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US Open 2022 - New York


Impressionen vom Tennisspektakel in New York


Die US Open sind nicht wie Wimbledon in London, nicht wie Roland Garros in Paris, auch nicht wie die Aussie Open in Melbourne - das Grand-Slam-Turnier in New York ist gigantischer, turbulenter und schriller. Sie sind ein Spiegelbild New Yorks, einer Metropole der Superlative im Guten wie im Schlechten - eben bizarr, verrückt und extrem.

Die US Open - ein einmaliges Grand-Slam-Turnier

Nirgendwo sonst gibt es ein Tennisstadion, mit einem beweglichen Dach so groß wie ein Fußballfeld, in das 29.837 Zuschauer passen, und nirgendwo sonst kommen so viele Tennisfans wie in das Billie Jean King National Tennis Center in Flushing Meadows: oft mehr als 70.000 an einem Turniertag und in den zwei Wochen mehr als 700.000 aus der ganzen Welt - So was: Sechzig Millionen US Dollar bekamen die Spieler*innen, ein Rekordpreisgeld bei den Grand Slams. Nicht genug, denn viele Profis hätten gern noch mehr von den astronomischen Einnahmen der Veranstalter. - Oder, für eine Dose Bier musste man an den Imbissbuden auf der Anlage in Flushing Meadow unverschämte sechzehn Dollar blechen. - Macht nichts. Es war eine schwüle Hitze in der ersten Woche. Die Tennisfans schwitzten und soffen und scherten sich einen Dreck um horrende Preise auch der Tickets. Sie strömten herbei, um Spaß zu haben und waren auf den Center Courts im Arthur Ashe und Louis Armstrong Stadium oft nur schwer zu bremsen. Das „please, please" der Schiedsrichter*innen an die lärmenden Zuschauer ging immer wieder fast unter. Einmalig eben auch, die US Open mit dem lautesten Publikum der Welt

Die letzte Serena Show….

Kurz vor den US Open hatte Serena Williams ihren Rücktritt angekündigt. Der Rummel um den amerikanischen Superstar im Billie Jean King National Tennis Center in Flushing Meadows war dann auch in der ersten Woche grenzenlos. Es gab auch für den Abschied keinen besseren Ort, denn da hatte die Siebzehnjährige, in ihrer jungen Karriere 1999, den ersten von sechs US Open-Titeln geholt. Serena Williams letzten drei Auftritte an emotionalen Abenden im Arthur Ashe Stadion waren geradezu magisch. Und nicht nur im brodelnden Dampfkessel des Stadions mit fast 24.000 begeisterten Tennisfans, so viele wie nie zuvor bei einer Night Session, sondern auch draußen auf der Anlage, wo weitere 6.000 auf dem Boden sitzend vor riesigen Videoleinwänden die letzte Serena Show miterleben konnten. Nach der ersten Runde gegen Danka Kovinic (WTA 80), rang die Amerikanerin, im schwarzen Glitzerkleid und mit Swarovski-Steinen in den Haaren, im tosenden Stadion auch die Weltranglisten-Zweite Anett Kontaveit nieder, bevor sie sich unter brausendem Applaus nach über drei Stunden gegen Ajla Tomljanovic verabschiedete. Die Tennis-Queen, eine Inspiration für Millionen und ein Vorbild für dunkelhäutige Tennisstars wie Sloane Stephens, Coco Gauff oder Naomi Osaka, verdrückte bei der Danksagung an ihre Familie, speziell an ihre Schwester Venus, als Tina Turners Evergreen „Simply The Best" gespielt wurde, ein paar Tränen. Es seien „Freudentränen", sagte sie, „Ich fühle, dass ich Tennis wirklich etwas gegeben habe. Der andere Look, die Siegerfaust, die verrückte Intensität."

Die Nacht zum Tag gemacht…


Man muss es erleben. Es ist unbeschreiblich, was in den Night Sessions abgeht, wenn die Nacht zum Tag gemacht wird, wie im Viertelfinalmatch zwischen Carlos Alcaraz und Jannik Sinner. Die Beiden kämpften verbissen bis zehn Minuten vor 3:00 Uhr in die frühen Morgenstunden. Es war der Wahnsinn! Erst nach fünf Stunden und fünfzehn Minuten hatte der 19-jährige Spanier den 21-jährigen Italiener im fünften Satz niedergerungen. Es war das zweitlängste Match bei den US Open nach 1992, als Stefan Edberg gegen Michael Chang elf Minuten länger gespielt haben. 

Kasi und Jule ein perfektes Duo…

Wer hätte gedacht, dass Jule Niemeier bei ihrem Debüt am Big Apple ins Achtelfinale kommen würde und nur von der Titelverteidigerin und Weltranglisten-Ersten Iga Swiatek nach gewonnenem ersten Satz in drei gestoppt werden kann. Die großgewachsene, kräftige 23-Jährige (WTA 108) ist gerade noch so ins Hauptfeld gerutscht, dabei sei sie davon ausgegangen, „dass ich hier Quali spielen muss."  Niemeier fertigte auf dem drittgrößten Platz gleich einmal Sofia Kenin, die Australian-Open-Siegerin 2020, ab, dann die Kasachin Yulia Putintseva (WTA 38), dann die Chinesin Qinwen Zheng und durfte gegen die Polin Swiatek im probevollen, größten Tennisstadion der Welt spielen. „Kein Problem, ich mag die großen Plätze, das habe ich in Wimbledon gemerkt", sagte die Wimbledon-Viertelfinalistin Niemeier, die mit Christopher Kas, mit Spitzname Kasi, gut zusammen funktioniert. Mit Blickkontakten, Zeichen wie nicken, Daumen hoch oder Faust und kurzen Tipps bei den Matchs. Hier einige Anfeuerungsrufe von Kasi, als Jule gegen Putintseva spielte: „richtig, wieder so - bravo super - come on - here we go - gut so Jule - wenn du die Chance hast, drauf - auf geht's - Zeit lassen - in Ruhe weiter - richtig gut so - so geht's…."  Darauf angesprochen meinte Kasi: „Meine Taktik ist, Jule positiv zu motivieren, das ist es."  Und was sagt Jule über Kasi: „Er hilft mir perfekt bei den großen Turnieren Erfahrung zu sammeln und mich taktisch und spielerisch zu verbessern."

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