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Mittel zur Leistungsförderung und gegen Leistungsabfall im  Tennis

Die Fitmacher


Tennisspieler brauchen oft nicht nur eiserne Nerven, sie brauchen auch genügend Eisen. Und was noch? Vielleicht auch ein bisschen  Molybdän und Vanadium? Noch nie davon gehört? Macht nichts. Aber Sie wissen, wie man mit  Q10 und Kreatin „bio-dopt" ? Oder etwa nicht? Wie auch immer, vielleicht machen sie sich mit Moosbeeren, Taigawurzeln,  Bienenköniginnenfutter, Ginseng und Blütenpollen oder einfach mit natürlichen Vitaminen,  Mineralien, Spurenelementen und Aminosäuren superfit? Wer weiß, vielleicht haben sie auch ein Geheimrezept?
           
Der Griff zu „Wundermitteln" gehört zum Sport wie Luftholen zum Atmen. Und es wird, auf Teufel komm raus, geschluckt. In den Wettkampfpausen: Kraftspender und Muskelmacher. Beim Training, Pillen für das Hirn, Blut und natürlich die Muskelzellen. Im Wettkampf schnell etwas zum Aufputschen und Durchhalten, gegen Stress oder auch für den letzten Kick. Und schließlich, hinterher zur Regeneration, von allem noch einmal ein bisschen.
           
Von Wunderpillen für Ballgefühl, Zähigkeit, Fleiß, Siegeswillen, Intuition und Selbstbewusstsein soll hier nicht die Rede sein. Leider! Denn die müssen erst noch erfunden werden. Auch nicht von den Mogelpackungen wundersamer Quacksalber und Kurpfuscher, die oft für viel Geld angeboten werden und mehr Schaden als Nutzen bringen.
           
Reden wir also von den Wirk- und Nährstoffen, die der Organismus unbedingt und in ausreichender Menge benötigt, um bei Sportlern den erheblich gesteigerten Energieumsatz des Herzens und Skelettmuskels auszugleichen. Neben den Energieträgern wie Kohlehydraten, Eiweiß und Fetten sind dies Vitalstoffe, also Vitamine und Aminosäuren wie L-Carnitin, Kreatin...  Enzyme wie Q10... Mineralien wie Kalium, Magnesium, Kalzium...  sowie Spurenelemente wie Eisen, Chrom, Zink, Kupfer...
           
Es gibt keine Zweifel, dass Sportler ihre Leistung durch Vitamin- und Mineralzusätze verbessern können, wenn eine natürliche Versorgung mit diesen Bausteinen des Lebens durch die Nahrung nicht gewährleistet ist. Die Tatsache, dass intensiv belastete Sportler bis zum Sechsfachen des normalen Tagesbedarfs an Vitaminen benötigen, spricht für eine zusätzliche Ergänzungstherapie, da diese Mengen mit der täglichen Nahrung nicht zugeführt werden können. Und wenn man die Lagerung von „frischem" Obst betrachtet, das oft mehrere Monate künstlich konserviert wird, bevor es in einem schnellen Reifeprozess verkaufsfähig gemacht wird, muss man sich nicht wundern, warum die Vitamine dabei auf der Strecke blieben.
           
Wie so oft in der Wissenschaft sagen Studienergebnisse mit Mitteln zur Leistungssteigerung mal
ja, einige nein und andere wieder vielleicht. Wie auch immer, die Tests fallen nun mal individuell verschieden aus. Hinzu kommt ja auch noch ein gewisser Placebo-Effekt. Aber nichts gegen die Placebo-Wirkung eines Präparates. Was soll´s? Hauptsache, man fühlt sich besser und stärker. Und überhaupt, Placebo-Effekte spielen sich weiß Gott nicht nur im Bereich der Psyche ab. Sie lassen sich sehr wohl oft auch im physischen Bereich darstellen.
           
Was nun empfehlen Experten den Sportlern? Der Tennisspezialist Günther Bosch empfiehlt
Anabol Logesâ zur Steigerung der mentalen und körperlichen Belastbarkeit. Oder Professor Liesen vom Sportmedizinischen Institut der Uni Paderborn entwickelte BasicaâSport zur „Verbesserung der körperlichen und geistigen Fitness des Sportlers in Trainings- und Wettkampfphasen", wie in Anzeigen steht. Oder Professor Weiß vom gleichen Institut meint, Megadocâ sei ein Mittel, um die Leistungsfähigkeit bei intensivem Sport zu erhalten. Und der verstorbene Uni-Professor Keul hielt Biovitalâ Dragees vor allem bei erhöhtem Eisenbedarf für ein nützliches Sportlerpräparat.
           
Und was schlucken einige der Topathleten für den richtigen Pep? Der englische Weltklassesprinter Linford Christie schwor auf
Kreatin und stopfte sich das Pulver gleich gramm-weise rein, um schnellere Muskeln zu kriegen. Aber auch eine Katja Seizinger und die Baseball-Legende McGwire griffen nach Kreatin. Ein Boris Becker wiederum schob sich auch schon mal beim Tennis eine Pharmaton Vitalâ Kapsel zum Aufpäppeln rein.  Der absolute Chemie-Fan allerdings ist, wie in  FOCUS stand, die Diskus-Olympiasiegerin Ilke Wyludda, die angeblich 63 Präparate gleichzeitig eingenommen haben soll.

Wen wundert es, dass mit allem herumexperimentiert wird? Selbst die Spurenelemente Mölybdän und Vanadium sind als mögliche zukünftige Leistungshilfen im Gespräch. Zu früh, denn noch gibt es dafür keine gesicherten Ergebnisse, und wer kann garantieren, ob sie nicht nur nicht sinnvoll, sondern gar schädlich sind?

                                                                         
Dr. rer. nat. Eberhard Pino Mueller **

** Der Autor hat Pharmazie, Pharmakologie und Lebensmittelchemie studiert und in Chemie promoviert.


publiziert:  Mai 1995  /  DTZ  Deutsche Tennis Zeitung -  Tennisbibliothek Takeoff-Press
                                                                                          Presse-Dienst-Süd  --  JOURNAL/EURO

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