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Benjamin Becker
„Alles ging eigentlich viel zu schnell."
Die Szene hätte nicht absonderlicher sein können. Da landet ein Nobody als Qualifikant seinen größten Coup als Tennisspieler und kann sich so richtig nicht freuen. Kein Beifall für den Sieger, dafür Ovationen für den heulenden Verlierer. 23.700 Tennisfans im Arthur-Ashe-Stadion in New York bejubeln stehend Andre Agassi, und auch Benjamin Becker applaudiert minutenlang dem Mann, dessen große Tennis-Karriere er gerade beendet hatte.
„Das war wie ein Film für mich", sagt Benjamin Becker hinterher, „er war mein Idol, als ich aufgewachsen bin. Es war eine Ehre für mich gegen ihn spielen zu dürfen."
Benjamin Becker, der Spätstarter und krasse Außenseiter hatte sich dieses Match, von dem jeder Profi der Welt träumte, aber auch ein bisschen verdient. Über die Qualifikation, in der er keinen Satz abgab, schaffte er bei seinem US Open-Depüt den Sprung ins Hauptfeld, wo er gleich auch noch den Italiener Volandri und den gesetzten Franzosen Sébastien Grosjean abservierte.
Schon nach der ersten Runde schwärmte Benjamin Becker: „Es ist ein Wahnsinnsgefühl, jetzt unter den Top 100 zu sein." Und das war für einen 25-Jährigen, der eigentlich gar nicht Tennisprofi werden wollte und es im Sommer 2005 nur mal eben so probiert hatte, wirklich etwas ganz Besonders.
Wer aber ist dieser Benjamin Becker, der durch seinen Sieg über die scheidende Tennislegende Agassi weltweit Schlagzeilen machte? Benni, wie ihn Freunde nennen, kommt aus dem Saarland und fing mit sieben im Hinterhof an, mit einem Schläger, den er in einer Garage gefunden hatte, Tennis zu spielen. Ein Freund nahm ihn dann in einen Club mit, weil niemand der Familie diesen Sport machte. „Mit zehn", sagt er, „kam ich erstmals in ein richtiges Tenniszentrum, wo ich vom saarländischen Tennisverband gefördert wurde."
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