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Nach dem Abitur setzte sich Becker nach Amerika ab, um vier Jahre lang auf dem Baylor-College von Waco in Texas Finanzen und Betriebswirtschaft zu studieren. Und um Tennis zu spielen. „Ich brauchte die Zeit auf dem College", sagt er, „um mich zu entwickeln. Amerika hat ein Supersystem für Sportler, das mich abgehärtet hat. Das ist in Deutschland nur schwer zu verwirklichen."

Dieser College-Spieler brachte es mit ein paar Weltranglistenpunkte im Oktober 2005 auf Platz 1080, im März 2006, nach einem Sieg bei einem Challenger-Turnier in Ecuador, auf den 214-ten und dann, nachdem er in Halle zum ersten Mal in einem Hauptfeld der ATP-Tour gestanden und in Wimbledon die zweite Runde erreicht hatte, auf den 112-ten Weltranglistenplatz. „Alles ging", sagt Becker grinsend, „eigentlich viel zu schnell. Vor einem Jahr spielte ich noch vor 200 Studenten und hier vor zig Tausend Zuschauern im größten Tennisstadion der Welt."

Benjamin Becker, der über sich sagt: „ich bin ein ruhiger und unauffälliger Typ", ist plötzlich bei den US Open in einer neuen Tennis-Welt angekommen. Noch ist für ihn nicht ganz normal, dass ein Tommy Haas mit ihm oder Roger Federer auf dem Nebenplatz trainiert. „Das versuche ich langsam zu realisieren." Und dabei steht ihm mit Tarik Benhabiles, der auf der Tour gespielt und Andy Roddick als Coach nach oben gebracht hatte, ein Mann mit großer Erfahrung zur Seite.

Der weitere Weg nach oben wird schwer werden und hinzu kommen jetzt auch noch große Erwartungen. Doch der Newcomer bleibt cool: „Ich sehe das nicht als Druck an, sondern nehme es positiv. Ich bin bodenständig genug, um damit umzugehen." Und er hoffe, viel positive Energie aus den zwei Wochen in New York zu ziehen.

Benjamin Beckers Auftritt hat Spuren hinterlassen. „Schwer zu begreifen war", so der Saarländer, „die Szene, als ich mein Idol nach unserem Match weinen und leiden sah. Ich hoffe jetzt nur, dass man mich nicht nur als den Tennisspieler sieht, der Andre Agassis Karriere beendet hat."

                           Eberhard Pino Mueller 

publiziert: Oktober 2006  DTZ
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       Presse-Dienst-Süd  --  JOURNAL/EURO                                                                                                                   




Benjamin Becker

„Alles ging eigentlich viel zu schnell."


Die Szene hätte nicht absonderlicher sein können. Da landet ein Nobody als Qualifikant seinen größten Coup als Tennisspieler und kann sich so richtig nicht freuen. Kein Beifall für den Sieger, dafür Ovationen für den heulenden Verlierer. 23.700 Tennisfans im Arthur-Ashe-Stadion in New York bejubeln stehend Andre Agassi, und auch Benjamin Becker applaudiert minutenlang dem Mann, dessen große Tennis-Karriere er gerade beendet hatte.

„Das war wie ein Film für mich", sagt Benjamin Becker hinterher, „er war mein Idol, als ich aufgewachsen bin. Es war eine Ehre für mich gegen ihn spielen zu dürfen."

Benjamin Becker, der Spätstarter und krasse Außenseiter hatte sich dieses Match, von dem jeder Profi der Welt träumte, aber auch ein bisschen verdient. Über die Qualifikation, in der er keinen Satz abgab, schaffte er bei seinem US Open-Depüt den Sprung ins Hauptfeld, wo er gleich auch noch den Italiener Volandri und den gesetzten Franzosen Sébastien Grosjean abservierte.

Schon nach der ersten Runde schwärmte Benjamin Becker: „Es ist ein Wahnsinnsgefühl, jetzt unter den Top 100 zu sein." Und das war für einen 25-Jährigen, der eigentlich gar nicht Tennisprofi werden wollte und es im Sommer 2005 nur mal eben so probiert hatte, wirklich etwas ganz Besonders.

Wer aber ist dieser Benjamin Becker, der durch seinen Sieg über die scheidende Tennislegende Agassi weltweit Schlagzeilen machte? Benni, wie ihn Freunde nennen, kommt aus dem Saarland und fing mit sieben im Hinterhof an, mit einem Schläger, den er in einer Garage gefunden hatte, Tennis zu spielen. Ein Freund nahm ihn dann in einen Club mit, weil niemand der Familie diesen Sport machte. „Mit zehn", sagt er, „kam ich erstmals in ein richtiges Tenniszentrum, wo ich vom saarländischen Tennisverband gefördert wurde."





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