|
Klaus Hofsäss, Ex-Damenbundestrainer
Macht doch nicht so ein Affentheater
Es war nicht immer so. Doch nachdem Steffi Graf und Becker nicht mehr aktiv sind, fährt nur noch eine kleine Schar deutscher Journalisten zu den großen Turnieren. Und so waren diese überrascht, als wieder einmal ein Mann auftauchte, den sie aus der Zeit kannten, als Deutschland die Tennisnation Nummer eins oder zwei in der Welt war. Es war Klaus Hofsäss, der ehemalige Jugend- und Damen-Bundestrainer, dem das deutsche Tennis viel zu verdanken hat, der nie ein Handtuchhalter der Stars war, sich nicht gesonnt hat im Ruhm von Steffi Graf und immer für alle da war. Der etwas massiger gewordene Hofsäss mit dem braunen, inzwischen grauer gewordene Wuschelkopf hat sich sonst wenig verändert, und so kam es einem vor, wie in alten Zeiten, als er wieder in seiner umgänglichen, freundlichen und engagierten Art über Tennis plauderte. Über die Vergangenheit, die Gegenwart, optimistisch, aber auch, über die Zukunft. Und er weiß, was läuft oder nicht läuft im Tennis, auch wenn er sich jetzt meistens in seinem „Marbella College Hofsäss" in Spanien aufhält, wo er endlich ein bisschen Freizeit hat, Fußball und Tennis gucken oder Skat spielen kann, und wo ab und an eine seiner Mädels vorbeikommt, etwa Barbara Rittner oder Claudia Kohde, nicht aber Steffi, die hat er schon länger nicht mehr gesehen. Auf seine Arbeit beim DTB ist Hofsäss stolz, auch wenn er gleich einschränkt, das sei ja eine ganz spezielle Zeit gewesen, wo er ein bisschen dazu beitragen konnte, dass sie so gut war. „Okay, der Becker, Stich und die Graf, das waren Glücksfälle, die allerdings auch gut geführt worden sind. Doch die anderen, Dutzende bei den Turnieren, die waren kein Glück, die konnten wir beeinflussen." „Wer weiß das noch," sagt Hofsäss, „die Hanika, Bunge, Kohde und Huber waren unter den Top zehn. Eine Sabine Hack, die hat doch keiner richtig wahrgenommen, war mal die Nummer 14 und Eva Pfaff die 17. Auf Platz 20 bis 30 hatten wir eine Cueto, Rittner, Babel, Porwick - alle so nebenher und dann noch zig Spielrinnen, eine Silke Maier, Kochta, Frankel, Singer, Betzner, Probst, Käppeler, Schropp oder Wagner, die alle besser platziert waren als die beste Spielerin heutzutage." Bevor Hofsäss seinen Job nach 20 Jahren freiwillig beim DTB aufgab, versucht er, Steffi Graf dafür zu gewinnen. „Sie hätte das toll machen können", sagt er, „doch sie wollte nicht, denn sie hatte genug vom Tennis. Doch auch Hofsäss möchte den Job heute nicht mehr machen. Viel Kraft habe das gekostet, das Drumherum und so, sagt er und lacht, „hee, es hat doch keiner gesehen, was ich alles am Hals hatte. Alle dachten, das läuft von allein, und jetzt sehen sie, wie das läuft - von allein!"
Denkst du sehnsüchtig an Deine Zeit zurück? Wir können doch nicht jammern, dass es nicht mehr so ist wie früher. Nach Graf und Becker kam halt erst ´mal ein Bruch, denn Haas und Schüttler spielen nicht so spektakulär. Du musst aber sensationell sein im Spitzensport - Formel 1, Skispringen oder Biathlon hat zuvor auch keinen gejuckt. Es wird im Tennis auch wieder ein Hoch kommen. Aber das Interesse für Tennis vor allem im Fernsehen ist doch nicht ermutigend? Klar - doch vieles war hausgemacht. Zuerst hat man Tennis fast todgesendet und dann den Davis Cup und das Hamburger Turnier an das Pay-TV verkauft, wo kaum einer gucken kann. Was wurde noch falsch gemacht? Sie haben mit einem Schlag alle guten Trainer ausgetauscht. Pilic musste weg, auch Meiler und der Pfannkoch bei der Jugend. Und jetzt, nach dem Kahlschlag, sieht man die Folgen. Es qualifizieren sich nur wenige für die großen Turnieren. Und warum ging es bei den Damen so bergab? Da hat man zu sehr auf 12-Jährige gesetzt und denen alles reingeschoben. Macht da doch nicht so ein Affentheater, du weißt doch nicht, was in 4 Jahren ist, wenn es wichtig ist. Vielleicht haben sie dann einen Freund, wollen studieren, oder sagen, ich will nicht. Dann hast du alles in den Sand gesetzt. Was würdest du anders machen?
|
|