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Swiss Indoors 2024 / Basel


Turnierdirektor Roger Brennwald: „Die Next Generation hat mich voll überzeugt."


Fürwahr: Die Swiss Indoors in der Basler St. Jakobshalle waren wieder einmal spannend bis ins Endspiel. Es war faszinierend, wie aufstrebende, junge Talente das Feld gegen etablierte, ältere Topspieler durcheinander gemischt haben. Eine Topten-Platzierung war keine Garantie auf einen Turniersieg, noch nicht einmal, als die Topspieler Novak Djokovic, Carlos Alcaraz und Yannik Sinner bei den Swiss Indoors gefehlt haben, weil sie offensichtlich in der Woche zuvor lieber in Saudi-Arabien bei einem Showevent Millionen einsacken wollten.

Tennis ist inzwischen kein Spaziergang mehr, auch wenn der Gegner, vom Ranking her, weit dahinter steht. Von den gesetzten Spielern, Andrey Rublev (1), Casper Ruud (2), Stefanos Tsitsipas (3), Ugo Humbert (5), Felix Auger-Allassime (8) kam nicht einer über die zweite Runde hinweg.

Den Norweger Casper Ruud (ATP 8), an zwei gesetzt, hat es gegen den Spanier Bautista Agut (ATP 45) sogar gleich in der ersten Runde erwischt. Ein spektakuläres Auftaktmatch gelang dem 39-jährigen Schweizer Lokalmatador Stan Wawrinka (ATP 169), der in einem Drei-Satz-Krimi den Franzosen Adrian Mannarino (ATP 36), gegen den er seine drei vorherigen Matches immer verloren hatte, niederrang. Der Publikumsliebling riss die begeisterten Zuschauer derart mit, dass die Basler St. Jakobshalle geradezu bebte. „Diesen Sieg", bedankte sich Wawrinka noch auf dem Platz beim Publikum, „habe ich nur euch zu verdanken." Gegen den 17 Jahre jüngeren Ben Shelton, dem eine große Zukunft im Tennis vorhergesagt wird, schied Wawrinka nach einem tollen Kampf danach im Viertelfinale aus.

Turnierdirektor Roger Brennwald hatte mit Bedacht die zehn Spieler, denen er eine Antrittsgage bezahlt hat, unter Vertrag genommen. Er setzte dabei vor allem auf junge, interessante Talente, um sie an die Swiss Indoors zu locken - auf Tennisspieler der Zukunft, wie den 20-jährigen Franzosen Arthur Fils, der 2023 sein erstes ATP-250-Turnier in Lyon und 2024 die ATP 500er Turniere in Hamburg (gegen Alexander Zverev) und Tokio mit Siegen gegen vier Top-20-Spieler gewonnen hat.

Wer hätte gedacht, dass dadurch ausschließlich Spieler unter 22 Jahren im Basler Halbfinale um Plätze für das Endspiel kämpfen würden? Die jüngere Generation dominierte in Basel eindrücklich. Im Halbfinale war auch Arthur Fils (ATP 20) dabei, der gegen den 22-jährigen US Amerikaner Ben Shelton (ATP 23) kam, gegen den er in Tokio im Finale gewonnen hatte. Doch diesmal rang der Aufschlag starke Shelton, weil er fünf Satzbälle abwehren konnte, den an sieben gesetzten Franzosen in zwei Sätzen nieder.

Im anderen Halbfinalmatch stand der 21-jährige Däne Holger Rune (ATP 14) und der gleichaltrige französische Überraschungsmann Giovanni Mpetshi Perricard (ATP 50), der am Anfang des Jahres nur als 205er auf der Weltrangliste geführt wurde. Gegen die Poweraufschläge und das aggressive Spiel des 2,03-Meter-Riesen aus Frankreich hielt Rune in einem packenden Match verbissen dagegen, verpasste aber knapp den Einzug ins Finale.

Die Swiss Indoors hatten dadurch ein historisches Finale, denn die französische Tennisnation wartete wie die Amerikaner seit vielen Jahren, endlich einmal wieder, auf einen Swiss Open-Champion. Der Franzose Yannik Noah 1987 und der Amerikaner Pete Sampras 1996 waren die letzten ihrer Länder, die in der Basler St. Jakobshalle den Siegerpokal hochhalten konnten. Nachdem die beiden Finalisten im gesamten Turnier noch kein Aufschlagspiel verloren hatten, war ein spannendes Duell der beiden vorprogrammiert. Mpetshi Pericard ließ dann auch nicht ein einziges Break zu und gewann das Finale gegen Ben Shelton mit einem einzigen Break. Der bisher eigentlich wenig bekannte Sieger beeindruckte die 8.100 Tennisfans in der ausverkauften St. Jakobshalle aber nicht nur mit seinen krachenden Aufschlägen, den Matchball prügelte er mit 238 Km/h als Ass übers Netz, sondern auch mit powervollem Angriffstennis und cooler mentaler Stärke.

„Die Next Generation", sagte Turnierdirektor der Swiss Indoors als Fazit zufrieden, „hat mich voll überzeugt." Mit Fils (20 Jahre), Tabilo (21) Sieger gegen Marin Cilic, Rune (21), Perricard (21), Shelton (22) schlugen bei seinem Turnier junge Stars von morgen auf, die nach seiner Meinung für einen Umbruch an der Spitze in den nächsten Jahren sorgen werden.
                                                                                                                    Eberhard Pino Mueller


publiziert Oktober 2024  --  Internationale Sportpresseagentur :  Tennisportal TAKEOFF-PRESS.TENNIS 

                                             Internet-Tennisbibliothek - www.takeoff-press.tennis -- Presse-Dienst-Süd

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