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Daniel Brands

„Dran bleiben, bis der Knoten platzt."

Daniel Brands hat es eilig. Er will noch schnell sein Preisgeld abholen. Wenig später kommt er, freudig erregt, mit einem weißen Umschlag in der Hand zu unserem Treffpunkt in die Cafeteria im Stade Roland Garros.

Das war nach der Erstrundenniederlage bei den French Open in Paris gegen den Russen Dmitry Tursunow, die Nummer 33 der Welt. Kein Grund zur Freude, eigentlich. Doch Daniel Brands war zufrieden und glücklich. „Es war mein erstes Grand Slam Turnier und mein bisher größter Erfolg", sagte er. „Ich habe die Quali konsequent durchgespielt und dabei den früheren Olympiasieger Massu aus Chile geschlagen, konnte von guten Spielern etwas lernen, und das nächste Mal wird es schon einfacher sein."

Und dann war da auch noch der Umschlag mit seinem Preisgeld. Vierzehntausendzweihundertneunzig Euro, die größte Summe seiner Profikarriere. „Ein wunderbares Gefühl, als ich mein Preisgeld bekam", so der Bayer aus Deggendorf, „an so was könnte ich mich schon gewöhnen. So viel habe ich noch nie in der Hand gehabt. Ein bisserl vorsichtig bin ich jetzt schon, nicht dass damit was passiert und das Geld weg ist." Der Qualifikant lässt das Kuvert auch keine Sekunde los und es scheint so, als fühle er jeden Schein, dabei ist es „nur" der fünfstellige Scheck.

Daniel Brands hat ein praktisches und ein emotionales Verhältnis zu Tennis - das Geld und der Spaß. Es gibt nichts, was er lieber macht als Tennis spielen, und das einzige, was er werden wollte, war Tennisprofi. „Tennis ist mein Hobby", schwärmt er, „und ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht und kann damit Geld verdienen." 

Das Match vergeigt und 14.290,00 kassiert. Was für ein Beruf? Und überhaupt, die Tennisprofis haben es richtig gut - heute in Frankreich, morgen Amerika, Japan oder sonst wo auf der Welt, schöne Reisen, von Tennisfans bewundert, Spaß bei der Arbeit und dazu einen Haufen Geld. Was für ein Leben?

Doch die Wirklichkeit sieht für Jungprofis anders aus. Natürlich kommt Daniel Brands viel herum, aber nicht jeder Ort ist ein Highlight. Tennis auf der zweitklassigen Challenger-Tour ist ein hartes Brot. In der Liga kriegt keiner etwas geschenkt. „Die Freunde sind weit weg", beschreibt der 1,96-m-Hühne sein Tennisleben. „Eine Freundin gibt's nicht, dafür hab' ich auch ein bisserl zu wenig Zeit. Mit meiner Familie halte ich Kontakt über Telefon oder Internet. Und zwei meiner Brüder seh' ich ab und an in München, die arbeiten da, haben aber nichts mit Tennis zu tun. Ich muss also schauen, dass ich auf der Weltrangliste hochkomme und die großen Preisgeldturniere spielen kann. Aber das dauert."

Und so tourte Daniel Brands erst einmal überall herum. Auf Challenger-Turnieren in Rimouski (Kanada), Truava (Slowenien), Timisoarra (Rumänien), Almaty und Astana (Kasachstan), Busan und Seoul (Korea), Mexico City, Tallahassee und Louisville (USA), Taschkent (Usbekistan), Istanbul (Türkei), Donetsk und Cherkassy (Ukraine), Kyoto (Japan), Vigo (Spanien), Kuala Lumpur (Malaysia), Sarajevo (Bosnien), East London (Südafrika). Und überall da gibt es nicht das große Geld. „Das ging nur, weil mein Vater mir unter die Arme gegriffen hat", sagt Brands. „In der Vergangenheit hatte hauptsächlich er alles finanziert. Und jetzt schau' ich schon darauf, dass alles im positiven Bereich bleibt." Und was ist mit einem




eigenen Auto? „Ich interessiere mich für Autos, kann mir aber noch keines leisten. Später mal. Ich arbeite hart."

Schon früh hatte Daniel Brands mit Tennis angefangen. So mit fünf. Zuerst mit seinen Eltern und den drei älteren Brüdern. Mit neun ging es dann im Verein los. Mit Gruppentraining zwei bis dreimal in der Woche. Die Schule mochte er nicht so gern, obwohl er in Mathe, logischem Denken und natürlich auch im Sport gut war. Nach zehn Jahren mit der mittleren Reife ging er dann von der Schule ab.

Die Brands haben den kleinen Daniel, das Nesthäkchen der Familie, nicht besonders verwöhnt, aber konsequent im Tennis gefördert. Er bekam private Trainerstunden und mit dreizehn hat ihn seine Mutter mehrmals in der Woche zum Training nach Landshut gefahren. „Das waren hin und zurück 150 km für drei Stunden Tennis", erzählt der 20-Jährige. „Den Einsatz muss man bringen. Das war sehr wichtig und sicher eine richtige Entscheidung." Mit achtzehn zog Daniel Brands in die Oberhachinger Tennisbase, wo er zuerst ein halbes Jahr mit Stefan Erikson trainierte und danach mit Ulf Fischer, der auch Matthias Bachinger betreut und die beiden zu Turnieren begleitet hat.

Und wie viel Freizeit bleibt einem jungen Tennisprofi? „Wenig, ganz wenig", versichert Daniel Brands. „Drei bis vier Wochen Pause kurz vor Weihnachten ist alles, sonst wird durchgespielt." Und zwischen den Turnieren setzt er schon mal ein, zwei Tage aus. „Das ist wichtig zum Abschalten", meint Brands, „denn wenn man sich zuviel mit Tennis beschäftigt, wirkt das sich negativ aus. Man muss auch mal etwas anderes machen." Und was? Ins Kino gehen oder Musik hören. Er sei auch ein Fußballfan vom FC Bayern. Da schaue er öfters vorbei. Er gehe auch gern zum Eishockey nach Straubing. 

Daniel Brands hat gelernt, worauf es ankommt. Zum Beispiel in Sachen Alkohol. „Nee, Alkohol gar keinen", sagt er. Ein Bayer und kein Bier, das ist schon ungewöhnlich. Passt aber irgendwie zu dem ruhigen Typ, der von sich sagt, er sei diszipliniert und versuche alles für seinen Sport zu machen, fast schon zuviel. Er sei auch manchmal zu schüchtern, müsse mehr aus sich herausgehen und offener sein. Auch noch selbstbewusster auf dem Platz.

So oder so, es geht aufwärts mit dem inzwischen 21-Jährigen. Er hat sich 2008 um 70 Plätze verbessert und auf 150 in der Weltrangliste vorgearbeitet und seinen ersten ATP-Titel im rumänischen Timisoara geholt. Und da Brands nach dem Matchball bei seinem Turniersieg das gleiche wunderbare Gefühl wie in Paris mit dem Scheck in der Hand hatte, fiel ihm spontan wieder sein schöner Satz ein: „An so was könnte ich mich schon gewöhnen." Warum nicht? Mit seinen Vorsätzen - „Du musst fleißig und diszipliniert sein, die Geduld nicht verlieren und immer dran bleiben, bis der Knoten platzt" - wird Daniel Brands das wunderbare Gefühl wieder bekommen.

                                                Eberhard Pino Mueller

publiziert:  Tennisbibliothek TAKEOFF-PRESS

                  Presse-Dienst-Süd  --  JOURNAL/EURO             

Facts & Infos

Geburtstag, Geburtsort: 17. Juli 1987 in Deggendorf
Wohnsitz: Bogen /Niederbayern
Größe / Gewicht: 1,96 m /  92 Kg
Profi seit: 2005 (Rechtshänder)
Stärke: Aufschlag
Preisgeld:  100.735 $ (2008) - 148.431 $ (gesamt)
Trainer: Christian & Steffi Arlt, Stefan Erikson, Ulf Fischer
Verein: TC Großhesselohe
Homepage:  www.daniel-brands.de

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