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und einen Schulsport, der wesentlich anspruchsvoller war. Wir haben aber mittlerweile eine unheimlich aufwendige Ausbildung und arbeiten sehr professionell. Heutzutage wird schon früh sehr differenziert trainiert. Zuerst geht es an die koordinative Arbeit, dann wird das in Schnelligkeitstraining und in der nachpubertären Zeit sehr intensiv in Krafttraining weitergeführt. Herbert Horst: Wir sind gezwungen, die Vielseitigkeit auszubauen, dann haben wir weitere Fundamente, die wir brauchen.
Fehlen in Deutschland im Tennis Kinder aus ärmeren Schichten, die im Hinblick auf viel Geld, Tennis besonders gierig betreiben würden? Peter Pfannkoch: Ein Klischee, das ich so nicht teile. Dann dürfte es keinen McEnroe geben und viele andere, die aus gutem Haus kommen. Arm sein ist kein Garant für mehr Ehrgeiz. Die Herkunft spielt keine Rolle, wenn man ehrgeizig ist und Leidenschaft mitbringt, ohne die im Leistungssport allerdings nichts geht. Herbert Horst: Ich sehe das ein bisschen anders. Mit Tennis reich zu werden, ist für Arme sicher besonders motivierend. Grundsätzlich aber gilt, man muss etwas leidenschaftlich machen, dann ist nicht so wichtig, wo man herkommt. Allerdings kommen viele sportliche Talente, weil sie kein Geld haben und sich daher für Fußball entscheiden, im Tennis nicht zum Zuge.
In besonders erfolgreichen Tenniszentren, etwa bei Bollettieri in Amerika oder in Barcelona, wird knochenhartes Training und äußerste Disziplin verlangt oder man fliegt raus. Warum geht das in Deutschland nicht? Peter Pfannkoch: Wir müssen uns sicherlich mit der Gangart und Disziplin, die im internationalen Bereich vorherrscht, auseinandersetzen. Da ist der Ton ein bisschen härter. Wir, auch im Kreis der Fachleute, machen uns natürlich Gedanken, wie wir das mit unsern Jugendlichen, die nicht nur auf Tennis fokussiert sind, auf die Spur kriegen. Herbert Horst: In diesen Tenniscamps ist alles auf einen Weg, hin zum Profitennis, ausgerichtet, während unser Jugendlichen meistens noch zur Schule gehen und erst nachmittags nach einem schweren Schultag zum Training kommen. Ein Grund, warum man sie nicht so hart anpacken kann.
Es gibt gute Beispiele, dass Kinder, die viele Entbehrungen auf sich nehmen müssen, einen Charakter aufbauen, der sie härter macht für Wettkämpfe. Sind das Voraussetzungen für potentielle Topspieler, die wir in Deutschland nicht haben? Peter Pfannkoch: Für mich sind das Ausnahmesportler, die schon in jungen Jahren eine sehr hohe Leistungsstärke erreicht haben. Die also das mitbringen, was den Talentbegriff ausmacht. Es gibt ja auch viele, die unter harten Bedingungen fern der Heimat einen ähnlich steinigen Weg gegangen sind, und es nicht geschafft haben. Wir müssen, da wir andere Verhältnisse haben, daraus das Beste machen. Auch wenn das länger dauert. Herbert Horst: Viele machen den Fehler und spielen vor der Haustüre. Sie machen es sich zu bequem, denn wo die Weltelite spielt, da kann man sich was abgucken. Da sind die Spieler mit Visionen. Wer den bequemen Weg geht, der hat keine Visionen mehr.
Gibt es noch andere Möglichkeiten, die Talentauslese zu optimieren? Peter Pfannkoch: Wir haben immer Weltklassespieler im Tennis gehabt, und jetzt müssen wir schauen, wieder welche zu finden. Dass wir uns wie viele große Tennisnationen dabei schwer tun, liegt nicht an der Talentauslese, auch nicht an der Qualität der jungen Spieler, sondern an der Erfahrung. Wir müssen unsere Kinder noch professioneller ausbilden und unser Wissen früher an sie heranbekommen. Dann kommen sie mit weniger Defiziten in die wichtige Juniorenzeit und sind dann auch für die nächsten Jahre besser ausgerüstet. Eberhard Pino Mueller publiziert: April 2008 DTZ + Tennisportal TAKEOFF-PRESS Presse-Dienst-Süd -- JOURNAL/EURO
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