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Australian Open 2021

Ein etwas anderes Turnier


Irgendwie ist die eigene Vergangenheit diesmal weg. Wir sollten, ja eigentlich, nicht an der Vergangenheit hängen, doch wenn man 27 Jahre lang im Januar immer nach Melbourne zu den Australian Open geflogen war, fehlt einem etwas, wenn man diesmal zu Hause bleiben muss. Doch Erinnerungen an das Turnier der Superlative, den „Happy Slam", wie die Spieler und Tennisfans schwärmen, kommen einem natürlich in den Sinn, als plötzlich nichts mehr so war - wie noch vor einem Jahr in Down Under.

Einem 80 bis 160 Nanometer großen Virus gelang es von heute auf morgen unseren Alltag dramatisch zu verändern. Bei den „Aussie" Open 2020 war die Tenniswelt noch in Ordnung. Doch dann geriet die Profi-Tennistour aus den Fugen. Wimbledon, das Traditionsturnier, wurde abgesagt. Die French- und US-Open wurden verlegt und fast ohne Zuschauer gespielt. Und, es war sogar fraglich, ob die Australian Open überhaupt 2021 stattfinden können, da die Regierung einen harten Lockdown, nicht nur für Australier*innen, sondern auch für Besucher*innen von Übersee, angeordnet hatte, um zu verhindern, dass das verheerende Virus sich erneut auf dem Kontinent ausbreiten kann.

Turnierdirektor Craig Tiley musste, weil man für die Tennisspieler zunächst keine Ausnahme machen wollte, lange um sein Turnier bangen. Doch der gebürtige Südafrikaner kämpfte und gab nicht nach. Mit immer neuen Ideen und schärfsten Quarantäne-Rezepten konnte er schließlich die Regierung dazu bringen, ihm das Plazet für das Grand-Slam-Turnier zu geben. Es war für die Organisatoren jedoch schon im Vorfeld eine noch niemals dagewesene Herkules-Aufgabe. 

Die Qualifikationsspiele mussten in Städte anderer Länder verlegt werden. Nach Doha für die Männer und Abu Dhabi für die Frauen. Da es so gut wie keinen Flugverkehr nach Australien gab, musste man für die Spieler*innen mit eingeschränktem Begleittross aus aller Welt 17 Charter-Maschinen buchen, wobei nur einreisen durfte, wer vor dem Abflug und bei der Ankunft einen negativem Corona-Test vorweisen konnte. Vom Flughafen aus ging es für alle direkt in eines der drei von der Turnierleitung gebuchten, streng kontrollierten Quarantäne-Hotels, wo niemand, mit Ausnahme für fünf Stunden täglich zum Training im National Tennis Center, sein Zimmer zwei Wochen lang verlassen durfte. 72 Profis und Betreuer durften, zu allem Überdruss auf Anordnung der Behörden. nicht einmal für fünf Stunden raus, wegen Corona-Fällen in ihren Fliegern. Es erwischte so auch Angelique Kerber und ihren Coach Torben Beltz.

Die Aussie Open 2021 gingen dann auch nur mit gewaltigen Einschränkungen und erst nach drei Wochen Verspätung los. Während im Jahr zuvor  812 174 Zuschauer auf die Anlage kamen, 580 Journalisten und 134 Fotografen akkreditiert und hunderte Linienrichter im Einsatz waren, musste die Zulassung von Personen im Tennisstadion, Corona-bedingt, drastisch verringert werden. Linienrichter*innen gab es keine mehr und dafür automatisierte Aus-Rufe der „Hawk Eye Live" Technologie. Internationale Journalisten*innen aus Übersee konnten nur virtuell arbeiten, da man lediglich eine Handvoll vor Ort zugelassen hatte. Und, die Zuschauerkapazität wurde in der ersten Woche auf täglich maximal 30 000 und in der zweiten Woche 15 000 beschränkt. Auch das traditionelle Turnier der Legenden wurde gestrichen.

Nichts destotrotz stand der „Safety-Slam", wie die Tageszeitung The Age getitelt hatte, auf sehr wackeligen Füßen. Nicht auszudenken, was gewesen wäre, wenn Corona-Fälle in den Quarantäne-Hotels vorgekommen wären. Allein ein Fall eines Angestellten in einem Flughafenhotel löste sofort einen Lockdown in Melbourne aus und so wurden auch alle Zuschauer für fünf Tage bei den Australian Open ausgesperrt. Es kam deswegen zu einer skurrilen Begebenheit, als die Zuschauer, während eines Night-Session-Matches zwischen Novak Djokovic und Taylor Fritz um 23;15 aus der Rod Laver Arena hinausgejagt wurden, damit sie noch rechtzeitig vor dem Lockdown, der um Mitternacht begann, nach Hause kamen.

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