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US Open 2019 - New York
Dominik Koepfer -- „Irreal, sprachlos, unfassbar, nicht zu glauben"
Bei den US Open gehen immer Träume in Erfüllung und andere zerplatzen wie Seifenblasen. Eine einmalig verrückte Erfolgsgeschichte erlebte der Schwarzwälder Dominik Koepfer. „Es fühlt sich nicht real an", stammelte der Qualifikant nach dem Einzug ins Achtelfinale beim Big-Apple-Mega-Tennisturnier in New York, „ich bin sprachlos, ich kann es nicht glauben."
Wie auch? - Da hat der zehnjährige Dominik mit seinem Papa in Paris zugeguckt, als Rafael Nadal spielte „und jetzt, schon speziell, spiele ich mit ihm im gleichen Turnier." Oder: Da schaut ihm Boris Becker, der sechsmalige Grand-Slam-Champion und größte deutsche Tennis-Hero, „den ich wie Tommy Haas als Pimpf bewundert habe", fast zwei Stunden lang bei seinem Match gegen den Hamburg-Sieger Nikoloz Basilashvili am Spielfeldrand zu.
Dazu muss man wissen, dass Typen wie Koepfer, die in der Weltrangliste nicht unter den ersten 100 Spielern stehen, sich bei Grand Slam-Turnieren zuerst über drei Runden durch die schwierige Qualifikation ins Hauptfeld kämpfen müssen. „Mein Ziel war", so Koepfer, „mich zu qualifizieren. Danach hab' ich mich in jeder Runde reingehängt und wurde von Runde zu Runde stärker. Ich habe nicht erwartet, in die vierte zu kommen." Also bitte - Dominik Koepfers Lauf bis unter die besten 16 Spieler bei den US Open, wer hätte ernsthaft daran denken mögen?
Und das ging so - Er biss sich in Runde eins gegen den Spanier Jaume Munar mit Krämpfen im dritten Satz, als ihn ein Dutzend Uni-Freunde von New Orleans wild angefeuert haben, noch in vier engen Sätze über 3:36 Stunden durch und schaffte zum zweiten Mal, wie schon in Wimbledon, die nächste Runde bei einem Major..
Dominik Koepfer, mit viel Selbstvertrauen: „Jetzt will ich auch in die dritte Runde." Aber: Keine leichte Aufgabe gegen den amerikanischen 2,11-Meter-Mann Reilly Opelka, denn schon dreimal hatte er gegen ihn bei Challenger-Turnieren, einmal nach Matchball, verloren. Diesmal aber war es eine andere Nummer, nicht vor „zwei Zuschauern" wie er schmunzelnd erzählte. Er sei deshalb auch ein bisschen nervös geworden, gab er zu, „als ich erfuhr, dass mein Nachtmatch an dem verregneten Tag ins Armstrong Stadium verlegt worden war." Er behielt jedoch die Nerven in der Riesenarena für 14 000 Zuschauer, wehrte vier Satzbälle im dritten Satz ab und machte sich auch durch 24 Asse des Gegners nicht verrückt. „Davon träumt man doch als kleiner Junge", so Koepfer, als das Match nach Mitternacht beendet war. „Hier ein Nightmatch ist unglaublich und mit einem Dreisatzsieg in die dritte Runde unfassbar."
Weiter ging es für Dominik Koepfer, die Nummer 118 gegen Nikoloz Basilashvili, die Nummer 18 der Welt. Nun ist es ja so, dass ein Spieler, um zu gewinnen, nur ein bisschen besser spielen muss als der Gegner - egal auf welchem Weltranglistenplatz er steht. Und das brachte Koepfer, der hundert Plätze hinter Basilashvili stand, doch tatsächlich hin. Es war beeindruckend, wie er jedes Tempo mitging, variabel spielte, in kritischen Momenten cool blieb und zur großen Freude seiner zahlreichen College-Kumpel den hoch favorisierten Georgier mit seinem aggressivem Spiel niederrang. Und wieder war dieser Coup für Dominik Koepfer „unfassbar - ich habe sogar den Matchball vergessen und bin mir nicht sicher, was passiert ist."
Verständlich, dass Koepfer nicht sofort realisierte, was da passiert ist - dass er sich unter die besten 16 Spieler beim größten und schwersten Tennisturnier gespielt hat, wo er zuvor doch auf Challenger-Turnieren herumtingelte.
Koepfers Durchmarsch hat, wie könnte es auch anders sein, die ganze Familie euphoriesiert. Die Mama, die eine Apotheke in Furtwangen betreibt, wollte eigentlich nur bei der Quali dabei sein. Sie hat dann aber immer wieder von Runde zu Runde das Hotel gewechselt, um zu verlängern, und ihre Villinger Mannschaftsspielerinnen mit WhatsApp auf dem Laufenden gehalten. Der Papa Thomas flog kurzentschlossen mit Tennisfreund Markus, nach New York, um das Spiel der Spiele seines Sohnes zusammen mit dem NHL-Eishockeyprofi Denis Seidenberg, einem Freund aus Villingen, live zu erleben. Thomas Koepfers Schwester Bärbel war in München im Internet und Fernsehen immer voll dabei und schrieb: „Wow! Wow! Das ist doch phantastisch. Ich bin immer dabei. Die Großeltern von Dominik werden auch immer jede Nacht von mir geweckt."
Dem Underdog Koepfer stand nun ein noch größerer Brocken im Weg. Doch auch gegen den Russen Daniil Medvevev, die Nummer fünf der Welt, hielt Koepfer mit seinem druckvollen Spiel nicht nur gut mit, sondern sogar voll dagegen. Kein Wunder, dass es in seiner Spielerbbox hoch herging, zumal inzwischen mehr als zwei Dutzend College-Fans, die am Labor-Day-Wochenende extra zu dem Match gekommen waren, Remi Demi machten und „Dom" permanent und lautstark mit „go Dom" oder mit „Green Wave", dem Uni-Slogan angepeitscht und die Zuschauer im Stadion immer wieder dazu animiert haben, „let's go Koepfer, lets go Koepfer" mitzusingen.
Nach gewonnenem Satz, ging der zweite weg, weil Medvedev in drei Spielen entscheidende Punkte mit glücklichen Netzrollern geschenkt bekam. Bis zum Tiebreak im vierten Satz war es immer ein offener Schlagabtausch, so dass Koepfers Vater meinte: „So wie er heute spielt, gibt es keinen Grund traurig zu sein, selbst wenn er das Match verliert." Und wenig später war das wunderbare Match vorbei und Medvedev (der spätere Finalist, der im fünften Satz nach fünf Stunden gegen Rafael Nadal nur knapp den Titel verpasste) der Sieger.
Als Dominik Koepfer nach diesen drei Stunden müde am Netz den Russen bei der Gratulation umarmte, sagte Medvedev zu ihm: „Du hast wirklich toll gespielt. Mach so weiter. Du wirst ein großartiger Spieler." Ein Lob, über das Koepfer in der späteren Pressekonferenz sagte: „Es ist wirklich schön, so etwas von so einem Spieler gesagt zu bekommen."
Eberhard Pino Mueller ***
*** Der Autor kennt die ganze Familie von Dominik Koepfer persönlich. Er war Mitglied wie Dominiks Großeltern Marianne und Werner im Golfclub Öschberghof, gewann mit dem Vater Thomas das Higlight-Golfturnier „Fürstenberg Vierer", studierte mit Marianne zusammen in Freiburg, war Mitglied im Tennisclub „Blau-Weiß-Villingen", wo Jannie, die Mutter von Dominik, im Team spielt und hat miterlebt, wie Dominik als Schüler im Villinger Tennisclub trainiert hat.
publiziert. September 2019 - Tennisportal TAKEOFF-PRESS -- Presse-Dienst-Süd -- JOURNAL/EURO
Was Medvedev und Koepfer der Weltpresse zu ihrem Match sagten: auf der folgenden Seite
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