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Australian Open 2022
Einreise-Drama von Novak Djokovic in Australien
Eigentlich hatte Novak Djokovic die Spielberechtigung bei den Australian Open 2022 am 10. Dezember 2021 verpasst, da dieses Datum der letzte mögliche offizielle Meldeschluss für das Grand-Slam-Turnier in Melbourne war. Es gibt genaue Regeln für Profi-Tennismatches wie auch für die Teilnahme an Profiturnieren, und die hat jeder einzuhalten, auch ein Djokovic, der Weltranglistenerste. Das hat Djokovic allerdings wenig gekümmert, obwohl er angeblich am 18. November ein vorläufiges Visum, vom australischen Tennisverband organisiert, für die Einreise nach Australien bekommen hatte.
Am 19. November soll der australische Gesundheitsminister Greg Hunt, wie in der Süddeutschen Zeitung stand, an den australischen Tennisverband geschrieben haben, dass den Grenzbehörden gesagt wurde, dass nur vollständig Geimpfte quarantänefrei nach Australien einreisen dürfen. Ungeachtet dessen erhielt Djokovic vom medizinischen Chef des australischen Tennisverbandes, am 30. Dezember, eine Ausnahmegenehmigung für Ungeimpfte des Bundesstaates Viktoria zur Einreise.
Bei der Abfertigung nach der Ankunft am Flughafen in Melbourne am 6. Januar wurde Djokovics Visum von Beamten der Einreisebehörde für ungültig erklärt. Stundenlang debattieret Djokovic nach Mitternacht vergebens um eine Einreiseerlaubnis mit den Grenzbeamten, die sich nicht mit seinen PCR-Tests zufriedengaben und ihm kategorisch die Einreise verweigerten, weil die von der Bundesregierung vorgeschriebenen Dokumente für eine medizinische Ausnahmegenehmigung nicht vorlagen. Djokovic, der das Protokoll nicht unterschreiben wollte, weil er seine Anwälte in der Nacht nicht einschalten konnte, wurde deshalb in den frühen Morgenstunden zur Isolierung in ein Abschiebehotel für Ausreisepflichtige gefahren.
Djokovics Vater ging darauf in einer Pressekonferenz soweit, seinen Sohn mit Jesus Christus zu vergleichen: „Jesus wurde gekreuzigt, er ertrug es und lebt immer noch unter uns. Jetzt versuchen sie Novak auf gleiche Weise zu kreuzigen und ihm alles anzutun." Djokovics Anwälte erhoben gegen die Annullierung des Visums sofort Einspruch, unter anderem mit der Begründung, dass sich Djokovic bei seiner Impfausnahmegenehmigung auf einen positiven PCR-Test am 16. Dezember und zwei negative nach überstandener Corona-Infektion am 18. und 22. Dezember berufen könne, und erwirkten einen Gerichtstermin für Mittwoch.
Das Berufungsgericht nimmt den Visumsentzug, jedoch vor allem, wegen eines Verfahrensfehler der Grenzbehörden zurück, sodass Djokovic sich frei bewegen und trainieren kann. Doch zugleich wurde bekannt, dass der australische Einwanderungsminister Alex Hawke den Fall Djokovic überprüfen und unter Umständen einen erneuten Entzug des Visums veranlassen werde.
Am Tag darauf kommt heraus, dass in dem von Djokovic unterschriebenen Einreiseformular falsche Angaben, die in Australien als schweres Vergehen gelten, über sein Reiseverhalten in den 14 Tagen vor der Ankunft in Melbourne gemacht wurden. Fakt ist, Djokovic ist, ohne eine Sondergenehmigung für Ungeimpfte wie der Radiosender Cadena Copa berichtete, illegal in Spanien eingereist, wo er um die Jahreswende in Marbella Tennis gespielt hat. Djokovic bestätigt „menschliche Fehler", die versehentlich „und sicher nicht absichtlich von seinem Management" gemacht worden seien. Auch bestätigt Djokovic, dass er einen Termin mit der Sportzeitung L'Équipe im Dezember wahrgenommen habe, obwohl er von seinem positiven Corona-Test wusste und nach serbischem Recht 14 Tage in Quarantäne hätte sein müssen.
DIE WELT und DER SPIEGEL berichteten am 11. Januar über weitere Ungereimtheiten, die unbeantwortet blieben. Die digitalen Versionen der von den Anwälten vorgelegten PCR-Tests, stimmten, in Bezug auf Datum und Identifikationsnummer wie IT-Experten herausfanden, mit den angegebenen Daten nicht überein. Der angeblich am 16. Dezember gemachte und von den Anwälten vorgelegte positive PCR-Test ergab als Zeitspiegel den 26. Dezember. Die Identifizierungsnummer des positiven Tests, heißt es außerdem, deute ebenfalls auf den 26. Dezember hin, denn diese Nummer liege 50.000 Stellen höher als ein anderer, der nach Aussage von Djokovic am 22. Dezember gemacht wurde, denn zwischen 22. und 26. Dezember wurden in Serbien nach öffentlichen Daten rund 50.000 Tests durchgeführt.
Der australische Einwanderungsminister entzog am Freitag, nach reiflicher Überlegung in einer persönlichen Entscheidung, das Visum von Djokovic zum zweiten Mal und erklärte, dies sei gut begründet und stehe „im öffentlichen Interesse, weil Djokovic die Gesundheit der australischen Gemeinschaft gefährden kann."
Djokovic und seine Anwälte gaben sich damit nicht zufrieden und legten Einspruch gegen „die irrationale Entscheidung" beim Bundesgericht ein. Drei Richter des obersten Gerichts lehnten den Einspruch jedoch einstimmig ab und verfügten, dass Djokovic kein Visum bekommt, Australien verlassen muss und bei den Australian Open nicht teilnehmen darf.
Egal wie man es betrachtet: Djokovics Verhalten war so widersprüchlich, unangemessen, unsensibel und sogar möglicherweise ungesetzlich, dass Djokovic in den Medien und bei der Öffentlichkeit verständlicherweise schlecht wegkam - er sei egoistisch, selbstherrlich, unverantwortlich, unehrlich, heuchlerisch, egomanisch, falsch, unsolidarisch und anderes mehr. Man nahm ihm nicht ab, dass für Fehler immer andere schuld waren, obwohl er sich die Probleme selbst eingebrockt hat. Er schien auch nicht zu realisieren, dass er sich immer mehr in Widersprüche zum eigenen Schaden verstrickte und Regeln und Gesetze für alle gleichermaßen gelten - etwa einwandfreie PCR-Tests für eine Ausnahmegenehmigung und vorschriftsmäßiges Quarantäneverhalten. Ohne Vorbildfunktion hat Djokovic viele Tennisfans vor den Kopf gestoßen, die kein Verständnis dafür hatten, wie der Ungeimpfte über seinen Promistatus eine Sonderbehandlung erzwingen wollte. Wenigstens gab Djokovic nach dem Urteil zu, er fühle sich nicht wohl, dass der Fokus der vergangenen Wochen derart auf ihm gelegen habe. „Ich hoffe, wir können uns nun alle auf das Spiel und Turnier konzentrieren, das ich liebe." Hoffentlich hat Djokovic aus dem australischen Drama etwas gelernt, um beim nächsten Mal nicht wieder gegen die Wand zu fahren. Eberhard Pino Mueller
publiziert: 17-01-2022 --- Tennisportal TAKEOFF-PRESS -- Presse Dienst Süd -- Journal / Euro
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