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Über Doping, Doping-Kontrollen und den Anti-Dopingkampf...  aus der Sicht von Tennis-Profis


Michael Kohlmann, Co-Trainer des Davis-Cup-Teams…

Das von der ITF und ATP organisierte Doping-Kontrollsystem ist über die Jahre ziemlich gut gewachsen. Sie investieren dabei auch viel Geld. Im internen Vergleich mit anderen Ländern, glaube ich, sind die Athleten in Deutschland eher sauber. Doch es ist halt so, die Betrüger sind den Kontrolleuren immer einen Schritt voraus. Ich bin ein gutgläubiger Mensch und hab' eher das Gefühl, dass die Athleten sauber sind. Alles andere ist mir fremd und ist doch einfach traurig. In meiner aktiven Zeit wurde ich so acht Mal bei Turnieren getestet. Regelmäßig auch zu Hause. Meistens früh morgens zwischen 7 und 8 Uhr, weil ich da anzutreffen war.


Robert Orlik, Trainer von Annika Beck…

Annika wurde schon oft getestet. Es waren Blut- wie auch Urin-Kontrollen. Hier im USTA National Tennis Center in Flushing Meadows kamen sie zum Training und haben Annika zur Blutentnahme direkt mitgenommen. Bluttest sind abschreckend, da die Möglichkeit für eine Rückverfolgung der eingelagerten Proben besteht. Doping ist eine Systemfrage. Es ist schwer mit dem praktizierten Anti-Dopingkampf gegen raffinierte Doper anzukommen. Tennis ist kein klassischer Dopingsport. Beim Radsport ist das anders. Im Tennis kann man auch mit Technik und dem Material viel machen. Doping ist bei weiblichen Tennisprofis ohnehin weniger wahrscheinlich, da die Belastung bei weitem nicht so groß wie bei den männlichen Tennisprofis ist. Ich glaube, Tennis ist schon sauber. Die Spieler sind doch für ihre Gesundheit verantwortlich und fragen sich, mach' ich so was.  Wir sind ja auch im Jahr zu achtzig Prozent bei Turnieren unterwegs, wo man immer kontrolliert werden kann. Bei dem jamaikanischen Sprinter Usain Bolt verstehe ich die Problematik, schon aus Erfahrung. Dennoch würde ich sagen, er ist ein echtes Sport-Jahrhunderttalent wie Steffi Graf oder Michael Jordan.
 


Philipp Kohlschreiber…

Ich wurde so zehn bis zwölf Mal auf Turnieren und zu Hause in der Schweiz in diesem Jahr kontrolliert. Ich glaube, im deutschsprachigen Raum werden ordentliche Kontrollen gemacht. Die sind okay. Dass bei den unzähligen Kontrollen bei Tennisturnieren kaum mal einer erwischt wird, liegt nicht unbedingt daran, dass die Kontrollen nicht effektiv sind, sondern möglicherweise daran, dass im Tennis kaum gedopt wird. Die hohe Dunkelziffer neuer Studien, die bei dreißig Prozent liegen soll, hat mit Tennis nichts zu tun. Da könnte der Radsport doch schon 99 Prozent bringen (lacht). Man kann Tennis nicht wie andere Sportarten verdächtigen, auch wenn es schwarze Schafe überall gibt. Bevor ich Medikamente einnehme, lasse ich erst mal prüfen, ob die Mittel auch nicht auf der Dopingliste stehen.


Mona Barthel…

Ich hatte viele Kontrollen in diesem Jahr. Hier zwei Blutentnahmen in einer Woche vor den US Open. Doping ist ein wichtiges Thema, macht aber auch viel Arbeit. Man muss immer den Standort und eine Zeit angeben, wo man erreichbar ist. Man darf da auch keine Fehler machen. Ich kann nicht verstehen, dass Sportler so was machen können. Für den Sport ist wichtig, dass er sauber ist und Erfolge ehrlich erarbeitet werden. Mir geht auch völlig ab, die Gesundheit für so etwas zu riskieren. Im Tennis ist mit Doping auch nicht so viel zu machen. Es geht ja nicht so sehr um Kraft und Schnelligkeit. Nicht wie bei einem 100-Meterlauf, wo es auf den Punkt ankommt, über wenige Sekunden der Schnellste zu sein. Es gibt da Unterschiede zwischen den Sportarten. Doping ist für mich Betrug am Sport, an den Menschen, an den Sponsoren. Man müsste, da es ja um viel Geld geht, viel härtere Strafen einführen und alles dransetzen, dass man den Betrügern nicht dauernd hinterherhinkt. Über Usain Bolt will ich nicht spekulieren. Wenn er nicht sauber ist, wird er die Quittung irgendwann mal kriegen.


Daniel Brands…

Schwer zu sagen, ob man effektiv das Anti-Dopingprogramm im Tennis macht. Ich wurde bei Turnieren vier bis fünfmal getestet. Zu Hause nicht. Ich kann mir schon vorstellen, dass auch im Tennis ab und zu nachgeholfen wird. Es geht doch um viel, gerade heutzutage bei der ganzen Kohle. Es wird doch überall gedopt, warum nicht auch im Tennis, zumal es ja auch schwer ist, clevere Betrüger zu erwischen. Bei Usain Bolt hab' ich schon Zweifel. Der läuft doch selbst noch schneller als sein beim Doping erwischter jamaikanischer Kumpel. Doping ist für das Image einer Sportart schlecht. Wenn das gute Image weg ist, kann man es schwer, wie im Radsport, wieder herstellen.

                                   
aufgezeichnet von Dr. Eberhard Pino Müller bei den US Open 2013

publiziert:  Oktober 2013  ..Tennisbibliothek TAKEOFF-PRESS  --  Presse-Dienst-Süd  --  JOURNAL/EURO



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