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ernst zu nehmen, die Kontrollen nur lasch zu machen und überführte Athleten zu decken.
… dass die Labors und Forschungsinstitute zur Entwicklung richtungsweisender Analysemethoden viel mehr Geld benötigen. „Wir müssen viel mehr forschen", sagt auch IOK-Präsident Rogge. Aber wie, wenn das IOK mit Milliardeneinnahmen nur einen lächerlich geringen Betrag für den Kampf gegen Doping beisteuert?
… dass Waschküchen-Chemiker die Tester in den Dopinglabors aus Geldmangel austricksen; es oft Jahre dauert, bis neue Testverfahren in den Dopinglabors eingeführt werden; es nicht gelingt, bekannte Doping-Schlupflöcher zu schließen und hilfreiche, medizinische Kriterien (etwa Haaranalysen) nicht zur Überführung von Dopingsündern herangezogen werden.
… dass Unmengen Dopingmittel - ein Milliardengeschäft! - im Umlauf sind, weil die Wundermittel heiß gefragt sind. Ein Großteil der weltweiten Epo-Produktion wird nicht für Kranke benötigt, sondern verschwindet in dunklen Kanälen zu Dopingzwecken.
… dass es Chemikalien gibt, die die Übersäuerung der Muskeln verhindern und zusammen mit Epo zu unmenschlichen Leistungen führen, oder dass es möglich ist, die Muskelmasse durch Gen-Manipulation drastisch zu vergrößern, wie der Wissenschaftler Lee Sweeney bei Mäusen an der Universität Pennsylvania herausgefunden hat.
… dass viele Organisationen nicht wollen, dass unabhängige Gremien den Sport durchleuchten, weil sie offensichtlich Angst davor haben.
… dass der Sport die Dopingprobleme ohne den Staat nicht lösen wird. Das hat auch Jacques Rogge erkannt, der die Zusammenarbeit mit Regierungen für wichtig hält, um organisierte Betrugssysteme wie Balco in USA oder das Puerto Modell in Spanien zu entlarven.
… dass die kriminellen Doping-Praktiken in unserer globalisierten Welt riesengroß sind. So hat Interpol, weil dringend gehandelt werden muss, seine Infrastruktur in 186 Ländern für die Dopingbekämpfung angeboten.
… dass unzählige Sportler an den Folgen von Dopingmitteln gestorben sind und sterben werden. So stellte ein Sportarzt in Amerika bei dreißig Hormon-gedopten Sportlern Leberkrebs und Mediziner an einem Prager Institut bei 780 toten Athleten 218 bösartige Tumore fest.
Was also ist zu tun?
- Die Mäzene der Wirtschaft müssen Druck machen und massiv Doping-abschreckend wirken, denn ohne Sponsorengelder haben viele Sportarten ein großes Problem.
- Der schändlich unterfinanzierte Anti-Dopingkampf erfordert viel mehr Geld.
- Da man niemandem trauen kann - dopende Ärzte der Universität Freiburg lassen grüßen - gehören alle Top-Athleten von einer unabhängigen, neutralen Organisation zentral überwacht. Man muss das Kontrollsystem von allen Verbandsstrukturen trennen.
- Das Regelwerk, mit standardisierten Kontrollen, muss von allen NOKs, Sportverbänden und Top-Athleten anerkannt werden. Wer nicht mitmacht, wird rigoros bei Wettkämpfen ausgeschlossen. Es gibt keine Alternative.
- Doping ist Sportbetrug und gehört per Gesetz strafrechtlich verfolgt, zumal davon eine gewaltig abschreckende Wirkung ausginge.
Es geht darum, Doping wenigstens auf ein Minimum zu reduzieren. Und nicht nur der Fairness wegen, um ehrliche Sportler, die das Vertrauen in faire Wettkämpfe weitgehend verloren haben, zu schützen, sondern auch aus Verantwortung für junge Menschen, um zu verhindern, dass diese bei der Jagd nach Rekorden ihre Gesundheit, ja ihr Leben aufs Spiel setzen. Auch darf der Sport durch eine scheinheilige Heldenverehrung, des Spektakels wegen, nicht kaputt gemacht werden, und ehrliche Sportler dürfen nicht als Verlierer „dumm" dastehen. Dr. rer. nat. Eberhard Pino Mueller ** ** Der Autor hat Pharmazie und Lebensmittelchemie studiert, in Chemie mit Nebenfach Pharmakologie promoviert und ist unter anderem auf Dopingthemen spezialisiert. publiziert: 2012 ... Sportpresseagentur TAKEOFF-PRESS Presse-Dienst-Süd -- JOURNAL/EURO
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