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Barbara Rittner, Fed-Cup-Teamchefin

„Ich mache das mit viel Herz und Leidenschaft."


Frau Rittner, sie sagten einmal, „Leistung macht Spaß, weil Erfolg Spaß macht."

Ja, das stimmt generell. Im Team haben wir seit vielen Jahren Spaß, auch in den Wochen, in denen wir unterlegen waren. Man kann nicht immer Erfolg haben. Dennoch, fleißig zu arbeiten macht Spaß, weil sich das irgendwann auszahlt - wie jetzt.

Warum lieben Sie Ihren Job?

Ich hatte vor zehn Jahren eine Vision. Ich habe junge Spielerinnen mit Potential gesehen und die wollte ich aufbauen und ihnen mit meiner Erfahrung in ihrer Entwicklung weiterhelfen. Auch, um sie zu warnen, nicht die gleichen Fehler wie ich damals zu machen. Es ist schön, die Entwicklung zu verfolgen und aktiv dabei zu sein.

Was mögen Sie nicht an ihrem Job?

…dass ich Entscheidungen gegen die Spielerinnen treffen muss. Es ist ein Luxusproblem im Moment, dass wir viele gute Spielerinnen haben. Das führt dazu, dass ich der einen oder anderen sagen muss, du bist diesmal nicht dabei. Auch liebe ich es nicht, dass ich nicht immer klar und hart meine Meinung sagen kann, weil es vielleicht persönlich genommen wird.

Wie kriegen Sie das hin, unpopuläre Entscheidungen zu treffen, ohne das gute persönliche Verhältnis aufs Spiel zu setzen?

Ich muss natürlich das machen, was ich gut finde. Es bleibt mir doch nichts anderes übrig, als die Dinge offen anzusprechen und professionell zu entscheiden, auch wenn es mal eine persönlich trifft, was ich verstehen kann. Aber die Mädel kennen mich schon lange genug und wissen, wie die Dinge zu nehmen sind.

Gab es denn auch schon Spielerinnen, die Ihnen das richtig übel nahmen?

Ja klar. Ich verstehe, dass
die eine oder andere mal sehr enttäuscht war. Es gab aber bisher nie eine unsachliche Auseinandersetzung. Und dann heilt ja die Zeit Wunden, jedenfalls hat auch noch nie eine gesagt: „Unter der Rittner spiel' ich nicht mehr." 

Nach welchen Kriterien machen Sie die Aufstellung?

Da zählt, wie war das Fed-Cup-Jahr, wie ist es gelaufen und wer hat Punkte gemacht. Angie und Petko sind im Finale gesetzt, wenn sie sich bis dahin nicht verletzen oder krank werden. Natürlich spielt auch die Verfassung jeder Spielerin, gerade in der letzten Woche vor dem Fed Cup, eine Rolle. Auch, wer hat das größte Selbstvertrauen, und welches Team passt am besten zusammen.









Haben Sie auch schon einmal ans Aufhören gedacht?

Immer mal wieder. Das ist doch normal im Leben, vor allem auch, weil ich ein sehr emotionaler Mensch bin, und weil ich das mit viel Herz und Leidenschaft mache. In Momenten, wo ich alles hinwerfen wollte, hab' ich mich dann aber erst mit engen Vertrauten zurückgezogen und die Situation überdacht.

Wer hat Ihnen da zugesprochen und geholfen?

Das war meine Familie und waren meine engsten Freunde und Berater. So auch immer Dr. Ulf Blecker, der als Mannschaftsarzt ja immer dabei ist.

Wann und wo gab es solche Rücktrittsmomente?

Natürlich nach schweren Niederlagen. Etwa beim Abstieg vor zwei Jahren, als wir in Stuttgart gegen Australien verloren haben. Durch das System war klar, wir brauchen wieder ein Jahr, um hochzukommen. Aber wirklich lang und ernsthaft hat mich ein Rücktritt dann doch nie beschäftigt.

Wie läuft das finanziell beim Fed-Cup-Team?

Die Spielerinnen kriegen ein Antrittsgeld, und das erspielte Geld, das heißt, die Prämien vom Internationalen Tennis Verband ITF werden durch die Spielerinnen geteilt. Die Antrittsprämien habe ich mit dem DTB, nach Ranglistenplatz gestaffelt, ganz transparent festgelegt. Jede weiß also, was die andere kriegt.

Gab es auch schon Ärger, wie in früheren Jahren beim Davis-Cup-Team, wegen dem Antrittsgeld?

Nee! Es gibt einen Vertrag, und jede kann sagen, ich nehm' ihn oder nicht. Da wird nichts mehr verhandelt, und da gibt es auch keine Ausnahmen.

Und wie sind Sie vertraglich gebunden?

Ich arbeite auf Honorarbasis als Bundestrainerin 180 Tage im Jahr für den DTB. Ich bin also nicht fest angestellt. Außerdem bin ich an den Erfolgsprämien beteiligt.

Wer begleitet das Fed-Cup-Team in Prag beim Finale?

Das Team, das zuletzt dabei war. Dirk Dier, mein Co-Trainer, Petra Winzenhöller und Christof Zipf als Physiotherapeuten, Mike Diehl als Konditionstrainer, Dr. Ulf Blecker als Mannschaftsarzt, Mirco Westphal und Isabelle Chlosta vom DTB für die Organisation und Pressearbeit.

Werden auch Spielerinnen des Porsche-Talent-Teams dabei sein?

Nicht im Team zum Training. Sie sind eingeladen und können dazu kommen und zuschauen. Zum Training habe ich nur noch Sebastian Knittel, ein Linkshänder und ehemaliger Spieler, der dieses Jahr aufgehört hat, dabei. 

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