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Insiders, sollte man, auch wenn Schreiber keine Fakten, Namen und Beweise anführt, nicht ignorieren. Der Mann redet nicht nur so daher und weiß und sieht, was läuft. Etwa Sportlerinnen, denen Bärte wachsen, weil sie sich Hormone reinknallen. Oder Sprinter, die plötzlich Zahnspangen tragen müssen, weil ihnen mit Wachstumshormonen nicht nur die Muskeln, sondern auch Kiefer und Füße wuchsen. Als Mediziner kann Schreiber auch in etwa beurteilen, was biologisch möglich und was als sportlich „unmenschlich" einzustufen ist.
Wie weit es, im Übrigen, schon gekommen ist, zeigte eine Razzia der Polizei in Italien, als in einer nächtlichen Aktion 140 Personen, darunter Radprofis, Leichtathleten, Ärzte, Apotheker und Krankenschwestern auf Dopingmittel überprüft wurden. Die Bilanz: 30 Flachen Wachstumshormone, 22 Epo-Spritzen, 80 Packungen mit DHEA Hormon, einige hundert Ampullen mit Anabolika und Nesp, sowie Transfusionsbestecke für Blut.
Bedenklich auch, wie der Schlag gegen die Drogenküche Balco, in der aus Bullenmastmitteln die Dopingsubstanz THG zusammen gebraut wurde, abgewürgt werden soll. Der Kongress-Abgeordnete Conyers will erreichen, dass die von der Steuerfahndung beschlagnahmten Balco-Akten mit belastendem Material von Topathleten, darunter Marion Jones, 100-m-Weltrekordler Montgomery, 200-m-Halllen-Weltrekordlerin Michelle Collins und diverse Staffel-Olympiasieger und Weltmeister, nicht publik gemacht und auch nicht von den Anti-Dopingagenturen ausgeschlachtet werden.
Offensichtlich kommt die Anti-Dopingweltagentur Wada, auch mit Hilfe nationaler Anti-Dopingagenturen, nicht richtig weiter. Und nicht nur, weil es noch an der Harmonisierung der Anti-Dopinggesetze durch die Sportverbände und Länder hapert, sondern weil die Kontrollen unzulänglich, die Schlupflöcher zu groß und Polizei und Justiz nicht eingebunden sind und die Bestrafung nicht konsequent und die Abschreckung zu schwach ist. Es geht auch nicht nur um Fairness und Chancengleichheit, sondern mehr noch um den Schutz der Gesundheit der Athleten. So stellten Sportärzte in Amerika bei 30 Hormon-gedopten Sportlern Leberkrebs und Mediziner am Prager Institut für Sportmedizin bei 780 toten Athleten 218 bösartige Tumore als Dopingfolgen fest.
Während IOC-Präsident Rogge noch träumt, „dass wir irgendwann keine positiven Dopingfälle mehr haben", hat der Kölner Dopingexperte Wilhelm Schänzer nur noch wenig Hoffnung: „Ich gehe davon aus, dass man diesen Kampf nicht gewinnen kann."
Dr. rer. nat. Eberhard Pino Mueller **
** Der Autor hat Pharmazie und Lebensmittelchemie studiert, in Chemie mit Nebenfach Pharmakologie promoviert und ist unter anderem auf Dopingthemen spezialisiert.
publiziert: Januar 2005 „sportjournalist" Sportpresseagentur TAKEOFF-PRESS Presse-Dienst-Süd -- JOURNAL/EURO Kopien an IOC, NOK, WADA, NADA, Sportausschuss des Deutschen Bundestages
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