verhältnis zu den Sportlern ist sehr wichtig."

Die Spielerlounge bei Turnieren ist einer der bevorzugte Tummelplatz für die agilen Manager. Da werden neue Kontakte geknüpft, wird verhandelt und abgeworben. Wer nicht aufpasst und sich zu wenig um seine Schäfchen kümmert, verliert seine Schützlinge schnell im „Haifischbecken" Tennis. Um sich heutzutage bei der Wirtschaftskrise in diesem kompetitiven Markt zu behaupten, ist  ein Top-Management gefragt, das sich aber nicht nur um die geschäftlichen Interessen der Tennisspieler kümmert, sondern auch um deren individuelle Bedürfnisse.

Für die „Meet success AG" von Ralf Scheitenberger, wie auch für „Global Sports Management" mit den Machern Dirk Hordorff und dessen Kompagnon Stefan Wechselberger kein Problem. Sie bieten, neben Werbemaßnahmen, gezielter PR- und Öffentlichkeitsarbeit, Kontakten zu Unternehmen und Verbänden, sowie Verträgen mit Sponsoren, ihre Dienste und persönliches Engagement auch für die Betreuung der Sportler bei alltäglichen Dingen an. Philipp Petzschner, der von Dirk Hordorff betreut wird, sagt: „Dirk ist für mich der beste Manager, den wir in Deutschland haben, weil er viel Ahnung von Tennis hat, schon lange dabei ist und für mich alles organisieren würde, auch Hotel- und Flugbuchungen, wenn ich das wollte."

Natürlich versuchen die Strippenzieher der Vermarktungsbranche, die Spieler möglichst früh an sich zu binden. Die Agenten sind deswegen schon hinter den talentierten Kindern bei Jugendturnieren und in internationalen Trainingscamps her. So früher auch mal hinter Tommy Haas, den IMG schon im Teenageralter unter Vertrag nahm, als er in Florida an der Bollettieri Tennis Academy für eine Tenniskarriere trainierte. Das Risiko, dass der Spieler auf der Strecke bleibt, gehört zum Geschäft. Doch wenn man früh an den Kids dran sei, so Ion Tiriac, „kann man, wie ich bei Boris, einen Burschen noch lenken, führen und Einfluss nehmen. Danach ist es oft zu spät."

                                             
Eberhard Pino Müller

publiziert:  Februar 2010
                        DTZ Deutsche Tennis Zeitung             
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