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Über Doping im Tennis

Alles, nur keinen Doping-Skandal



Wir sehen oft was und wissen doch nichts - Florence Griffith-Joyner etwa, mit dem Kreuz eines Möbelpackers, den Oberschenkeln eines Gewichthebers, mit tiefer Stimme und männlichem Bartwuchs lief Fabelweltrekorde im Sprint für ein ganzes Jahrhundert. Klarer Fall von Doping! Von wegen: Sie überstand -- Trainingskontrollen gab es damals nicht -- unbeschadet jeden Dopingtest.

Klar doch, man denkt oft an Doping. Auf Verdacht, weil ein Jan Ullrich alle, auch gedopte Kollegen bei der mörderischen
Tour in Frankreich 1997 locker abgehängt oder Frauen eines sehr erfolgreichen Skiteams übermäßig Pickel bekommen hatten, weil italienischen Fußballstars unnatürlich rasch Muskeln wuchsen und Schwimmerinnen mit typisch männlichen Merkmalen herumlaufen, kann niemand sagen, da gehe was nicht mit rechten Dingen zu. Beweise müssen her, etwa positive Urinproben oder den „Stoff" im Gepäck eines Sportlers, denn wer was Verbotenes schluckt oder spritzt und dabei nicht erwischt wird, gilt halt eben als „sauber".

Überraschend 1998, ein Dopingfall im Tennis. Der Tscheche Petr Korda wurde in Wimbledon erwischt. Überraschend, denn Tennis ist noch immer für viele, vor allem Tennis-Funktionäre, der „weiße" Sport. „Optimales Tennis erlaubt kein Doping", sagte der verstorbene Mannschaftsarzt der deutschen Tennisasse Prof. Joseph Keul der
Deutschen Tennis Zeitung, bevor es die ersten Dopingkontrollen im Tennis gab. Und schön blauäugig wird bis heute oft noch immer behauptet,  Doping bringe im Tennis nichts.

Nach dem, was bei den unzähligen Dopingtests im Tennis bisher herauskam, könnte man sogar meinen, es sei alles in Butter. So hält Mark Miles, der Direktor der ATP Tour, das Tennis-Anti-Dopingprogramm für eines der besten im Profi- und Amateursport und Debbie Jevens, die Vertreterin der Spielerinnenorganisation ( WTA ) im Internationalen Olympischen Komitee ( IOC ) und in medizinischen Gremien, schwärmt förmlich für das Anti-Dopingprgramm: „Wir sind glücklich damit und mit allem zufrieden, denn es ist gut, fair und ehrlich. Es gibt keine Aspekte, etwas zu ändern."

Auch Brian Tobin, der Ex-Präsident des Tennis-Weltverbandes ( ITF ) lässt nichts auf das mit der ATP und WTA Tour weitgehend gemeinsam durchgeführte Anti-Dopingprogramm kommen. Kritik von Primo Nebiolo, dem Präsidenten des Leichtathletik-Weltverbandes schmetterte er sofort ab: „Wir sind stolz darauf, dass unser umfangreiches Anti-Dopingprogramm in nur ganz seltenen Fällen positiv ausfiel, worum uns viele olympische Sportarten beneiden."

Über solches Eigenlob kann Ronald Leitgeb, der frühere Manager und Coach von Thomas Muster, nur lachen. „Wir














haben im Tennis ein Anti-Dopingprogramm, das laienhaft umgesetzt wird," bemängelt Leitgeb, so habe die ATP Tour anfangs anstelle eines Mediziners einen für diesen Job unqualifizierten Doktor der Geschichte eingestellt. Wegen dieser Panne hatte die ATP Tour ein Problem. Horst Skoff, der lebenslang gesperrt worden war, weil er 1997 in Ostende angeblich bei einer Dopingkontrolle gekniffen hat, hatte die ATP auf 30 Millionen Dollar Schadenersatz verklagt. Ein Witz, so Leitgeb, sei auch, dass die Dopingkontroll- und Bestrafungsorgane im Tennis von den eigenen Organisationen eingesetzt und bezahlt würden. Das ist, als würden Polizisten ihre eigenen Leute überführen und bestrafen. Da habe man doch den  Bock zum Gärtner gemacht.

Auch Stephan Wechselberger, ein Tennismanager, der sich in der Szene auskennt, sieht das so: „Ich habe 15 Tennisprofis unter Vertrag. Also wirklich, mit einem ernsthaften Kontrollsystem hat das nichts zu tun! Und überhaupt, man will doch nicht das eigene Nest beschmutzen." -- „Viel zu lasch, was da läuft", meint auch Bud Collins, Amerikas bekanntester Tennisjournalist, „denn ohne wirklich überraschende Kontrollen und Bluttests kommt nicht viel heraus, und so weiß keiner, ob im Tennis gedopt wird oder nicht."

In der Tat, das Tennis-Anti-Dopingprogramm hat verschiedene Schwachpunkte. Zwar werden jährlich mehr als 1.000 Urinproben gesammelt und in offiziellen Anti-Dopinglabors des IOCs untersucht, doch kreuzen die Dopingfahnder nur mal eben bei zehn bis 20 Turnieren auf, während es weltweit Hunderte von Turnieren für Männer und Frauen im Profitennis gibt. „Wer sagt, im Tennis werde nicht gedopt, weil kaum mal einer geschnappt wird", sagt Dennis van der Meer, ein Tennis-Insider, Buchautor und Coach, „macht sich was vor; denn überall wird gedopt, und die, die verbotene Mittelchen nehmen, sind clever und wissen, wie man es machen muss, ohne dabei erwischt zu werden."

Recht dumm, muss sich einer schon anstellen, damit man ihn im Tennis erwischt. Zum einen, wissen die Spieler(innen) bei einigen Turnieren, zum Beispiel den Grand Slams, dass sie mit Kontrollen rechnen müssen, zum andern ist spätestens nach den ersten Tests in der ersten Runde allen klar, dass man hier zum Pinkeln antreten, sich also vorsehen muss. Ja und Kontrollen im Training für die 2.000 Profis stehen auch nur ganz selten auf dem Programm und Bluttests gibt es überhaupt nicht. „Wer will und weiß, wie und was er machen muss," sagt deshalb Danie Visser, die ehemalige Nummer eins im Doppel, „kann sich auch im Tennis aufputschen, ohne geschnappt zu werden."

So gesehen passierten die im Tennis bisher bekannt gewordenen Dopingfälle aus Dummheit oder waren Pannen. Deshalb konnten auch nur….

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