ZURÜCK ZUR HOMEPAGE

 

Der Anti-Dopingkampf


„Man guckt sich das System nicht an und fragt, ob es funktioniert."

 
Die Dinge sind oft nicht so, wie sie erscheinen. Das trifft ganz besonders auf Doping und die Erfolgsmeldungen im Kampf gegen Doping zu. Es ist nämlich so, dass die jährlich aufgedeckten Dopingfälle nur die Spitze des Eisberges sind. Obwohl der Dopingexperte Prof. Werner Franke und der SPIEGEL-Redakteur Udo Ludwig schon 2007 in ihrem Buch „Der verratene Sport…" einen totalen Umbau des Sportsystems wegen des „weltweit operierenden Dopingkartells aus Ärzten, Funktionären, Trainern und Sportlern" für notwendig hielten, ist aus den guten Vorschlägen nicht viel geworden. 

Es ist bezeichnend, dass die Olympiasiegerin Ulrike Nasse-Meyfarth über die Misere und Unglaubwürdigkeit des Anti-Doping-Kampfes sagt, die Doppelzüngigkeit der Funktionäre, auch derjenigen der Weltverbände, verhindere standardisierte Dopingkontrollen in allen Ländern. Auch Richard Pound, der ehemalige Chef der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) sagt unverblümt, das Dopingsystem habe mafiöse Strukturen.


Die Möglichkeiten der Betrüger sind viel zu groß, dabei könnte man, zumal die Schwachpunkte seit langem bekannt sind, in vielen Fällen etwas dagegen tun ( siehe http://ww.takeoff-press.tennis unter „DOPING" ). Der Mainzer Sportmediziner Prof. Perikles Simon, einer der kompetentesten Anti-Dopingexperten, kam zu der  traurigen Erkenntnis, das gesamte Anti-Doping-System werde nicht hinterfragt: Man guckt sich das System nicht an und fragt, ob es funktioniert."

Hier ein Beispiel wie lasch und bewusst ineffektiv der Anti-Dopingkampf gehandhabt wird und zu unfairem Sport führen kann. Der Aufenthalt in Unterdruckkabinen im Leistungssport ist nicht strafbar (Wada-Code), obwohl durch verstärkte Produktion roter Blutkörperchen die Konzentration von Sauerstoff-Aufnahme und -Transport erhöht wird, was zu einer künstlichen Leistungssteigerung führt. Dies müsste unter den Begriff Doping fallen, weil damit die Leistung von Sportlern und Sportlerinnen auf unnatürliche und bequeme Weise manipuliert wird.

Das Thema Unterdruckkabine wird aber meist nur in privaten Gesprächen angesprochen und schon seit langem. Vor ein paar Jahren fragte mich Robert Federer, der Vater des Tennissuperstars Roger Federer, ob es strafbar sei, mit einer transportablen Unterdruckkabine bei Turnieren eine Leistungssteigerung herbeizuführen. Er fragte dies im Hinblick auf Novak Djokovic, einen der fittesten Tennisprofis. Ich erinnerte mich daran wieder, als Djokovic beim Grand-Slam-Turnier 2018 in New York der extremen Hitze und Luftfeuchtigkeit über sieben Runden standhielt, während Federer schon in der vierten Runde schlapp machte.










Man fragt sich, warum ist das nicht strafbar, wenn einer das zu seinem Vorteil macht? Warum wird so ein Doping-Schlupfloch von der Wada nicht sofort beseitigt?
 
Im Rückblick auf mein Engagement im Kampf gegen Doping über viele Jahre muss ich sagen, es war Zeitverschwendung und „für die Katz", obwohl ich mich in Sachen Doping, das viel mit Chemie und Medizin zu tun hat, auskenne, weil ich Pharmazie studiert und in Chemie mit Nebenfach Pharmakologie promoviert hatte. 

 
Dass Prof. Simon als unermüdlicher und kompetenter Kämpfer gegen Doping frustriert das Handtuch geworfen hat und sich von einem weiteren Engagement zurückzieht, ist angesichts der Kritikresistenz, Nachlässigkeiten und  Vertuschungen vieler Verantwortlichen im Anti-Dopingkampf und in der Dopingszene mehr als nur zu bedauern, aber auch verständlich. Umso mehr müssen wir Journalisten uns als Anwälte für einen sauberen Sport begreifen. Ich appelliere deshalb an die Teilnehmer des Workshops "Doping in Deutschland", darauf hinzuwirken, dass die Anstrengungen der Medien im Bemühen um Aufklärung nicht nur aufrecht erhalten bleiben, sondern noch intensiviert werden. Investigative Recherche ist mehr und mehr Standard in den Redaktionen der Medien, aber hauptsächlich, wenn es um Politik und Wirtschaft oder auch lokale Missstände geht. Die meisten Sportteile in Zeitungen hinken aber der Entwicklung hinterher - wir brauchen mehr Seppelts!

Ich wünsche allen Workshop-Teilnehmern einen schönen, ergiebigen und hoffentlich im Kampf gegen Doping nicht ganz vergeblichen Tag…..   
                             

                Dr. rer. nat. Eberhard Pino Mueller 
               
Tennisportal und Sportpresseagentur TAKEOFF-PRESS

Website:   TAKEOFF-PRESS
E-Mail:     eberhard.mueller@debitel.net

Villingen  --  13. Oktober 2018  --


Kopien an:
      „SPORTJOURNALIST" (Magazin für Medien, Sport)   
       Prof. Dr. Schaffrath ( Techn. Universität München )
       Workshop der TU-München: „Doping in Deutschland"

publiziert:  Presse-Dienst-Süd  --  JOURNAL/EURO


zurück

nächster Beitrag