|
dass bei Dopingkontrollen nie etwas herauskam. Fakten, die zu denken geben. Vielleicht auch, was der französische Radprofi Jalabert einmal gesagt hat: „Wer die Tour gewinnt, ist zugleich der König der Doper."
Und warum tun sich Topathleten mit solchen suspekten Personen zusammen? Warum schaut denen keiner genau auf die Finger? Da ist doch oft etwas faul: …wie bei dem griechischen Trio Kenteris, Thanou und dem vorbestraften Medikamentenhändler Christos Tsekos, in dessen Firma bei einer Razzia nach den Spielen in Athen 1.400 Packungen verbotener Fitmacher sicher gestellt wurden …wie bei dem Doping-überführten Olympiasiegers Johann Mühlegg, der zusammen mit seinen spanischen Skilangläufern einschlägig bekannte Leute, darunter die Rad-Skandalärzte Nicilas Terradus und Sabino Padilla und einen entlassenen Masseur des Mapei-Radteams angeheuert hatte …wie bei dem gesperrten Weltrekordmann Tim Montgomery, der zeitweilig von Charlie Francis, dem Ex-Coach des gedopten Ben Johnson betreut wurde …wie bei den Sprinterinnen Kelli White und Marion Jones, deren Ex-Mann C.J. Hunter, sowie den Weltrekordler/innen Regina Jacobs, Dwain Chambers, Kevin Toth, Lindford Christie und Marlene Ottey, die Verbindungen mit Brian Goldmann hatten, dem Arzt der Balco-Drogenküche, wo die Designerdroge THG gebraut wurde.
Nicht ohne Grund hatte mir auch Prof. Braumann vom Olympiastützpunkt Hamburg geraten: „Verfolgen sie mal die Hämatokrit-Werte der Sportler, die gehen an der Realität weit vorbei. Es kann nicht sein, dass die Natur in kurzer Zeit derartige Abweichungen macht." Es geht hier um die Dicke des Blutes, wobei ein Hämatokrit-Wert um 40 beim Mensch normal ist. Bei Athleten liegt der Wert aber verdächtigerweise häufig bei 50, dem zugelassenen Limit der Dopingbestimmungen, was viel bringt. Denn mit einer übernatürlichen Zahl roter Blutkörperchen wird mehr Sauerstoff transportiert und die Leistungsfähigkeit um bis zu acht Prozent erhöht. Diese Werte steigen zwar an, wenn Sportler in großer Höhe längere Zeit trainieren. Auf die übernatürlichen Werte aber kommt man leicht mit Infusionen von Eigenblut, Epo und Epo-Derivaten.
Sportler werden, im Übrigen, auch noch dazu verleitet, sich an die hohen, zulässigen Werte heranzudopen, ohne dass man ihnen auf die Schliche kommt. Denn die Betrüger wissen, dass Epo aus dem Handel nur etwa vier Tage nachweisbar ist, die erhöhte Leistungsfähigkeit aber mindestens zwei Wochen anhält, und setzen, wenn sie nicht ganz dumm sind, Epo rechtzeitig vor Wettkämpfen mit Kontrollen ab.
Und wenn Dopingkontrolleure überraschend und ungelegen im Training aufkreuzten, machten sich viele schnell aus dem Staub. Wie Kenteris und Thanou seit Jahren. Wie Johann Mühlegg in Sun Valley vor den Winterspielen 2002, als plötzlich Prüfer der Wada anrückten. Und so wäre Mühlegg, da die Kontrolleure unverrichteter Dinge abziehen mussten, und seine Wettkampfkontrollen okay waren, beinahe ungeschoren davongekommen, wenn er nicht, durch eine gezielte Extra-Kontrolle, doch noch in eine Falle getappt wäre.
Was aber bringt ein Kontrollsystem zwischen den Wettkämpfen, bei dem den Dopingfahndern etwa zehn Prozent der Kandidaten, darunter natürlich auch die, die etwas zu verbergen hatten, praktisch ungestraft, durch die Lappen gingen? Dabei müssen die Sportler für Trainingskontrollen immer erreichbar sein. Auch in der Nacht, an Wochenenden und Feiertagen werden sie mit Kontrollen nicht belästigt. Ein großer Fehler. Denn diese Zeiten nutzen Oberschlaue, um sich Mittel, die schnell ausgeschieden werden, also vertuschbar sind, reinzuknallen.
|
|