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French Open 2019 in Roland Garros

Historisch, historisch und nochmal historisch


„Tennis ist geprägt von seiner Geschichte, die die Champions geschrieben haben." Ein schöner Satz von Bernard Giudicelli, dem Präsidenten des Französischen Tennis Verbandes. Auch in diesem Jahr wieder haben die French-Open-Champions in Roland Garros Geschichte geschrieben. Mon Dieu! Bei der französische Sportzeitung L'Équipe hatte man für den einmaligen Triumph des Siegers auf die Titelseite nur das eine Wort „Hercules" gedruckt. Historisches haben auch noch eine Australierin und zwei Deutsche diesmal in Roland Garros vollbracht.

Turbulent und spannend wie nie zuvor ging es bei Spielerinnen in Roland Garros 2019 zu. So unberechenbar wie die Bälle auf Sand abspringen können, so unberechenbar waren die Matches der Frauen, eigentlich, besser gesagt der Mädchen, diesmal bei den French Open. Das war nach dem Verlauf der ersten 18 WTA-Turniere anfangs des Jahres auch zu erwarten, als 18 Mal eine andere Spielerin gewann.

Kalt erwischte es gleich die dreimalige Grand-Slam-Gewinnerin Angelique Kerber (WTA 5) gegen die erst 18-jährige Russin Anastasia Potapowa. Aus der Traum vom letzten fehlenden großen Titel, aber „Paris, Sand und ich" war noch nie so richtig ihr Ding. Und diesmal, nicht richtig fit und nach schlechter Vorbereitung, erst recht nicht. Sie war aber in guter Gesellschaft, denn von den zehn Top-Gesetzten waren unter den 16 Spielerinnen im Viertelfinale nur noch drei dabei.

Im Halbfinale mischten sensationell noch zwei Teenys mit. Die siebzehnjährige Amanda Anisimova, die die Titelverteidigerin Simona Halep „weggeputzt", dann aber gegen die Australierin Barty das Finale verpasst hatte, und die 19-jährige Marketa Vondrousova, die gegen die Kerber-Bezwingerin nur vier Spiele abgab, sich ins Finale spielte und da erst von Ashleigh Barty bezwungen wurde. Und wie! Mit nur vier Spielen war die blutjunge Tschechin im Finale chancenlos. Mit Barthy, die sechsmal in Roland Garros gespielt und nur zwei Matches gewonnen hatte, holte den Titel endlich wieder einmal eine Australierin - historisch nach Margret Courts Triumph 1973 vor 46 Jahren  - weil sie zu gut für alle war. Auch für Andrea Petkovic in der dritten Runde, die nach Bartys großem Triumph im Internet, auf für sie typische  Art, schrieb: „Dieses Mädchen hat mir und jeder anderen in den Allerwertesten getreten."

Die Geschichte der 18 deutschen Teilnehmer im Pariser Einzel-Hauptfeld ist schnell erzählt, da von ihnen nur Jan-Lenard  Struff und Alexander Zverev es in die zweite Woche geschafft haben. Dass die deutschen Spieler/innen gleich die Koffer packen konnten und nichts von Paris hatten, lag auch an durchweg starken Gegner/innen. Görges gegen Kanepi, Tatjana Maria gegen Collins, Barthel gegen Garcia, Lottner gegen Konta und Siegemund gegen Bencic waren keine einfachen Matches, die man unbedingt gewinnen muss.

Nicht leichter hatten es die Männer mit teils größeren Brocken wie Tsitsipas gegen Marterer, Tsonga gegen Gojowczyk, Chatchanov gegen Stebe, Gasquet gegen Mischa Zverev. Und Rudolf Mollecker, der jüngste im Hauptfeld, konnte gegen den Kasachen Alexander Bublik „leider nicht abrufen, was möglich gewesen wäre, wenn ich gesund gewesen wäre", während Philipp Kohlschreiber, nach einem sehr guten Match gegen den Niederländer Robin Haase, unerwartet schwach gegen den Franzosen Mahut gespielt hat und ausschied. 

Immerhin fing Roland Garros in der Qualifikation, die nur der übersteht, der richtig gut Tennis spielen kann und dreimal gewinnt, gut an für die Deutschen Rudolf Molleker, Yannick Maden, Yannick Hanfmann und mit Glück für Oscar Otte als Lucky Loser. Für diese Spieler, die sich überwiegend auf der Challenger-Tour tummeln oder die Quali für ATP-Turniere spielen, ist ein Platz im Hauptfeld der French Open ein riesiger Erfolg, und manchmal sogar ein ganz besonderes Tennis-Erlebnis, denn man kann, wenn die Auslosung es ergibt, gegen einen Superstar kommen - wie Hanfmann, dem gleich ein Match gegen Rafael Nadal blühte. An einen Sieg zu glauben, ist vermessen, das wusste Hanfmann. Er wolle „das Match nur genießen", denn auf dem größten Show-Court in Roland Garros vor 15 000 Zuschauern gegen den Sandplatzkönig Nadal zu spielen, sei etwas Einmaliges.   

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