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Und so schleppt Marlene Weingärtner auf ihren Reisen in aller Welt neben den Tennisschlägern immer auch Pinsel und Farben mit sich herum. Unter dem Künstlernamen „Marwei" dokumentiert sie ihre Gedanken in Farben. Ihre abstrakten Bilder, sagt sie, „sind ein malerisches Tagebuch mit autobiographischem Charakter über die Tennisreisen rund um die Welt und geben die Stimmung wieder, Gedanken zum Turnier, die Gegnerinnen oder das Match, private Erlebnisse oder Eindrücke des Landes und der Kultur."

Nicht genug mit Malerei. Marlene Weingärtner macht auch in Mode, hat eine eigene „Marwei Sportsline", eine Tenniskollektion in schwarz-weiß mit hoher Qualität und avantgardistischem Design. Durch einfache Gestaltung, schreibt sie auf ihrer Web Side, wolle sie neue symmetrische und asymmetrische Linien zeigen und in den aktuellen Modellen ihre Liebe zu Tennis und Kunst durch konsequente Teilung in schwarz und weiß implizieren.

Tennis, Mode, Malerei - und auch noch aktiv für wohltätige Zwecke. Ihr Herz schlägt vor allem für Kinder - für arme in Afrika, für krebskranke und für notleidende und deren Eltern in Baden Württemberg. Sie hilft denen, stellt dafür ihre Bilder aus und war bei der Fond-Gründung von „Game, Set, Match for Children" dabei.

Man fragt sich, wie kriegt eine Weingärtner all das auf die Reihe? Verzettelt sie sich vielleicht doch zu sehr mit all ihren Interessen und Aktivitäten? Weil ich sehr Tennis-motiviert bin, gibt Marlene Weingärtner an, brauche ich als Ausgleich zum Leistungssport die Kunst in ihren vielfältigen Formen.

Ein Grund auch, warum Marlene Weingärtner gern lacht. Ob gewonnen oder verloren, sie wirkt selten gequält bei Interviews. Auch in Paris nach ihren Matches war sie fidel und lachte vergnügt, als sie gefragt wurde, in welchen Farben sie vor Paris gemalt habe, und ob sie jetzt ihre Bilder in rot, der Farbe der Sandplätze in Roland Garros male? „Hm, vielleicht, mal sehen", druckste sie amüsiert herum und kniff.

Ihre Lieblingsfarben, da macht sie kein Geheimnis daraus, die sind Schwarz und Weiß. Passt irgendwie. Zu ihrem Tennis. Wenn eine Top-Spielerin wie Nadia Petrova meint: „Sie ist eine, die unglaublich spielt und morgen wieder totalen Mist", dann ist, Capriati kann davon ein Lied singen, etwas daran. Marlenes Freund Christian Vinck sagt es nicht so knallhart, sondern mehr durch die Blume: „Sie ist eine kreative Spielerin, wichtig ist aber auch körperliche und mentale Konstanz." Da hapert es. Ihre Stärke aber, so Marlene Weingärtner, „das ist mein variables Spiel, und wenn ich das gut mixe, das mögen die Gegnerinnen nicht."

Also mal sehen, wie es weitergeht. Und wenn es denn mit einer großen Tennis Karriere doch nichts werden sollte, kann Marlene Weingärtner, wie ihr vorschwebt, sich immer noch auf eine kleine Farm für pflegebedürftige und heimatlose Hunde zurückziehen und malen. Tausend Euro und mehr für eines ihrer Werke ist ja auch so schlecht nicht. 
                                                       Eberhard Pino Mueller

publiziert:  September 2004  DTZ -  Deutsche Tennis Zeitung     

                                       
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Marlene Weingärtner, die etwas andere Tennisspielerin


Tennis, Mode, Malerei



Paris ist immer eine Reise wert und ganz besonders, wenn man da auch noch 69.910 Euro bekommt. Marlene Weingärtner wird deshalb an ihre Tage in Paris in diesem Jahr gern zurückdenken. Doch drei Wochen vor den French Open saß sie noch zu Hause herum und war verzweifelt. „Ich habe geheult", sagte sie in Paris, „weil ich verletzt war und nicht Tennis spielen konnte."

Aber gerade rechtzeitig, nach einem Ermüdungsbruch im Vorderfuß, zwei Bauchmuskelzerrungen und einer Bronchitis, war sie doch fit für Paris. Im ersten Match aber gleich wieder ein Problem. Mit dem Magen. Sie musste den Platz nach dem zweiten Satz verlassen. „Ich habe mich", erzählte sie später, „auf der Toilette übergeben, dann aber besser gefühlt." Weingärtner war denn auch nach dem Sieg mit sich zufrieden: „Ich spiele erst wieder seit zwei Wochen, nachdem ich praktisch 12 Wochen außer Gefecht war, und bin stolz, so gefightet zu haben:" Gefightet hat sie dann auch in den folgenden Runden und beim Sprung ins Achtelfinale die an acht gesetzte Russin Petrova überraschend abserviert.

Für Überraschungen ist Marlene Weingärtner immer gut, wie bei den Australian Open vor einem Jahr, als sie die Titelverteidigerin Capriati in der ersten Runde rausgeworfen hat. „Potenzial", so der DTB-Damentrainer Klaus Eberhard, „hat sie und solche Spiele sind immer mal drin." Und jetzt, nachdem sie seit März mit dem deutschen Spitzenspieler Christian Vinck trainiert und auch privat „verbandelt" ist, könnte vielleicht doch noch etwas mehr aus ihrer in jungen Jahren so vielversprechenden Tenniskarriere werden.

Dabei hatten Marlenes rumänische Eltern mit der Kleinen zuerst anderes vor. Sie bekam zum zweiten Geburtstag Schlittschuhe geschenkt und sollte, anfangs von ihrer Mutter Johanna, einer Ärztin, trainiert, bevor sie mit sechs Jahren einen Eislauftrainer bekam, Karriere auf dem Eis machen.

Doch plötzlich kam alles anders. Denn als das sportliche Kind sportlicher Eltern - der Vater war Vize-Kanueuropameister - es auch mit dem Tennis probierte und sich gleich geschickt angestellt hat, stiegen die Weingärtner auf Tennis um. Marlene bekam dann mit acht Jahren im Tennis ihre ersten Trainerstunden und gewann schon ein Jahr später in München beim Sport-Scheck-Tennisturnier. Weitere Erfolge kamen Schlag auf Schlag. Sie wurde siebenmal deutsche und Europa-Jugendmeisterin und stand 1995 in Roland Garros, 1996 bei den US Open und 1997 bei den Australian Open im Finale der Grand Slam-Juniorenturniere.

Es war nun aber nicht so, dass Marlene Weingärtner nur noch Tennis im Kopf hatte, auch nicht als sie sich zeitweilig in Leimen im gleichen Zimmer eingenistet hatte, wo auch Boris Becker als Junge aufgewachsen ist. Erst einmal machte sie ihr Abitur. Kein Problem für eine, die deutsch, englisch und rumänisch spricht und musische Interessen hat. Sie spielt Klavier, liebt klassische Musik, liest gern Bücher und hat zu dem noch viele Hobbys wie Skifahren, Wasserski, Schlittschuhlaufen, Kino, Tanz und vor allem Malerei.

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