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Mischa Zverev

Mischa Zverev, der ältere Bruder von Alexander, genannt „Sascha", war einmal eine große Tennishoffnung in Deutschland. In der Juniorenweltrangliste stand er auf Platz 3, mit zwanzig Jahren war er bereits die Nummer 45 der Welt bei den Profis. Viele Verletzungen, zuerst ein Armbruch, danach Probleme mit der Bandscheibe, dem Ellenbogen und dem Handgelenk, das vor zwei Jahren operiert werden musste, warfen ihn zurück, bis er nicht einmal mehr unter den besten 1000 der Welt stand. Inzwischen hat er sich wieder auf Platz 51 nach oben gearbeitet. In Basel hatte er bei den Swiss Indoors den Weltranglistendritten Stan Wawrinka im Viertelfinale geschlagen und nur ganz knapp gegen den späteren Turniersieger Marin Cilic das Finale verpasst.

„Wir puschen uns gegenseitig"

Herr Zverev, Sie sagten in jungen Jahren einmal, Sie seien ein ruhiger Typ. Sind Sie das, im Gegensatz zu Ihrem Bruder Sascha, noch immer? 
Mischa Zverev: Stimmt. Sascha ist anders gepolt als ich (lacht)… jedenfalls emotional auf dem Platz. Ich versuche da ruhig zu bleiben - schon immer.

Man sagte Ihnen sogar nach, Sie seien zu nett zu Ihren Gegnern.
Mischa Zverev: Ich weiß nicht. Ich bin immer zum Gegner nett. Ich bin allerdings von der Einstellung, was Tennis angeht, aggressiver geworden. Sonst bin ich die gleiche Person wie früher geblieben.

Sind Sie und Ihr Bruder Sascha unterschiedliche Typen?
Mischa Zverev: Sascha ist emotional im Match, ich weniger. Sascha ist sehr entspannt im Leben, trifft Entscheidungen sehr schnell und ist einen Tick spontaner als ich. Er mag Action-Sportarten, etwa Basketball, Fußball, Wakeboard. Ich mag's ruhiger. Wir haben aber schon auch viele Ähnlichkeiten.

Früher gab es in der Zverev-Familie nur einen Tennisprofi auf der Tour. Jetzt sind es zwei. Haben Sie den zehn Jahre jüngeren Sascha mitgerissen?
Mischa Zverev: Ich hab's versucht ( lacht ).

Und inzwischen hat Sascha Sie im Tennis überholt. Wie fühlt sich das an?
Mischa Zverev: Wunderbar! Wir sind ein größeres Team geworden, arbeiten jetzt eng zusammen, unterstützen uns und puschen uns gegenseitig.

Sprechen Sie die Turniere miteinander ab?
Mischa Zverev: Wo Sascha hingeht, da komme ich mit. Ich finde, wir haben mehr Erfolgserlebnisse zusammen, denn wenn der eine gewinnt, ist der andere auch euphorisch. Das hilft einem dann vielleicht in der nächsten Woche. Wir sind so eine gute Kombination momentan.


Wie tauscht Ihr Euch aus, auch mit Euren Eltern, von denen Ihr Tennis gelernt habt? (Anmerkung: Vater Alexander war Davis-Cup-Spieler in der Sowjetunion und Mutter Irina eine hervorragende Turnierspielerin).
Mischa Zverev: Sascha gibt mir und ich gebe ihm Tipps. Und von Papa kriegen wir auch immer Ratschläge. Der kennt noch alle Spieler aus meiner Zeit, auch aus seiner wie auch Saschas Zeit. Er spielt selten, aber noch immer sehr gut. Einspielen kann er uns immer noch jederzeit. Kein Problem. Mama, mit der ich oft spiele, auch.

Und wie ist das, wenn Sie mit Sascha trainieren?
Mischa Zverev: Wenn wir im Training ein Match machen, will ich ihn natürlich schlagen. Mit Serve und Volley, was mir Papa schon früh beibrachte, hat das auch schon geklappt. Jetzt hoffe ich, dass mir das bei Matches auf der Tour auch gelingt. Die total unterschiedliche Spielweise von uns beiden ist so eigentlich in jungen Jahren von allein entstanden.

War es schwer, sich nach den vielen Verletzungen immer wieder aufzurappeln, um zurückzukommen?
Mischa Zverev: Schlimm war, ich habe die Freude am Tennis verloren, weil ich nach den Verletzungen nicht mehr erfolgreich war. Sascha hat mir da immer Mut gemacht und versucht, mich wieder aufzubauen: „Du bist okay, das wird doch wieder, Du schaffst das und spielst danach sogar besser." Er hat daran sogar auch wirklich geglaubt (lacht)… Auf jeden Fall hat mich das total motiviert.

Sie haben hier bei den Swiss Indoors in Basel einen Rekord aufgestellt. Elfmal die Qualifikation hat vor Ihnen noch nie einer auf der ATP Tour in einem Jahr geschafft. Wie sehen Sie Ihre Tenniszukunft?
Mischa Zverev: Ich bin mit diesem Jahr relativ zufrieden. Seit fünf Jahren wieder unter den besten Hundert, war schon ein Ziel von mir. Im Sommer sah das noch nicht danach aus. Mit der Hartplatzsaison hat sich das gedreht, weil mir viele - meine Mama, mein Bruder, meine Mannschaft - mental und in allen Bereichen geholfen haben. Mein Ziel ist, meine bisher beste Platzierung ( 45 ) wieder zu erreichen und schön wäre, mit Sascha im Doppel eine olympische Medaille zu holen und mit ihm beim Davis Cup zu spielen.

Wie bereiten Sie sich und wie Ihr Bruder jetzt zum Jahresende für das kommende Jahr vor?
Mischa Zeverev: Wie immer in Saddlebrook, in Florida. Sascha fängt Anfang November an, und ich komme da mit. Wir haben dafür sechs bis sieben Wochen, bis es von dort direkt nach Australien geht, und machen das zusammen. Sascha muss viel für die Kondition machen. Ich ja auch in meinem Alter (lacht)… Man weiß doch nie, die Zeit vergeht schnell. Aber ich denke, wenn ich hart arbeite und auf meinen Körper aufpasse, ist meine Tenniskarriere noch nicht vorbei.
                             Eberhard Pino Mueller   
publiziert:  Dez. 2016  -- DTZ Deutsche Tennis Zeitung
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