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Australian Open 2020
Man konnte meinen, Alexander Zverev habe das Verlieren verlernt.
Im Vorfeld der Australian Open wurde über Angelique Kerber und Alexander Zverev viel diskutiert. Man erhoffte von den beiden besten Deutschen, dass sie noch dabei sind, wenn es in der zweiten Woche Ernst wird und auf die Finalrunden zugeht. Angelique Kerber hatte ja vor vier Jahren schon einmal den Titel geholt und Alexander Zverev, mit seinem Talent, muss es doch auch weiter bringen als bei seinen bisherigen Grand Slam-Turnieren. Doch: die Beiden waren im neuen Jahr alles andere als gut drauf. Zverev hatte seine drei Matches beim ATP-Cup kläglich verloren und Kerber musste wegen Verletzungen Turniere sausen lassen.
Das krasse im Sport ist, man will Sieger, ein zweiter Platz ist sogar oft schon fast wie eine Niederlage. Wer die Erwartungen nicht erfüllt, die die Fans, die Presse, das Fernsehen, die Sponsoren erwarten, oder sogar fordern, wird schnell abgeschrieben oder verteufelt. Dass es, gerade beim Tennis, Tage gibt, an denen Spieler nicht Normalform erreichen, kommt immer vor. Als Angelique Kerber vor einem Jahr in Melbourne über Daniella Collins, die ein Jahr zuvor nicht einmal die Qualifikation geschafft und nie ein Grand-Slam-Match gewonnen hatte, gestolpert war, gab sie zu: „Ich hatte keinen Rhythmus, bewegte mich schlecht, habe nur reagiert und kam nicht ins Spiel. Es war komplett nicht mein Tag."
Das sagte eine, die schon die Australian-, US Open und Wimbledon gewonnen hatte. Wie schnell es gehen kann, dass Turnierfavoriten früh die Heimreise antreten müssen, erfuhren auch diesmal sechs der Top-12-Spielerinen. Karolina Pliskova (WTA 2), Naomi Osaka (3), Elina Svitolina (5), Belinda Bencic (6), Serena Williams (8), Johanna Konta (12) und auch noch die ehemaligen Australian Open-Champions Carolina Wozniacki und Maria Sharapova erwischte es bereits, bevor es in die vierte von sieben Runden ging.
Ach ja, noch etwas zu den Spielerinnen. Eine allen überlegene Tennisspielerin wie Serena Williams vor wenigen Jahren, gibt es nicht mehr. Außenseiterinnen machen die Turniere unberechenbar und dadurch äußerst spannend - wie Angelique Kerber, die ihre drei Grand-Slam-Titel immer überraschend holte. Mit kleineren und größeren Erwartungen gingen die fünf deutschen Teilnehmerinnen im Aussie-Open-Hauptfeld an den Start. Für Antonia Lottner, die sich bravourös über die Quali ins Hauptturnier gespielt hatte, war die Italienerin Camila Giorgi und für Tatjana Maria die Amerikanerin Catherina Bellis in der ersten Runde zu stark.
Laura Siegemund schaffte es diesmal, nach fünf Niederlagen gegen ihre Angstgegnerin Coco Vandeweghe, in die zweite Runde, wo sie auf Karolina Pliskova (WTA 2) kam. Es war eine Freude zuzuschauen, wie Laura Siegemund furios begann und gleich mit 3:1 in Führung ging. Doch es ging dann leider nicht so weiter, weil Pliskova ihr ganzes Können ausspielte.
Julia Görges (WTA 39) hatte mit Petra Martic (WTA 13) ein schweres Los und verlor auch gleich den ersten Satz. Doch Julia Görges kämpfte, lag im dritten Satz 4:5 zurück und gewann die Zitterpartie nach zwei Stunden noch knapp mit 7:5, weil sie immer an sich geglaubt habe. Gegen die Wimbledon-Halbfinalistin Alison Riske (WTA 18) kam in der dritten Runde das Aus.
Angelique Kerber (WTA 17) hatte Oberschenkelprobleme zu Beginn des Jahres, die sie zum Glück „nicht mehr merklich behinderten." So kam sie locker durch die ersten beiden Runden und überstand dann ein Dreisatzmatch gegen Camila Giorgi, um in die zweite Woche zu kommen. Vor dem Achtelfinal-Match gegen die Russin Anastasia Pavlyuchenkova gestand Kerber: „Ich hatte keine großen Erwartungen, als ich ankam. Die habe ich immer noch nicht. Ich kann jede schlagen, wenn ich nicht fit bin, kann mich aber jede schlagen." Doch gegen die Russin vergab sie den Sieg, weil sie nicht mutig und aggressiv gespielt hat und „ich es der Gegnerin ermöglichte, ihr Spiel durchzuziehen."
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