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The Championships - Wimbledon 2019
Phänomenale Oldys und ein magischer Teenager
Es ist schon fast ein Ritual. Jedes Jahr, wenn du nach Wimbledon kommst, machst du zuerst einen Spaziergang über die Anlage des All England Lawn Tennis Club. Nicht wegen des „Heiligen Rasens" der einzigartig gepflegten Rasenplätze - der spielfreie, mittlere Sonntag, an dem dadurch dem Turnier mehr als eine Million durch die Lappen gehen, ist allein der Rasenpflege geschuldet - sondern wegen der Blütenpracht und dem Wimbledon-Flair. Zuerst geht es am efeubegrünten Aorangi Pavillion vorbei, dann hinter Court Nr.1 hoch zum Henmann Hill, einer Grasterrasse mit einer Großbildleinwand für tausende Zuschauer, die kein Centre-Court-Ticket haben, jetzt hinunter und vorbei an der Rasenwalze, deren Reparaturkosten, 1877, der Auslöser des Turniers waren, weiter zur Members Brasserie, dann zum Rosewater-Pavilion und Baseline-Grill, zur Champagner-Bar, dem Wimbledon-Museum und Food-Village, wo sogar eine Apotheke integriert ist, dann zurück zum The Wingfield Tea und Diningroom und am Schluss zum Clubhaus, wo über dem Eingangsportal in großen Lettern „The All England Lawn Tennis and Croquet Club" geschrieben steht. Wahrlich, all die Namen passen zu dem edlen Club - typisch Wimbledon eben.
Es ist schon etwas dran, als ein englischer BBC-Reporter über die Begeisterung der Tennisfans bei den French Open in Paris überspitzt meinte: „Nach Roland Garros kommen sie alle nur wegen Tennis, bei uns kommen sie wegen Wimbledon." Ach, wie schön auch immer die Wimbledon-Clubanlage ist - ein Garten mit Tennisplätzen, grünen Lauben, Blumenbeeten, hängenden Blumenkübeln, Hortensien und Petunien in den Wimbledon-Farben violett und weiß …. .das Größte, aber, hier sind „The Championships", wie das älteste Rasen-Tennisturnier der Welt offiziell heißt.
Du bist hoffnungsvoll und guter Dinge, dass Angelique „Angie" Kerber wie im letzten Jahr mit ihrem Wimbledon-Sieg oder auch Alexander „Sascha" Zverev, dem alle Tennisexperten einen Grand-Slam-Sieg zutrauen, vielleicht ein Superding drehen. Und du freust dich, dass 14 Deutsche im Hauptfeld stehen, mit sieben Männern, eine Anzahl, die bei 43 teilnehmenden Nationen nur von vier Ländern, und mit ebenfalls sieben Frauen bei 35 Nationen nur von 3 Ländern überboten wurden.
Das gute Gefühl war aber, nach dem wunderschönen Rundgang, schnell verflogen, als die Matches der Deutschen am ersten Tag begonnen haben. Am Abend, als der Tag vorbei war, hatten gleich Sieben die erste Runde nicht überstanden. An dem rabenschwarzen deutschen Tag ist auch die Hoffnung zerplatzt, Alexander Zverev könne diesmal bei einem Grand Slam Turnier mit Djokovic, Nadal und Federer, die die Grand Slam-Titel seit vielen Jahren fast schon abonniert haben, mithalten.
Auch als es am zweiten Tag nicht ganz so schlimm kam, schafften es nur vier von den restlichen sieben Deutschen in die zweite Runde. Du denkst, das kann doch nicht wahr sein. Doch Tommy Haas, der beim Doppelturnier der „Legends" in Wimbledon dabei ist, meinte: „So ist Tennis. Kann passieren. Ein bisschen zu wenig Selbstvertrauen, schon läuft nichts." Andrea Petkovic, die sich auf dem Wimbledon-Rasen nie wohl gefühlt hat und auch diesmal die Koffer gleich wieder packen musste, sieht das ähnlich: „Rasen ist ein Belag, wo die spielerischen Levels sich ausgleichen. Wenn nur ein Umstand nicht passt, du etwa das Vertrauen auf Rasen ein bisschen verlierst, wird's ein Desaster."
Nun gut, dass es einige nicht geschafft haben, war nicht ungewöhnlich, da ihnen in der Weltrangliste besser platzierte Gegner im Weg standen, wie bei Mischa Zverev, Gojowczyk und Stebe etwa. Pech hatte Philipp Kohlschreiber, der gleich gegen den Titelverteidiger und Weltranglistenersten Novak Djokovic ausschied. Die 31-jährige Tatjana Maria, eine der auf der WTA-Tour beschäftigsten Spielerinnen, die immer ihre kleine Tochter Charlotte dabei hat, hatte das Vergnügen auf dem Centre Court in Wimbledon zu spielen, nur wurde das Vergnügen von der Titelverteidigerin Angelique Kerber geschmälert, weil Angie das Match gewann.
Das Abschneiden der 5 übrig gebliebenen Spieler/innen ist schnell erzählt. Dass aber 14 im Hauptfeld in Wimbledon dabei waren, ist heutzutage schon beachtlich. Die Zeiten, als es nur wenige große Tennisnationen wie Amerika, Australien, England, Spanien, Frankreich, Italien oder Deutschland gab, sind vorbei. Tennis ist, was ja gut und schön ist, international geworden, weil überall, auch in kleinen Ländern - die Olympia-Siegerin Monica Puig kommt aus Costa Rica -Tennis gespielt wird, und die Konkurrenz bei Turnieren gleich in der ersten Runde groß ist.
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