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leidenschaftlich an Flipperautomaten. Und wie so oft bei  Dingen, die nutzlos erscheinen, war auch diesmal das Gegenteil der Fall. Denn Wayne Ferreira, auch heute noch ein Flipper-Experte, erkannte  später,  "dass ich da bei  Koordination, Geschicklichkeit und Reaktionsvermögen trainiert habe, was für mein Tennis gut war." Mit zwölf Jahren fing er dann auch noch an, Golf zu spielen, auch das ein Kinderspiel  für das Balltalent. Dafür gab er die  Mannschaftssportarten auf.

Wayne Ferreira wusste immer, was er wollte. "Mit elf", sagt er, "dachte ich schon an Sport  als Beruf.  Mein Traum: Fußballprofi." Dann aber, als er sich auf Golf und Tennis spezialisiert hatte, entschied er sich für Tennis. "Ich wusste, da gibt es mehr Geld." Ferreira  war eben schon immer ein guter Rechner.

Und die Rechnung ging auf. Zu Beginn seiner Laufbahn, sagt der  Tennisprofi, sei alles wie von  selbst und fast zu schnell gekommen. Nach Challenger- und Qualifikationsturnieren, die ihm der südafrikanische  Tennisverband  finanzierte, stieg er innerhalb von zwei Jahren bis in die Top ten auf und verdiente Millionen. Inzwischen  stehen Turniersiege auf  allen  Belägen, vierzehn im Einzel und zehn im Doppel, auf seinem Konto.

Dennoch ist Wayne Ferreira ein Mann, der sich sein Leben  trotz Profisport  leicht macht, oft  mit seiner Frau Liesl, einem  Fotomodel, und Sohn Markus reist und viele Hobbys hat wie Golf,  Kino, Computer, Autofahren,  Fischen, Jagen, Billard, Kricket und Go-Kart Rennen. Und mit Zahlen  kann er es  noch immer. Phänomenal sein Gehirn, das wie ein  Computer Zahlen speichert. So ist es für Wayne Ferreira kein Problem, eine zehnstellige Telefonnummer, die er einmal gehört hat, zu  behalten.

Kann also sein, dass der Schuldirektor diesem Mathematiktalent noch immer nachtrauert. Aber Wayne Ferreira, der verhinderte Mathematik-Professor, hat es auch als Tennisprofi ganz schön weit gebracht - zehn Millionen Dollar, allein an Preisgeldern, sind doch so schlecht nicht.

                                             
Eberhard Pino Mueller

publiziert:  16. Juni 1996  -  Welt am Sonntag   
                 Tennisbibliothek  TAKEOFF-PRESS
                 Presse-Dienst-Süd  --  JOURNAL/EURO

           
Karrierehöhepunkte:

15 Einzel-Titel (auf allen Belägen), achtmal Finalist
11 Doppel-Titel,  dreizehnmal Finalist
Olympische Silbermedaille im Doppel
2 Tennis Masters Serie-Titel, 2 x Grand Slam-Halbfinalist
Topten-Spieler im Einzel und Doppel
Daviscup-Bilanz: 41 Siege, 14 Niederlagen in 12 Jahren
58 Grand Slam Turniere in Folge über 14 Jahre (Rekord)
10 Millionen Dollar Preisgeld



Wayne Ferreira 

Der verhinderte Professor


Was  hat der Wayne nur wieder angestellt? Weshalb  will der  Schuldirektor mit  den Eltern reden? Warum der Direktor und  nicht  der  Klassenlehrer? Und überhaupt, warum zu  Hause und  nicht in der Schule?
                           
Kein Wunder, dass Bryan und Arlene Ferreira,  Waynes Eltern, nach  dem Anruf der Schulsekretärin zu grübeln anfingen. Ihr Wayne und Schule, das war keine einfache Geschichte.

Der Direktor erschien - und kam gleich zur Sache. Es sei ein Jammer, dass Wayne, ein Schüler mit überdurchschnittlichem IQ und einer außergewöhnlichen Begabung  für Mathematik, sich  nur für  Sport interessiere. Wayne müsse nach dem Schulabschluss an die Universität und Mathematik studieren. Dann würde etwas Rechtes aus dem Jungen.

Bryan Ferreira, ein vereidigter Buchprüfer fand die Idee des Direktors hervorragend, zumal ihm nicht  entgangen war, dass sein 13-jähriger ein As in Mathematik war. Aber Uni und Mathe? Nie und nimmer würde einer seinen sportverrückten Sohn dafür begeistern können.

Nicht  verwunderlich, dass einer, mit nur Sport im Kopf , keinen Bock auf Schule hatte. Und weil Wayne Ferreira, eigentlich ein guter  Schüler, im Unterricht oft  nicht richtig mitmachte, brachte er die Lehrer immer wieder zur Verzweiflung. "Hau ab und komm' nie wieder,  habe  ein  Lehrer ihn einmal angeschnauzt", erinnert sich Ferreira und grinst dabei.

"Aber  sie haben mir die Schule auch richtig vermiest, weil sie mich  strenger als alle anderen herannahmen."  Der  Grund: Fünf Jahre vor Wayne kam Gary Muller, auch ein Tennistalent, an dieselbe Schule, und dem  hatte man  zuviel zugelassen, bis man ihn nicht mehr bändigen konnte. Das sollte mit Ferreira nicht noch einmal passieren.

Nur gut, an Selbstbewusstsein mangelte es Wayne Ferreira nicht. In der Schule nicht, wo er  sich nichts gefallen ließ, und nicht im Sport, weil er da immer groß herauskam.

Mit sieben Jahren fing er an, Tennis zu spielen. Aber  auch Fußball, Kricket, Hockey und Badminton lagen ihm. Und Mutter Arlene musste den Stöpsel, der überall mitmachen wollte, immer umherkutschieren. Was Wayne Ferreira machte, machte er gut, denn er hatte wirklich alles, um besser zu sein als die anderen: Ballgefühl, Ehrgeiz, Siegeswille, Biss, Ausdauer, Fitness und Talent. Damals, sagt Bryan  Ferreira, "hat  sich Wayne im Sport so hereingehängt, dass er, was es in Südafrika noch nie gegeben hatte, das Nationaltrikot in vier Sportarten tragen durfte."

Der ballverliebte Junge vergnügte sich auch gern und

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