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Das Erfolgsrezept des Schweizer Heinz Günthardt

„Tennis ist vor allem Teamwork"


Herr Günthardt, Sie sind bei Swiss Tennis involviert. Was haben Sie für Aufgaben?

Heinz Günthardt:  Ich wurde verpflichtet, um die Förderung in Biel und an anderen Orten in der Schweiz zu optimieren. Das heißt, zu schauen, wie unsere Coachs arbeiten, was sie richtig machen und was man besser machen kann und auch, wie mit privaten Tennisakademien zusammen gearbeitet werden könnte.

Sie sollen den Verband also effektiver machen?

Heinz Günthardt: Absolut. Da gibt es überall Potential. Es ist aber weniger eine Frage des Konzepts. Tennis ist vor allem Teamwork. Man muss miteinander reden und Know-how austauschen. Ich will Barrieren abbauen, wo gewisse Egos im Weg stehen, damit man sich in Zukunft besser austauscht.

Sie sind also als Berater für Swiss Tennis und die Schweizer Trainer tätig?

Heinz Günthardt: Richtig. Ich werde auch zwischenzeitlich auf dem Platz stehen. Es geht darum, unsern Coachs zu zeigen, wie man auch noch trainieren könnte. Gruppen- und Einzeltraining ist nicht dasselbe. Man muss immer Visionen haben, so auch, was es braucht, um von einem guten Juniorenniveau dann auch auf der Profitour spielen zu können.

Und wie soll das gehen?

Heinz Günthardt:  Man kann da nicht mit irgend einem allgemeinen Konzept kommen, sondern muss um die talentiertesten Spieler ein optimales Umfeld bauen und das Training individuell anpassen. Wenn ich zu viel in Strukturen denke, dann passen die eigentlich nur zufällig, vielleicht mal für ein paar Monate. Ich muss immer flexibel sein, sonst bewegt sich nichts. Es geht nur darum, einen Spieler möglichst gut auszubilden. Erfahrungsgemäß hat das mit Menschen zu  tun und nicht mit irgendwelchen Strukturen. Ich versuche da gewisse Dinge aufzubrechen.

Was gibt es noch Spezielles?

Heinz Günthardt:  Grundsätzlich ist ein Verband ein Dienstleistungsbetrieb, der sich unter anderem darum kümmern muss, dass die Sportart in den Zentren gut









läuft. Ich finde, das muss man nicht nur so sehen sondern auch leben. Es spielt auch keine Rolle, wo gut Tennis gespielt wird. Das muss nicht nur in nationalen Leistungszentren, das kann überall sein. Wenn Coachs irgendwo gute Arbeit machen, muss man sie unterstützen.

Und wie?

Heinz Günthardt:  Durch Kommunikation. Wenn ich Barrieren habe, weil Leute Informationen bunkern, oder wenn ich das Gefühl habe, da möchte mir einer etwas wegnehmen, muss man miteinander reden. Tut man das nicht, weiß keiner richtig, was passiert, und dann ist die ganze Maschinerie nicht effizient.

Sie kennen auch unsere deutschen Strukturen…

Heinz Günthardt: Nein, ehrlich nicht so gut. Als ich mit Steffi gearbeitet habe, hatte sie weder einen Vertrag noch etwas mit dem Deutschen Tennis Verband zu tun.

Was würden Sie, wenn Sie für den Deutschen Tennis Verband arbeiten würden, in Angriff nehmen?

Heinz Günthardt:  Deutschland hat mehr Junioren, die etwas treffen, als die Schweiz. Nach einer Auslese bleiben vielleicht zwanzig übrig, aus denen der/die eine oder andere richtig gut werden kann, aber nur, wenn jeder Fall spezifisch angeschaut wird. Dem einen tut es gut, wenn er aus dem Elternhaus wegkommt, dem andern nicht. Individualität und Flexibilität haben, wie gesagt, oberste Priorität. Und weil im Spitzensport alles sehr schnelllebig ist und immer neue Dinge und andere Methoden gebraucht werden, muss man topinformiert sein und sich dauernd anpassen, sonst wird das nichts. Ich glaube für jeden Verband gilt auch, dass es dem Sport am besten tut, wenn er sich als Dienstleistungsverband versteht.

                                      Eberhard Pino Mueller

publiziert:  Juli, August 2011  --  TennisSport
                               Tennisbibliothek  TAKEOFF-PRESS

                              Presse-Dienst-Süd  --  JOURNAL/EURO


Facts über Heinz Günthardt….
Geboren: 08. Februar 1959     ---    Nationalität: Schweizer
Beruf:  Ehemaliger Profi-Spieler - Beste ATP-Platzierungen: 22 (Einzel), 3 (Doppel).  Später Tour-Coach von Steffi Graf, die unter seiner Regie zwölf Grand-Slam-Titel gewann. Heute in beratender Funktion, u.a. für Andrea Petkovic und den Schweizer Tennisverband und als Kommentator beim Fernsehen aktiv.

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