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Peter Pfannkoch -  DTB-Bundestrainer der Junioren

„Wir zählen zu den fünf stärksten Nationen"

Herr Pfannkoch, was war auf Ihren Reisen 2009 mit den Jugendlichen besonders schön?

Pfannkoch: Dass wir eine Entwicklung im deutschen Jugendtennis haben, wo man sieht, dass wir wieder gute Spieler haben, die bei den großen Jugendturnieren erfolgreich spielen.

Wo war ein besonderer Tennishöhepunkt?

Pfannkoch: Ich kann da nicht nur einen herauspicken. Der Stand ist, wir haben vier Jungs, die vor drei Jahren bei uns vor der Aufgabe standen, sich im internationalen Junioren-Spitzenbereich zu etablieren, was wir geschafft haben. Zum Beispiel: Alex (Alexandros Georgoudas) mit der Finalteilnahme bei den Australian Open. Oder Dominik (Schulz) mit einigen Siegen auf der ITF-Tour, Halbfinale bei den French Open in Paris, sowie Viertelfinale in Wimbledon. Oder Richard (Becker) mit den beiden Viertelfinals in Melbourne und Paris. Das sind die aussagekräftigsten Einzelergebnisse, auf die wir mit viel Selbstvertrauen zurückblicken können. Letztendlich auch mit der Hoffnung, dass wir die Jungs in den nächsten zwei bis vier Jahren erfolgreich wiederfinden.

Welche Siege haben sie Ihren Jungs nicht zugetraut?

Pfannkoch: Es waren einige, sonst wären sie bei den großen Turnieren nicht so weit gekommen. Richard (Becker) spielte in Paris in der ersten Runde gegen die Nummer zwei der aktuellen Jugendweltrangliste und lag mit Satz- und Matchball zurück. Wie man an seiner Körpersprache sehen konnte, glaubte er aber immer an sich. Und so wehrte er im Tie-Break zwei weitere Matchbälle ab und spielte sich danach mit hervorragenden Leistungen ins Viertelfinale. Oder Dominik (Schulz) schlägt in Paris überraschend den Favoriten Bernard Tomic mit einem für seine Verhältnisse fehlerfreien Spiel mit allen spielerischen Aspekten.

Wer von Ihren Jungs hat sie am meisten überrascht?

Pfannkoch: Jeder auf seine Weise. Kevin (Krawietz), der die Schule im letzten Sommer beendet hat, ist volles Rohr in die Vorprofizeit eingestiegen, gewinnt in Wimbledon das Junioren-Doppel und zählt inzwischen zu den zehn besten Junioren. Er hat ein Spiel, das sehr dominierend sein kann, weil er einen sehr starken Aufschlag hat und in der Lage ist, mit Vor- und Rückhand Punkte zu machen. Er hat eine gute Einstellung, ist mental sehr belastbar und kann jetzt, nachdem der Schulfaktor weg ist, noch härter trainieren und dadurch auch körperlich weiter zulegen. Bei Dominik (Schulz) haben wir immer gesehen, dass er, wie auch seine Ergebnisse belegen, im internationalen Bereich sehr gut dabei ist. Da steht ein unglaublicher Ehrgeiz dahinter. Er selbst, wie auch sein Umfeld, arbeiten sehr professionell an einer Profikarriere herum. Alex (Georgoudas), ein guter Athlet mit kompromisslosen Schlägen, hat mich von den Ergebnissen her am meisten überrascht. Er kann mit seinem Potential noch viel stärker werden, wenn er seine Defizite abbaut. Richard (Becker), ein Tüftler und Stratege, hat trotz der Doppelbelastung mit Abitur und seinen Tennisambitionen gute Ergebnisse gebracht. Er wird sich im nächsten Jahr, sobald er mit der Schule fertig ist, über erhöhte Trainings- und Turnierumfänge schnell weiterentwickeln.

Wie kamen die jungen Spieler in der Gruppe miteinander zurecht?

Pfannkoch: Es war eine günstige Konstellation, weil sie im Training wie an reiseintensiven Tagen zusammenstanden, sich gegenseitig motivierten, im Trainingsbetrieb einen positiven Wettkampf aufbauten und es immer Druck gab, weiterzumachen ohne den Eigenantrieb zu verlieren. Es entstand so eine gute Wechselwirkung mit Phasen, wo  einer mal hinterher- oder davonlief.




Wo stehen die deutschen Junioren in der Welt?


Pfannkoch: Wir sind, entgegen der internen Meinung vieler, eigentlich sehr gut aufgestellt. Die Spieler andere Länder haben großen Respekt und bewundern unsere Ergebnisse mit Finalisten, Halb- und Viertelfinalisten bei den Grand Slam Juniorenturnieren. Da würden die meisten Nationen sich die Finger lecken. Wir zählen schon zu den fünf stärksten Nationen.

Wie sieht es bei den jüngeren Jahrgängen aus?

Pfannkoch: Wenn jetzt zwei aus dem Juniorenbereich herauswachsen, bleiben mir im nächsten Jahr noch Kevin und Dominik, die neben Einstiegsturnieren bei den Herren auch bei großen Junioren-Turniere gewinnen wollen. Hinzu kommen neue Namen wie Mathias Wunner, Kevin Kaczynski, die schon vielversprechende ITF-Weltranglistenpositionen haben, und andere, die wir aufbauen werden und von denen wir ähnlich gute Ergebnisse erwarten. Ich gehe davon aus, dass es keine Lücke im Jugendbereich geben wird.

Der DTB schwimmt nicht im Geld. Wirkt sich das auf die Jugendarbeit aus?

Pfannkoch: Die Budgets sind knapper geworden. Deshalb findet jetzt eine Vernetzung statt, indem wir Sponsorengeld, Fördergelder und private Zuschüsse der Familien verknüpfen, um dem einzelnen ein ordentliches Packet zu schnüren. Das funktioniert. Auch mit nicht so vollen Töpfen ist es möglich, außergewöhnliche Leistungen zu bringen, wenn gute Arbeit gemacht wird.

Wie kommen die Leistungszentren zurecht?

Pfannkoch: Wir versuchen die Bundesstützpunkte von der Konzeption und Infrastruktur her intensiver zu vernetzen, weil dort viel Potential mit gutem Personal ist. Wir haben gezeigt, dass wir international konkurrenzfähig sind, auch mit den veränderten Strukturen der letzten drei Jahre. Ich bin mir sicher, dass wir gemeinsam für die Jugendlichen, die da trainieren, viel tun können.

Trauen Sie Ihren Junioren auch eine erfolgreiche Karriere bei den Profis zu?

Pfannkoch: In der biologischen Entwicklung sind junge Mädel schon früher reif und können mit entsprechender Spielstärke bei den Profiturnieren eher erfolgreich sein. Bei den Jungs kann das länger dauern. Da muss man einfach etwas Geduld haben. Andi Beck und Mischa Zverev sind Beispiele dafür. Andi hat mit 18 im Juniorenhalbfinale der US Open gestanden und Mischa war bei den ITF-Turnieren als Jugendlicher recht erfolgreich. Jetzt, nach zwei, drei Jahren, stehen beide um die Fünfzig auf der Weltrangliste. Das ist etwa der Zeitraum, den unsere Jugendlichen brauchen, bis sie auf der Profitour richtig Fuß fassen. Da möchte ich dann auch die Jungs von heute sehen. Ich traue das allen Vieren zu und auch denen, die jetzt nachkommen. Dann können wir auch sagen, dass unser Ansatz, die Leistungszentren zu vernetzen, etwas gebracht hat.

Welche Hoffnungen, Erwartungen und Ziele haben Sie für 2010?

Pfannkoch: Dass wir bei den kommenden Grand Slam-Turnieren ähnlich gut abschneiden und vielleicht sogar mal einen Titel einfahren können. Die Entwicklung im deutschen Tennis ist sehr erfreulich, nachdem sehr kritisch, auch manchmal etwas überzogen und unobjektiv über uns in den vergangenen Jahren geschrieben wurde. Es ist schön, dass man sagen kann, da tut sich was und nicht mehr hört, die sind auf dem absteigenden Ast.

                                                           Eberhard Pino Mueller

publiziert: November 2009  --  DTZ Deutsche Tennis Zeitung

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