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Martina Müller und Vater Reinhard - ein spezielles Team.
Müller & Müller
Neulich bei den French Open in Roland Garros saß Reinhard Müller an seinem Laptop, um eine Geschichte ins Englische zu übersetzen, bis seine Tochter Martina zurückkommt. Ein bisschen skeptisch fragt er, warum ich mit Martina sprechen wolle, vor einem Jahr, als sie auf Platz 33 der Welt stand, wäre es doch eine andere Geschichte gewesen.
Reinhard Müller kommt dann auf Damentennis zu sprechen, auf die hoch geschossenen Spielerinnen heutzutage. Die, doziert er, würden doch nur draufhauen, was das Zeug hält, hätten einen Mords-Aufschlag und müssten mit ihren langen Beinen nicht mehr so herumrennen. Er denkt dabei natürlich an seine Tochter mit gerade mal einem Meter und fünfundsechzig, für die es dadurch schwerer wird.
Und gerade, als Reinhard Müller Tennis fachkundig analysiert, kommt sie - Martina, ein kleines, aber drahtiges Persönchen. Und hier im Raum, wo es von „riesigen" Tennisspielerinnen nur so wimmelt, wo gerade Ana Ivanovic vorbeigeht, Dinara Safina sich Essen holt, Daniela Hantuchova und Elena Dementieva herumstehen und Nathalie Dechy mit einer Freundin plaudert, fällt einem erst richtig auf, wie klein Martina Müller dagegen ist.
Ob sie vielleicht die falsche Sportart gewählt hat und mit ihrer Figur lieber Kunstturnen oder Akrobatik hätte machen sollen? Da lacht Martina Müller lauthals und sagt: „Na ja, ich hab' als Kind mal Akrobatik gemacht." Und warum dann Tennis? „Ach, es gab die Schule, Turnen und Tennis. Irgendwie war dann alles zusammen zuviel. Es waren auch nur Handstände, Pyramiden und Sprünge, also keine Sportakrobatik für den Zirkus - und überhaupt, so gut war ich auch nicht." Und da lacht sie schon wieder.
Auf Tennis kamen die Müllers, als in ihrem Ort ein Club gegründet wurde und Reinhard Müller dabei aktiv mithalf. „Damals", so Martina Müller, „hat sich Papa, obwohl er noch Fußball spielte, für Tennis entschieden, damit wir das zusammen machen können. Es kam ganz zufällig und nicht wie bei vielen, die zum Tennisprofi geboren oder gemacht wurden."
Tennis war für Martina, so Reinhard Müller, „einfach eine Sache, die ihr Spaß gemacht hat und wo ich ihr, da ich als allein erziehender Vater nur noch Teilzeit gearbeitet und mich im Tennisbereich weiter entwickelt habe, helfen konnte."
Mit dem Spaß kam auch ein gewisser Ehrgeiz. Und so chauffierte der Papa seine Tochter überall herum, mal zum Training, mal zu Turnieren. „Doch die Schule hatte bei mir immer Vorrang", so Martina Müller, „und Tennis lief nebenbei."
Erst nach dem Realschulabschluss haben sich Vater und Tochter Gedanken gemacht, wie es weitergehen soll. „Als Martina mit siebzehn, fast noch als Hobbyspielerin, deutsche Meisterin der Damen wurde", erzählt Reinhard Müller, „haben viele gesagt, sie soll Profi werden." Martina Müller erinnert sich noch gut an die Qual der Wahl. „Wir haben lange mit uns gekämpft, ob wir das wollen. Ich wollte dann mal sehen, wie es läuft. Und hätte es nicht geklappt, wäre ich wieder zur Schule gegangen."
Den Müllers war klar, dass Talent nicht alles ist. Aber was hatte sie noch? Da lacht sie wieder und sagt nur: „Hm, das fragen sie doch lieber meinen Papa." Und der zögert nicht lang: „Sie ist fleißig, ehrgeizig, diszipliniert und wird für ihre harte Arbeit bewundert. In ihrem Wesen ist sie freundlich, sehr offenherzig, menschlich, loyal, sozial eingestellt und lacht gern. Sie müsste aber etwas härter und manchmal egoistischer sein. In einem Beruf, der oft knallhart ist, muss man auch sagen, was man will. Ich habe sie aber so erzogen und bin stolz, dass sie so ist, wie sie ist. Da fällt ihm die Tochter ins Wort: „Aber ein Dickkopf bin ich auch."
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