3.140 Bälle von Tennisspielern aus 58 Ländern verballert…
Über die Einzigartigkeit der Gerry Weber Open, seit 2022 die Terra Wortmann Open, ist schon viel geschrieben worden. Mit Stolz blickt der Turnierdirektor Ralf Weber auf das, was aus den ursprünglichen ATP-Challenger Turnieren 1991 und 1992 mit 50.000 DM Preisgeld auf den Ascheplätzen des TC Blau Weiß Halle geworden ist, zurück. Das Turnier, wegen der Grasplätze auch „deutsches Wimbledon" genannt, zieht die weltbesten Tennisspieler an, weil der großartige ATP 500er-Rasenklassiker mit mehr als 2,4 Millionen Euro Preisgeld und allem Drum und Dran eine „Wohlfühloase" ist, wie die Spieler sagen.
„In einer der wichtigsten Saisonwochen, zwischen den French Open und Wimbledon", sagt Ralf Weber, „ist Halle das dominierende Element und der bedeutendste deutsche Herrentennis-Wettbewerb." Im ostwestfälischen Halle wird den Besuchern neben dem weltweiten Tennisevent, auch schon immer, ein außergewöhnliches Rahmenprogramm mit Topkonzerten und Erlebnissen für die ganze Familie außerhalb des Centre Courts geboten. Natürlich gab es diesmal, während der Fußballeuropameisterschaft, auch eine riesige Leinwand, auf der die Tennisfans die Spiele der deutschen Mannschaft verfolgen konnten.
Von den vier Top-Ten-Spielern im Hauptfeld 2024 ist besonders Jannik Sinner ein besonderer „Glücksfall" für Ralf Weber. Der 22-jährige Südtiroler spielt in der OWL Arena von Halle sein erstes Turnier als Nummer eins der aktuellen Weltrangliste und als erster italienischer Weltranglistenerster der ATP-Tour-Tennisgeschichte. Jannik Sinner erinnert sich noch immer dankbar daran, dass er vor fünf Jahren als Teenager hier eine Wildcard für den Qualifikationswettbewerb bekommen hat, weil man sein Tennistalent gleich erkannt und an ihn geglaubt hat.
Für das hochkarätige Turnier waren im Einzelhauptfeld die deutschen Spieler Alexander Zverev (ATP 4), Jan-Lennard Struff (ATP 41) und über die Qualifikation Oscar Otte (ATP 474) direkt qualifiziert, da Dominik Koepfer und Henri Squire nur mit Wildcards ins Feld gerutscht waren. Der Duisburger Squire, die Nummer 181 der Welt, hielt gegen den Griechen Stefanos Tsitsipas, die Nummer sechs, mit seinem starken Aufschlag verbissen dagegen, hatte sogar einen Satzball, doch am Ende hat Tsitsipas das Match nach zwei Tiebreak-Sätzen glücklich gewonnen. Dominik Koepfer (ATP 70) gewann mit Satzführung gegen Felix Auger-Aliassime, nach Aufgabe des Kanadiers, die erste Runde, musste sich aber im Achtelfinale gegen den jungen, starken Franzosen Arthur Fils (ATP 37) geschlagen geben.
Der Furtwanger Koepfer war immerhin in guter Gesellschaft, da es von den Gesetzten im Achtelfinale auch Daniil Medvedev (Nr. 3) gegen den Chinesen Zhang, Tsitsipas (Nr. 6) gegen den Lokalmatador Struff, Titelverteidiger Bublik (Nr. 7) gegen den Amerikaner Eubanks und gleich in der ersten Runde den Russen Andrey Rublev (Nr. 4) gegen Marcos Giron (USA) erwischt hatte.
Besser machte es Jan-Lennard Struff, der sich ins Viertelfinale gekämpft hat. Für den 34-Jährigen ist das Turnier in Halle wie ein Heimspiel, da „Struffi" jahrelang in der Bundesligamannschaft für den Club gespielt hat und im nahegelegenen Warstein wohnt. Vor Familie, Freunden und 11.500 Zuschauern kam es in der OWL Arena gegen Jannik Sinner zu einer dramatischen Begegnung, als Struff den Weltranglistenersten im zweiten und dritten Satz in Tiebreaks gezwungen, im Match 16 von 18 Breakchancen des Italieners abgewehrt und nur ganz knapp das Halbfinale verpasst hat.
Der letzte im Einzel verbliebene Deutsche war Alexander „Sascha" Zverev, der endlich den 8,3 Kilo schweren, mit 24-Karat-Blattgold verzierten Siegerpokal bei „einem meiner absoluten Lieblingsturniere" hochhalten wollte, was ihm bisher bei seinen zwei Endspielen nie gelungen war. Nach erkämpften Drei-Satz-Siegen gegen Oscar Otte und den 20-jährigen Arthur Fils war im Halbfinale der Pole Hubert Hurkacz (ATP 9) Zverevs Gegner, der gewann und „Saschas" Titeltraum zerplatzen ließ.
Der Endspielgegner des Polen, wurde zwischen dem Italiener Sinner und dem Chinesen Zhizhen Zhang (ATP 42) ermittelt. Das Match von Chinas Spitzenspieler gegen die Nummer eins der Welt, das Sinner erwartungsgemäß gewonnen hat, verfolgten allein in China sechs Millionen Zuschauer. Mit einem hochklassigen, packenden Finale gingen die Terra Wortmann Open zu Ende. Jannik Sinner konnte, nach Abwehr eines Satzballes und zwei gewonnenen Tiebreak-Sätzen zum Titelgewinn jubeln und sich freuen, dass er zusammen mit früheren Siegern u. a. Michael Stich (1994), Kafelnikov (1998), Lleyton Hewitt (2010), Federer (9 Mal) und den deutschen Champions Kiefer, Prinosil, Haas, Kohlschreiber, Florian Mayer seitlich auf der Roger-Federer-Allee, dem Zugang zum Stadion, mit einem Stern auf dem „Walk of Fame" verewigt wird.
Es hat auch, diesmal wieder nicht, mit einem Titel für ein rein deutsches Doppel in Halle geklappt, wie 1997 mit Karsten Brasch/Michael Stich und 2009 das letzte Mal mit Christopher Kas/Philipp Kohlschreiber. Die an zwei gesetzten Kevin Krawietz/Tim Puetz gegen die in der ATP-Doppel-Jahreswertung führenden Italiener Bolelli/Vavassori verpassten den Titel in einem Tiebreak-Krimi.
Eberhard Pino Mueller
publiziert Juni 2024 - Internationale Sportpresseagentur - TAKEOFF-PRESS.TENNIS Tennisportal - Internet-Tennisbibliothek
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