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Doping ohne Ende - Der Anti-Dopingkampf ist nicht erfolgreich, weil der gute Wille bei Funktionären, den Sportverbänden und der Politik oft fehlt und das Übel nicht an der Wurzel angepackt wird.
Dopingbetrüger mit leichtem Spiel
Was für eine „schöne" Bescherung bei den Olympischen Spielen in Peking: Fabelweltrekorde, übermenschliche Leistungen, die wundersame, chinesische Goldmedaillenflut und nicht wie befürchtet Doping-Skandal-Spiele. Der Skandal aber ist, das Schönreden des, trotz aller Bemühungen, dilettantisch geführten Anti-Dopingkampfes und die Heldenverehrung der Super-Athleten des Nervenkitzels wegen. Es kann doch nicht sein, dass Olympische Spiele mehr und mehr zu einem Circus Maximus ausarten, wo die Ehrlichen hinterher -laufen, -schwimmen, -radeln oder -rudern. Funktionsträger im Sport, die Doping nicht völlig blauäugig sehen, wissen, im Spitzensport wird mit Gen-Doping, Hormonen, Aufputschmitteln, Epo, Epo-Mimetika, HGH-Wachstumshormon, IGF-Wachstumsfaktoren zusammen mit Insulin, HIF-Stabilisatoren, Blockern für Myostatin, Designer-Steroiden und Dutzenden nicht nachweisbaren Dopingmitteln in gewaltigen Dimensionen und weitgehend unbehelligt manipuliert. Die Betrüger haben über die 5.000 Dopingkontrollen in Peking gelacht, denn sie wussten genau, wie man sich an den Kontrollen vorbeimogelt. Nichts Neues. Kelli White, die geständige Ex-Sprint-Weltmeisterin sagte: „Das Einzige, wovor ich und meine Kolleginnen niemals Angst hatten, waren Dopingtests." Der Präsident des Internationalen Olympischen Komitee (IOK) Jacques Rogge versprach bei Amtsantritt „Null-Toleranz" in Sachen Doping. Schöne Worte, doch die Realität sieht anders aus. Das IOK kümmerte wenig, dass die nationalen Dopingkontrollen in den meisten Ländern nur lasch und oft nicht nach den Vorschriften der Welt-Anti-Dopingagentur (Wada) durchgeführt werden. Wie konnte das IOK Jamaika zu den Spielen in Peking zulassen? Ein Land der Supersprinter, das nicht der Anti-Dopingorganisation der karibischen Staaten beigetreten ist, und wo es keine unangemeldeten Dopingkontrollen gab. Gerade der Sprint, mit massenhaft überführten Medaillengewinnern, ist doch bekannt dafür, mit Doping verseucht zu sein. Die obersten Herren der Ringe Jacques Rogge und sein IOK-Vizepräsident Thomas Bach wissen genau, dass Geld der alles entscheidende Punkt ist, um aus dem Doping-Schlamassel herauszukommen. Die Labors und Forschungsinstitute benötigen zur schnelleren Entwicklung neuer, richtungsweisender Analysenmethoden viel mehr Geld. Und zusammen mit den Summen, die für eine effektive Arbeit der Dopingkontrolleure notwendig wären, kommen, wie Experten meinen, fünfhundert Millionen Dollar zusammen. „Wir müssen", so Rogge, „viel mehr forschen und neue Methoden finden." Aber wie, wenn das Geld fehlt? Warum steuert das IOK, das bei Olympischen Spielen Milliardenumsätze macht, vergleichsweise nur lächerlich geringe Beträge im Kampf gegen die Seuche Doping bei? Das Geld wäre im Sport gut angelegt, denn viele Betrüger würden die Finger von den verbotenen Mitteln lassen und der Doping-Mafia davonlaufen, wenn das Risiko, erwischt zu werden, extrem hoch ist. Ein Armutszeugnis, wie Waschküchen-Chemiker die Tester in den Dopinglabors aus Geldmangel austricksen; es oft Jahre dauert, bis gute, neue Testverfahren in den Dopinglabors eingeführt werden; es nicht gelingt, bekannte Dopingschlupflöcher zu schließen und hilfreiche, medizinische Kriterien nicht zur Überführung von Dopingsündern herangezogen werden. Eine Verdummung der Sportanhänger ist, so zu tun, als sei man den Dopingbetrügern dicht auf den Fersen. Es ist schlimm, wie Verbandsfunktionäre die Augen vor der Dopingproblematik verschließen, wo wir doch wissen, was für Unmengen Dopingmittel im Umlauf sind und wie gezielt die Wundermittel eingesetzt werden. Nur ein Beispiel. Es gibt Chemikalien, die die Übersäuerung der Muskeln verhindern und zusammen mit Epo unmenschliche Leistungen möglich machen. Eine Katastrophe seit Jahren auch das Dopingkontrollsystem. Wer wirklich an einem saubereren Sport interessiert ist, muss es grundlegend umstellen. Es ist doch eine Binsenweisheit, die Dopingkontrolleure müssen, um Betrüger zu schnappen, überraschend und zur richtigen Zeit kommen. Was bezweckte IOK-Chef Rogge, als er nach den Spielen in Peking sagte: „Ich bin glücklich, dass die überwältigende Mehrheit der Athleten sauber ist." Will das IOK mit seinen 5.000 Kontrollen in Peking der Welt saubere Spiele vorgaukeln? „Die Zahl der Tests sagt gar nichts", so die realistische Einschät
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zung des Vorsitzenden des Sportausschuss im Bundestag Peter Danckert, „wer sich auf sie beruft, versucht falsche Hinweise zu geben." Eine traurige Tatsache ist, der Hochleistungssport ist verseucht und Doping in China, Russland, USA oder Griechenland keine Randerscheinung. Die nationalen Verbände aber haben die Hoheit über die Kontrollen - das heißt, wie sie durchgeführt werden und was daraus gemacht wird, liegt in deren Händen. Ein Unding. Dem Interesse, gedopte Superathleten zu erwischen, steht doch die Gier nach Medaillen entgegen und führt deshalb auch dazu, die Überwachung nicht ernst zu nehmen und überführte Athleten zu decken. Verständlich daher die permanente Weigerung, mit unabhängigen Gremien den Sport zu durchleuchten, denn es könnte zu viel dabei herauskommen. Es darf nicht sein, dass einem Fremdblutspezialisten aus der Schweiz, der im Labor von Peking hätte arbeiten sollen, das Einreisevisum versagt wird. Das ist doch verdächtig und riecht förmlich nach Betrug. Und da man niemandem trauen kann - systematisch dopende Ärzte der renommierten Universität in Freiburg lassen grüßen - gehören alle Athleten, die bei internationalen Wettkämpfen, etwa Olympischen Spielen, Welt- und Europameisterschaften antreten, von einer unabhängigen, neutralen Organisation zentral und lückenlos überwacht. Man muss das Kontrollsystem von allen Verbandsstrukturen trennen. Standardisierte Kontrollen müssen für diese Top-Athleten überall auf der Welt gelten. Und das komplette Regelwerk, mit klaren Vorschriften, muss von allen Nationalen Olympischen Komitees (NOK), Sportverbänden und international aktiven Athleten anerkannt werden. Wer nicht mitmacht, muss im Interesse der ehrlichen Sportler rigoros bei Wettkämpfen ausgeschlossen werden. Eine Herkulesaufgabe für das IOK, die Wada und alle Sportnationen. Es gibt keine Alternative. Es ist doch unerträglich, den Spitzensport mit seichten Formulierungen wie „Skepsis ja, Verdacht nein" (Thomas Bach) unserer Gesellschaft dauernd zu erklären. Saubere Sportler wollen, dass ihre Leistungen nicht angezweifelt werden, und die wahren Sportfans können sich über tolle Leistungen nur ohne Hintergedanken richtig freuen. Das Übel muss endlich mit allen Mitteln und an der Wurzel angepackt werden, denn Doping ist Sportbetrug und gehört wie jeder andere Betrug strafrechtlich verfolgt, zumal davon eine gewaltig abschreckende Wirkung ausginge. Auch sollte man lebenslange Sperren einführen, denn Sportbetrüger verdienen keine zweite Chance. Der Sport wird die Dopingprobleme ohne den Staat nicht lösen. Das hat auch Jacques Rogge erkannt. Es gebe, so der IOK-Chef, Systeme wie Balco in USA oder das Puerto Modell in Spanien mit einem organisierten Betrugsschema. Es sei daher wichtig, mit Regierungen zusammenzuarbeiten und zu versuchen, die Banden aufzuspüren. Gut so, denn der Staat ist verpflichtet, strafrechtliche Vergehen wie Medikamentenmissbrauch, Körperverletzung, Steuerhinterziehung, Geldwäsche, Schmuggel und Betrug zu verfolgen. All diese strafbaren Handlungen sind auch in der Dopingszene verbreitet, und vor allem der Staat, mit ganz anderen Möglichkeiten als der Sport, kann den Betrügern und der Doping-Mafia beikommen. Wie groß die kriminellen Dopingpraktiken in unserer globalisierten Welt sind und wie dringend gehandelt werden muss, wird deutlich, wenn Interpol sich schon einschaltet und seine Infrastruktur in 186 Ländern für die Dopingbekämpfung anbietet. Allerdings gibt der Generalsekretär Ronald Noble gleich zu bedenken: „Diese Ressourcen, die genutzt werden könnten, Dopingnetzwerke zu erkennen und zu sprengen, bleiben ungenutzt, ohne den politischen Willen zum Handeln." Natürlich wird es einen ganz sauberen Hochleistungssport nie geben. Immer werden Unverbesserliche, die kein Risiko scheuen, Dopingmittel einsetzen. Es geht aber darum, Doping auf ein Minimum zu reduzieren, um ehrliche Sportler, die das Vertrauen in faire Wettbewerbe verloren haben, zu schützen, und um vor allem zu verhindern, dass junge Athleten auf der Jagd nach Rekorden nicht ihre Gesundheit, ja ihr Leben aufs Spiel setzen.
Dr. rer. nat. Eberhard Pino Mueller **
** Der Autor hat Pharmazie und Lebensmittelchemie studiert, in Chemie mit Nebenfach Pharmakologie promoviert und ist unter anderem auf Dopingthemen spezialisiert.
Kopien an: IOC-Präsident Jaques Rogge, DOSB-Präsident Thomas Bach, WADA, NADA, VDS, AIPS, die Mitglieder des Sportausschusses des Deutschen Bundestages, an die Senatoren für Inneres und Sport (Innenministerkonferenz)
publiziert September 2009 http://fantaneanu.ro/doping-cheats-have-it-easy
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