|
Philipp Eberhard Hermann Kohlschreiber:
„Ich brauche mich nicht zu verstecken."
Kein Wölkchen. Kein Lüftchen. Die Sonne brennt vom Himmel herunter. Neben dem Schiedsrichterstuhl auf Platz 24, dem hintersten im Melbourne Park, sitzt ein junger Mann und wischt sich den Schweiß ab. Es ist Philipp Kohlschreiber nach seinem Sieg in der ersten Runde bei den Australian Open. Zufrieden und locker drauf scherzt er mit den Kids hinter der Absperrung. Sie wollen das Australian Open-Handtuch. Geht nicht, gehört ihm nicht. Also, dann sein Hemd oder die Schuhe oder einen seiner Schläger. Egal was. Sie kriegen seine Schweißbänder und sind happy.
„Toll, die Leute hier", sagt Kohlschreiber beim Weggehen. „Du denkst, zu dir, bis Platz 24, verirrt sich keiner und dann ist hier richtig Stimmung und alles voll." Das hier war aber gar nichts. Es sollte für ihn noch ganz anders kommen.
Kohlschreiber kam nach Melbourne, weil er nicht, wie bei den US Open im vergangenen Jahr, durch die Qualifikation musste. Er wollte bei seinem dritten Grand Slam-Turnier auch wieder eine oder diesmal besser zwei Runden gewinnen. Um bei den großen Turnieren mitspielen zu können, hatte er hart im Leistungszentrum Oberhaching trainiert. Seit fünf Jahren.
„Es war so", erzählt der Einundzwanzigjährige, „die Schule machte mir überhaupt keinen Spaß. Ich war auch zu faul zum Lernen, und alle meinten, du bist gut im Tennis, mach' da weiter. Da hab' ich mir gesagt, du hörst nach der zehnten Klasse auf, dann hast du die mittlere Reife und machst nur noch voll auf Tennisprofi."
Er packte dann auch seine Sachen, zog daheim aus und nahm sich ein Zimmer im Leistungszentrum des Bayrischen Tennisverbandes. „Und das war", so Kohlschreiber, „bis jetzt eine gute Entscheidung." Die Rahmenbedingungen sind super für Spieler, die eine Profikarriere einschlagen wollen. Es gibt alles: Frei- und Hallenplätze, Kraftraum, Mehrzweckhalle, Massageabteilung, Sportplatz, medizinische Betreuung, Toptrainer, Physiotherapeuten und gute Trainingspartner. Kohlschreiber weiß das zu schätzen. „Ich wurde super unterstützt und von klein auf gefördert. Und sie haben dich, auch wenn es mal nicht voran ging oder du verloren hast, nicht gleich fallen lassen."
Du schuftest also mit dem Ziel, auf die Tennistour zu kommen. Morgens zwei Stunden Tennis, dann eine Pause, dann eine Stunde Konditionstraining, dann wieder eine Einheit Tennis. Mal Matchtraining, mal mit den Trainern. Jahrelang. Dennoch, Kohlschreiber liebt Tennis. Er mag seinen Job. Fast immer. Er denkt natürlich, wenn die Sonne richtig runterknallt: Was mache ich da, warum quäle ich mich, bis es weh tut? Wie schön wäre es jetzt beim Baden? Doch er zieht das Training durch, auch wenn es mal keinen Spaß macht. Er weiß, von nichts, kommt nichts.
Nach dem Tennis, wenn ich platt bin, mach' ich Computerspiele. Zum Zeitvertreib und Abschalten. Ich bin", sagt Kohlschreiber, „damit aufgewachsen und steh' darauf. Für Kriegsspiele, Filme, „Ego-Shooter" und was es so gibt, gebe ich, um Spaß zu haben, viel Geld aus." Und sonst? „Sonst bin ich eigentlich sparsam. Brauche keinen Luxus. Okay, ich habe einen normalen BMW und werde mir, wenn ich günstig drankomme, ein neues Auto kaufen."
Das Zimmer im Leistungszentrum hat er vor kurzem aufgegeben. Es hat sich für die paar Wochen, an denen er in München ist, nicht mehr gelohnt. Jetzt wohnt er bei der Freundin im Haus derer Eltern. Er grinst und erzählt: „Ist ja auch gut, wenn man nicht immer Bälle klopfen hört. Und außerdem, passt einfach alles. Das Essen steht auf dem Tisch, die Wäsche wird gewaschen, und der Vater, der Arzt ist, kann mich daheim untersuchen, da muss ich nicht mal in die Praxis gehen."
|
|