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Rückblick: US Open 2020 in New York
Außergewöhnlich, verrückt, aufregend, spektakulär und eigenartig kurios
Unzählige Freunde und Bekannte haben mich in den letzten 25 Jahren immer ein bisschen beneidet, wenn ich in die Mega-Metropole New York zu den US Open, dem größten Tennisturnier der Welt geflogen bin. Aber, als Tennisreporter für die Deutsche Tennis Zeitung hatte man sich daran gewöhnt, so dass einem die Reise ganz normal vorkam. Doch in diesem Jahr war plötzlich alles anders. Alle waren um einen besorgt, weil das Covid-19 Coronavirus mit bisher mehr als 32 500 Toten in New York besonders wütete.
Ein Wunder - Ob das Turnier überhaupt stattfinden wird, war bis kurz vor Beginn nicht sicher. Doch trotz vieler Unwägbarkeiten hatte der amerikanische Tennisverband USTA, als Veranstalter mit den Gesundheitsbehörden der Stadt New York, ein rigoroses Hygienesicherheitskonzept mit vielen Einschränkungen auf der Anlage in Flushing Meadows erarbeitet.
Das Wichtigste - Um Ansteckungen zu vermeiden, ließ man so wenig Leute wie möglich auf die Turnieranlage- also: keine Zuschauer, reduzierte Turnierfelder, wenig Linienrichter und Ballkinder, keine Läden und Essstände mit Personal und auch keine Journalisten aus aller Welt.
Die Frage: Fliegt man wieder hin oder diesmal nicht, hatte sich so erledigt. Immerhin: Über Videokonferenzen, Fernsehen, Internet und Livestream konnte man ja im Homeoffice virtuell dabei sein. Was bei den US Open dann abging, war einmalig kurios, und ich gehe einfach einmal davon aus, niemand hätte wohl gedacht, dass die US Open diesmal so außergewöhnlich, verrückt, aufregend, spektakulär, seltsam, spannend, unvorstellbar, bizarr, eigentlich fast surreal ablaufen würden. Insofern hat unsereins schon etwas verpasst, nicht wieder vor Ort bei dem Chaos- Drama- Wahnsinns-Turnier dabei zu sein.
Sachen gibt's - Es war diesmal eine komplett andere Tenniswelt. Keine Tennisfans auf den Tribünen im 25 000 Zuschauer Arthur-Ashe-Stadium. Die sündteuren Logen der Sponsoren wurden den Topspielern gratis zugeteilt, um es sich bequem machen und den Matches vom Balkon aus zuschauen zu können. Keine Linienrichter auf den Nebenplätzen. Kein Lärm, kein Gegröle und kein tosender Beifall der emotionalen New Yorker auf den Rängen. Dafür wurden ringsum auf Videowänden Zuschauer eingeblendet, die die Ballwechsel, auch schon mal Doppelfehler, inszeniert beklatschten. Kein munteres und elektrisierendes Treiben wie sonst auf der Anlage - eine unnatürliche Stille und Leere eben.
Dumm gelaufen - Kurz vor Beginn wurde Benoit Paire positiv auf Corona getestet und vom Turnier ausgeschlossen. Nicht jedoch zehn weitere Spieler*innen im Umfeld des Franzosen, die sich nicht an die exakten Vorgaben der Kontaktvermeidung gehalten hatten und 14 Tage, abgeschottet nach dem Sicherheitskonzept für die Tennis-Blase, in Quarantäne hätten gehen müssen, was zum Ausschluss des Turniers geführt hätte.
Nicht konsequent - Kurzerhand wurden die durchdachten, knallharten Konsequenzen bei Hygieneverstößen von den Verantwortlichen ignoriert und die Vorgaben willkürlich geändert. Die drei gesetzten Kontaktpersonen Daniil Medvedev, Damir Dzumhur und Nicolas Mahut sollten nun täglich, nicht alle vier Tage, getestet werden, konnten sich aber sonst, wie alle Spieler, im Hotel und auf der Anlage bewegen. Die anderen Sieben bekamen Zimmerarrest im Hotel, persönlichen Transport und Verbot für die Gemeinschaftsräume auf dem Turniergelände aufgebrummt.
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