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  Lance Armstrong - jenseits der Unschuld?


Die Glaubwürdigkeit von Lance Armstrong, und ob bei dem siebenfachen Toursieger immer alles mit rechten Dingen zugegangen war, wird schon seit langem bezweifelt. Denn es gibt viele Fakten, die Armstrong in einem schlechten Licht erscheinen lassen.

So wurde Armstrong von dem einschlägig bekannten Arzt „Dottore Epo" Michele Ferrari betreut, der den Radprofi Simeoni, wie dieser eidesstattlich vor Gericht erklärte, zwei Jahre lang so geschickt gedopt hatte, dass bei Dopingkontrollen nichts auffiel. Auch Armstrong hatte immer alle Dopingkontrollen unbeschadet überstanden - offiziell jedenfalls.

Der Amerikaner verlegte auch fluchtartig, als die französische Staatsanwaltschaft gegen sein Team ermittelte, seinen europäischen Wohnsitz von Nizza nach Spanien, wo Doping damals lasch bekämpft wurde.

Auch führte das US-Postal-Team von Armstrong Actovegin mit sich, ein in Amerika und Frankreich nicht zugelassenes Medikament, mit dem durch EPO-Missbrauch verdicktes Blut besser durch die Gefäße fließt. Die Sache flog auf, weil ein französisches Fernsehteam filmen konnte, wie das Actovegin in Müllsäcken von dem Team auf offenem Feld entsorgt wurde.

Armstrong distanzierte sich auch nicht von Tyler Hamilton, dem Olympiasieger im Zeitfahren, als sein früherer Teamhelfer gedopt war. Auch nicht von seinem „Wasserträger" Pavel Padrnos, der in die Dopingaffäre der Giro-Razzia 2001 in San Remo verwickelt ist. Auch ist der junge Radprofi David Millar, der regelmäßiges EPO-Doping gestanden hatte, ein guter Freund von Armstrong. Doch als Richard Pound, der Präsident der Welt-Anti-Dopingagentur, den Fahrern der Tour de France die Einnahme verbotener Substanzen vorwarf, verlangte Armstrong, selbstherrlich, den Rücktritt des Kanadiers.

Und warum hatte Armstrong, für den der Radsport doch so wichtig war, und der immer ein Medaillenanwärter gewesen wäre, bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen fast immer gekniffen? Hatte Armstrong etwa Angst vor den im Vergleich mit dem Radsport-Weltverband strenger gehandhabten Dopingbestimmungen?

Nicht genug. In dem Buch mit dem Titel: „L.A. confidential - die Geheimnisse des Lance Armstrong" wird Armstrong durch die Irländerin Emma O'Reilly, die von 1998 bis 2001 als Masseurin im Armstrong-Team gearbeitet hatte, des EPO-Doping bezichtigt. Alle Versuche der Anwälte Armstrongs übrigens, den Verkauf des Buches wegen Verleumdung zu stoppen, waren bisher erfolglos.

Doch noch andere Insider im Profi-Radsport belasten Armstrong direkt oder indirekt. „Wer die Tour gewinnt", meint der französische Radprofi Jalabert, „ist zugleich der König der Doper." Oder Mike Anderson, Armstrongs ehemaliger Betreuer, verriet vor Gericht, in Armstrongs Badezimmer ein verbotenes Medikament gefunden zu haben. Auch der dreimalige Toursieger Greg LeMond hat Zweifel und meint: „Jeder sagt, dass Armstrong nie positiv war, aber das war David Millar auch nicht, bis er Doping zugegeben hat." Und Antoine Vayer, der frühere Trainer der Festina-Mannschaft, behauptet: „Es gibt Fahrer, die Leistungen vollbracht haben, die jenseits des menschlich Möglichen liegen. Gemessen daran wirken nachweislich bis zum Stehkragen gedopte Fahrer wie Zülle, Virenque oder Moreau wie Juniorenfahrer."

Armstrong, ein bei allen Kontrollen „sauberer" Radfahrer muss kein ehrlicher Athlet sein. Das Ergebnis der Dopingkontrolle ist eine Sache, was sich vor der Kontrolle im Körper abgespielt

hatte, eine andere. Denn die durch Doping erzielbaren Vorteile im Wettkampf dauern länger an als die Nachweismöglichkeit der Substanzen, die dazu führen. Nach Aussage des Radprofis Phillippe Gaumont sind „neunzig Prozent der Fahrer nicht ehrlich, weil die Kontrollen bei raffiniertem Doping wirkungslos sind." Auch der dänische Dopingexperte Professor Saltin sieht das so. „Die Sportler und ihre Betreuer", sagt er, „haben die Dopingmethoden immer mehr kultiviert und Wege gefunden, um nicht erwischt zu werden."

Ein medizinisches Geheimnis für die Öffentlichkeit war immer, welche Medikamente durch das frühere Krebsleiden für Armstrong zur Einnahme freigegeben waren. Er durfte sich dadurch mit Medikamenten voll pumpen - ungestraft in seinem Fall - auch wenn die Mittel auf der Dopingliste standen.

Bei nachträglichen Kontrollen wurde 2005 das Blut-Dopingmittel EPO in eingelagerten Testfläschchen von Lance Armstrong bei sechs A-Proben aus dem Jahr 1999 gefunden - Blutmanipulationen mit EPO also schon bei Beginn der Karriere? Muss man sich da noch wundern über die unmenschlichen Leistungen von Lance Armstrong bei der Tour de France, wo er immer allen davongefahren war?


                                                             Eberhard Pino Mueller

publiziert:  August 2005   ....  TAKEOFF-PRESS                                                                                               


Anmerkungen: Wie es zum Sturz des „Superhelden" kam…..

Es liegt uns allen bislang nichts vor, das beweisen würde, dass Armstrong unschuldig ist. Auch hat Armstrong rein gar nichts zum Beweis seiner Unschuld beigetragen. Der sonst klagefreudige Armstrong hat auch bisher nichts gegen die französische Sportzeitung L'Equipe, die die stichhaltigen Dopingvorwürfe veröffentlicht hatte, unternommen und auch keine Schadenersatzansprüche geltend gemacht (Süddeutsche Zeitung Juli 2006).

Armstrong beschäftigte in seinem US-Postal-Team drei später positiv getestete Rennfahrer (die Amerikaner Tyler Hamilton und Floyd Landis sowie den Spanier Roberto Heras) und außerdem haben zwei weitere ehemalige Fahrer aus Armstrongs Team in der „New York Times" zugegeben, Dopingmittel genommen zu haben ( z.B. Frankie Andreu ).

Die taz (Sept. 2009) berichtete unter dem Titel „Purzelbaum der Werte", die Antidopingbeauftragte der UCI Anne Gripper habe gestanden, dass für den Blutpass der UCI nur Werte aus Trainingskontrollen verwendet werden. „Was im Wettkampf passiert", so  Anne Gripper, „können wir nicht überprüfen." Deshalb ist man gegen Lance Armstrong auch nicht eingeschritten. Dessen Blutwerte sollen nämlich bei der Tour de France 2009 Purzelbäume geschlagen haben. Zum Verständnis dazu Prof. Braumann: „Die erlaubten Hämatokrit-Grenzwerte (ein Blutwert) gehen an der Realität zu den Normwerten weit vorbei. Es kann nicht sein, dass die Natur in kurzer Zeit derartige Abweichungen macht."

Floyd Landis, der des Doping überführte Ex-Teamkollege von Lance Armstrong, spricht 2010 (u.a. in einem Beitrag im Wall Street Journal) „von systematischem Doping und einem perfekt organisierten Dopingsystem beim früheren US-Postal-Team von Armstrong."

Greg LeMond, dreimaliger Tour-de-France-Sieger (86,89,90), bezichtigt Armstrong der versuchten Bestechung. Angeblich soll Armstrong 300.000 geboten haben, damit behauptet wird, er, Greg LeMond, habe Epo genommen. Auch habe Armstrong dem Radsport-Weltverband UCI Spendengelder zukommen lassen, um mit ihm Doping-Deals zu arrangieren (Süddeutsche Zeitung Juli 2010).

Die renommierte, amerikanische Zeitschrift  Sports Illustrated  berichtete nach ausführlichen Recherchen über die angeblichen Machenschaften und Tricks von Lance Armstrong. Er soll nicht nur Dopingkontrolleure, sondern auch Grenzbeamte, als er Dopingmittel im Gepäck hatte, hinters Licht geführt haben.   
                       
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