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Offener Brief an Dr. Thomas Bach, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes ( DOSB).
Sehr geehrter Herr Bach,
Ihre Verdienste im Sport in Ehren, doch mit Ihrer Ablehnung der „Besitzstrafbarkeit für Athleten mit Dopingmitteln" liegen Sie falsch - schlimmer noch, Sie schaden dem sauberen Sport. Es gibt, auch wenn Sie das nicht wahr haben wollen, keine entscheidenden Konflikte zwischen Sport- und Strafgerichtsbarkeit.
Hören Sie endlich auf, die Dopingbekämpfung da abzuwürgen, wo Handlungsbedarf dringend gebraucht wird. Warum fordert Dick Pound, der Präsident der unabhängigen Welt-Anti-Doping-Agentur, ein gemeinsames Vorgehen von Staat und Sportverbänden? Ganz einfach, Zitat von Dick Pound: „Weil jede Seite einzigartige Mittel und Fähigkeiten hat, die in Kombination zu größeren Erfolgen führen."
Sie müssen doch auch zur Kenntnis nehmen, dass die Sportbetrüger in raffiniert angelegten Dopingnetzwerken - Balco, Fuentes, Hermens, Springstein & Co lassen grüßen - agieren, wo selbst staatliche Organe, mit ganz anderen Möglichkeiten als der Sport sie hat, sich schwer tun, dem Dopingsumpf beizukommen. Nehmen Sie Vernunft an. Jahrzehnte lang wurde Doping nicht oder nur lasch bekämpft und nicht selten sogar von Sportfunktionären vertuscht. Und jetzt, beim Versuch die Versäumnisse aufzuholen, wehren Sie sich gegen Hilfen des Staates und wollen mit allen Mitteln eine Besitzstrafbarkeit verhindern. Ist Ihnen eigentlich nicht klar, dass allein die Angst vor strafrechtlicher Verfolgung massiv abschreckend auf potentielle Betrüger wirken würde?
Und glauben Sie im Ernst, dass Sportler/innen, die mit Dopingmitteln erwischt werden, die Wahrheit sagen. Ob mit oder ohne Besitzstrafrecht wird doch weiter gelogen bis es nicht mehr geht. Sie können, doch so gesehen, Ihr Argument glatt vergessen, dass der Sportler nach Einführung der Besitzstrafbarkeit keine Verpflichtung mehr habe, wahrheitsgemäß auszusagen, weil er sich dann selbst belasten könnte.
Und machen Sie sich doch nichts vor. Sie wissen als Mann des Sports genau und müssen dafür nicht einmal wie Prof. Franke ein Dopingexperte sein, dass es unzählige, sympathische und großartige Sportler/innen gibt, die aber in Wirklichkeit miese, verkappte Dopingsünder sind. Es darf nicht sein, dass Sportler/innen mit Dopingmitteln unbekümmert, weil nicht strafrechtlich verfolgt, herumlaufen können, um ihr Unwesen zu treiben, und man diesen Betrügern nicht auf die Schliche kommt, weil Sie das mit Ihrer Politik verhindern.
Verständlich, dass Sie deutsche Sportler/innen auf den Siegerpodesten haben wollen. Also bitte, aber saubere mit Vorbildcharakter und nicht um jeden Preis. In diesem Sinne und mit freundlichen Grüßen
Dr. Eberhard Pino Mueller Chefredakteur TAKEOFF-PRESS
Kopien an: DOSB, NADA, VDS und die Mitglieder des Sportausschuss im Bundestag sowie die Senatoren für Inneres und Sport (Innenministerkonferenz)
P.S.: TAKEOFF-PRESS - hier stehen unter "Doping" weitere Beiträge zu diesem Thema, etwa „Doping - wo sind Schwachstellen und was muss sich ändern"
Villingen - 01 - 12 - 2006 -
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