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Swiss Indoors Basel 2023


Erfolgsgeschichte mit den jungen Wilden


Zu den bemerkenswerten Vorkommnissen der Swiss Indoors 2023 in Basel zählte, dass da nach Jahren plötzlich wieder Boris Becker, der das Schweizer Hallenturnier gegen den Tschechen Petr Korda 1992 gewonnen hatte, auftauchte - natürlich nicht mehr als Spieler, dafür diesmal als Coach von Holger Rune. Der zwanzigjährige Däne, die aktuelle Nummer 6 der Welt, hatte kurz vor dem drittgrößten Hallenturnier der Welt, aus heiterem Himmel, die Tennislegende Boris Becker als Trainer verpflichtet, der aus seinem riesigen Talent mehr herausholen soll, wie Boris Becker in drei erfolgreichen Jahren mit Novak Djokovic, den er zu 6 Grand-Slam-Titeln und 25 Turniersiegen führen konnte. 

Die Erwartungen waren für die Beiden wahrlich hoch und eine erfolgreiche Zusammenarbeit gleich zu Beginn alles andere als einfach, da Holger Rune in der Woche vor dem Basler Turnier in Stockholm ausgerechnet gegen seinen Auftaktgegner Miomir Kecmanovic verloren hatte und auch nach der überraschenden Absage von Carlos Alcaraz Top-Spieler wie der Norweger Casper Ruud, der US-Amerikaner Taylor Fritz, der Pole Hubert Hurkacz oder der kanadische Titelverteidiger 2022 Félix Auger-Aliassime in Basel aufschlugen.

Auch die zwei einzigen deutschen Spieler im Einzel-Hauptfeld hatten es gleich schwer. Der 31-jährige Yannick Hanfmann wurde nach mehr als zwei Stunden von dem dreimaligen Grand-Slam-Sieger Andy Murray niedergerungen. Jan-Lennard Struff gewann ein hart umkämpftes Match gegen den US-Amerikaner Christopher Eubanks. Im Achtelfinale war der 33-jährige Deutsche gegen den an vier gesetzten, furios spielenden Hubert Hurkacz aber chancenlos.

Der Engländer Andy Murray, mit 36 Jahren der zweitälteste Tennis-Profi im Feld, blieb in der zweiten Runde an dem 12 Jahre jüngeren Argentinier Tomas Martin Etcheverry hängen. Für den 38-jährigen Schweizer Stan Wawrinka, der mit 18 Jahren zum ersten Mal bei den Swiss Indoors dabei war und bei seinen 14 Teilnahmen nur 15 Matches bisher gewinnen konnte, war auch diesmal gleich gegen den 22-jährigen Qualifikanten Alexander Shevchenko Schluss. Eine ganz bittere Niederlage für „Stan", nach seinem Erfolgserlebnis gegen Casper Ruud in der ersten Runde 2022 im Beisein seiner jubelnden 12-jährigen Tochter Alexia.

Apropos: Alter schlägt Jugend. Was jahrelang so war, hat sich geändert. Sechs der in Basel gesetzten acht Spieler waren 20 bis 25 Jahre alt. Fünf Ungesetzte schafften es ins Viertelfinale: Dominic Stricker (21Jahre), Alexander Shevchenko (22Jahre), Auger-Aliassime (23Jahre), Tomas Etcheverry (24Jahre), Ugo Humbert (25Jahre) und der an eins gesetzte, jüngste Teilnehmer Holger Rune (20Jahre). Die hoffnungsvolle junge Garde war weitgehend unter sich und konnte unbeschwert aufspielen, da die verbliebenen Älteren, der 27-jährige Niederländer Tallon Griekspoor gegen den Polen Hubert Hurkacz gegeneinander um den Einzug ins Halbfinale spielen mussten.

Ach ja - überraschend früh erwischte es Casper Ruud (ATP 8) gegen den Schweizer Jungstar Dominic Stricker (ATP 90), der nur mit einer Wild Card ins Turnier gerutscht war, wie auch Taylor Fritz (ATP 9) gegen den Qualifikanten Alexander Shevchenko (ATP 84) - ärgerlich, da die Beiden Punkte für die ATP-Finals in Turin gebraucht hätten.

Das Krasse im Sport ist, man will Sieger - besonders gerade auch Boris Becker mit seinem neuen Schützling Rune. Im ersten gemeinsamen Match gegen den Serben Kecmanovic sah es nach einem Debakel aus, weil der erste Satz glatt wegging und Rune im zweiten mit Break zurücklag. Doch Rune hielt, von Becker bei jedem gewonnenen Punkt angefeuert, verbissen dagegen und überstand die erste Runde. Auch gegen den starken Argentinier Sebastian Baez musste Rune, mit Becker als Ratgeber in der Box, alles geben, um den ersten Satz im Tiebreak und das Match zu gewinnen. Glücklich überstand Rune, von Mentor Becker aufgepeitscht, den Sprung ins Halbfinale, als im entscheidenden Tiebreak bei 6:6 nicht Etcheverry die 2 Punkte zum Sieg sondern Rune mit jubelndem Boris Becker gemacht hat. 

Gegen den Titelverteidiger Félix Auger-Aliassime verpasste Rune, der im vergangenen Jahr im Endspiel gegen den Kanadier verloren hatte, diesmal das Finale, in dem Auger-Aliassime, der mit einer Wild Card wegen zu später Meldung dabei war, erneut den Titel und damit seinen fünften Turniersieg gegen den Polen Hubert Hurkacz holte.

                                                                                     
                                                      Eberhard Pino Mueller

publiziert:  30-10-2023  -  Internet-Tennisbibliothek  TAKEOFF-PRESS.TENNIS
                                                       
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